Umwelthilfe verklagt Kraftfahrt-Bundesamt

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) verklagt erneut das Kraftfahrt-Bundesamt in Sachen Abgasskandal. Der Grund: Die Rückrufanordnung, die die Behörde im vorvergangenen Herbst gegenüber VW erlassen hatte, zeige keine Wirkung. Das hätten eigene Abgas-Messungen der DUH bei den reparierten Fahrzeugen ergeben. Das Kraftfahrt-Bundesamt untersteht dem Bundesverkehrsministerium und ist sowohl für die Typengenehmigung von Autos zuständig als auch für die Durchsetzung der Abgas-Grenzwerte.

BildReparatur für die Katz: Auch nach der Rückrufanordnung werden die zulässigen Grenzwerte mehrfach überschritten. (Foto: Simone Ramella/Flickr)

Die Reparatur bestand aus einem Software-Update, um das sogenannte Thermofenster auszuweiten: Es geht um die programmierte Temperaturspanne, in der Autos ihre Abgasreinigung nutzen. Viele Dieselautobauer haben das Fenster, so hat der Abgasskandal gezeigt, so winzig dimensioniert, dass das reale Fahren auf der Straße größtenteils außerhalb davon stattfindet. Es entstehen also viel mehr Abgase, als die Herstellertests ergeben haben, die natürlich im Thermofenster stattfinden. Als Grund für das Vorgehen geben die Hersteller an, dass es die Motoren vor der sogenannten Versottung schütze: Die Dieselabgase werden durch Harnstoff von Stickoxiden befreit, dabei entsteht durch Kondenswasser, Kohlenwasserstoffe und Ruß langfristig Schleim, der sich auf den Motor legt.

Den eigenen Messungen der Umwelthilfe zufolge stößt der VW Golf VI im realen Betrieb nun 602 Milligramm Stickoxide pro Kilometer aus. Erlaubt wären 180 Milligramm – also weniger als ein Drittel. "Während VW der amerikanischen Umweltbehörde zusagt, die Betrugs-Diesel so umzubauen, dass sie durch verbesserte Katalysatoren die Abgaswerte auf der Straße einhalten, ignoriert Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt Recht und Gesetz und ermöglicht VW eine weitgehend unwirksame Placebo-Maßnahme", sagte DUH-Chef Jürgen Resch.

"Eine Abgasrückführung wie bei dem untersuchten VW Golf bietet nur eine begrenzte Möglichkeit der Stickoxidminderung", sagte der Verkehrsexperte Axel Friedrich. "Bei einer Anpassung der Software kann nur mit höheren CO2-Werten ein etwas besseres Ergebnis erreicht werden." Helfen könne aber beispielsweise die Nachrüstung mit einer SCR-Katalysatoranlage.

klimaretter.info/scz

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