Wenig Solaranlagen neben Bahnstrecken
Die Idee klingt bestechend: Hässliche Lärmschutzwände neben Bahnstrecken könnten mit Solaranlagen bestückt werden. Doch bislang gibt es erst zwei Pilotprojekte. Die Linkspartei findet das zu wenig, die Bahn verweist auf besonders hohe Anforderungen.
Von Felix Werdermann
In der Nähe von München hat das private Unternehmen Phoenix bereits eine Photovoltaikanlage auf einer Lärmschutzwand errichtet. Nun möchte auch die Deutsche Bahn wissen, ob sie neben den Schienen Sonnenstrom erzeugen kann. Die Linkspartei hat sich deshalb bei der Bundesregierung nach den aktuellen Bauvorhaben erkundigt. Die Antwort zeigt: Derzeit gibt es nur zwei Pilotprojekte – in Duisburg und in Nürnberg.

Fährt dieser Zug bald an einer mit Solarmodulen gepflasterten Wand vorbei? (Foto: Michael Schulze von Glaßer)
Dort soll unter anderem untersucht werden, ob die Funktion der Lärmschutzwand beeinträchtigt wird und ob sie das Gewicht der Solaranlage aushält. Laut Bundesregierung wird die Erprobung "voraussichtlich Mitte 2012 abgeschlossen sein". Beide Projekte werden mit Geldern aus dem Konjunkturpaket II gefördert.
Die Bundesregierung schreibt: "Grundsätzlich sind die rechtlichen Voraussetzungen vorhanden, dass die Deutsche Bahn oder Dritte Photovoltaikanlagen auf Lärmschutzwänden errichten können." Die Regierung sieht darin auch "eine Option zur Erhöhung des Anteils erneuerbaren Stroms" der Bahn.
Linke: Bahn lässt Potentiale "links liegen"
Der Linkspartei jedoch geht es zu langsam voran. "Bei grünem Strom muss die Deutsche Bahn deutlich mehr Tempo an den Tag legen", fordert die linke Bundestagsabgeordnete Dagmar Enkelmann. Potentiale für Sonnenstrom lasse die Bahn "links liegen". "Firmen und Kommunen suchen teilweise händeringend nach freien Flächen für Solaranlagen – bei der Bahn liegen diese brach."
Bei der Deutschen Bahn weist man diesen Vorwurf zurück. "Wir gucken uns Flächen sehr genau an, und wo sie sich eignen, werden auch Photovoltaikanlagen errichtet", sagte ein Sprecher. Die Lärmschutzwände hätten aber gegenüber Bahnhofsdächern oder anderen Bahnflächen einige Nachteile: So müsse sehr genau kontrolliert werden, ob Module nicht auf die Bahnstrecke fallen können. Außerdem ließen sich die Lärmschutzwände nicht einzäunen, deshalb stelle Diebstahl und Vandalismus ein besonderes Problem dar. Der Bremsstaub der Züge mindere die Leistung der Solarmodule und Wartungsarbeiten seien sehr aufwendig, weil zu der Zeit keine Züge durchfahren dürften. Gleichzeitig verspricht der Bahnsprecher: "Wir sind an dem Thema dran."

Auf einem Werkstattdach in Frankfurt/Main hat die Bahn bereits Solaranlagen installieren lassen. (Foto: Paul Langrock)
Für den Bahnstrommix dürften die Solaranlagen kaum eine Rolle spielen. Weil die Stromproduktion wegen des Wetters schwer vorherzusehen ist, soll der Sonnenstrom nicht für die Züge genutzt werden, sondern für andere Anlagen der Bahn oder er wird ins allgemeine Stromnetz eingespeist.
Derzeit fahren die Züge der Deutschen Bahn nicht besonders klimafreundlich. Fast die Hälfte des Stroms kommt aus Kohlekraftwerken. Erneuerbare Energien tragen bloß mit rund 20 Prozent zum Bahnstrom bei. Bis 2020 soll dieser Anteil auf 35 Prozent erhöht werden. Fest steht bereits, dass der Energiekonzern RWE ab 2014 Strom aus Wasserkraft liefert. Der Haken: Die Wasserkraftwerke laufen bereits. Der Strom wird lediglich der Bahn zugeordnet, andere RWE-Kunden erhalten im Gegenzug möglicherweise dreckigeren Strom.
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