Aschewolke zieht auf deutsche Küste zu
Sorgt Grímsvötn für ein zweites Eyjafjallajökull? Der Ausbruch des isländischen Vulkans droht auch den Flugverkehr in Europa zu beeinträchtigen.
Aus Stockholm Reinhard Wolff
"Er hat das Potenzial, ähnlich problematisch zu werden wie der Ausbruch des Eyjafjallajökull im vergangenen Jahr", sagt Reynir Bösvarsson, Seismologe an der Universität im schwedischen Uppsala. Denn der Ausbruch des seit Samstag aktiven Vulkans Grímsvötn gehöre zu den kräftigsten auf Island in den vergangenen 100 Jahren. Am Montag hielten sich die Auswirkungen allerdings zunächst noch in Grenzen.
Gesperrt war wie schon am Sonntag der gesamte isländische Luftraum, und damit fielen auch alle Flugverbindungen von und nach der Nordatlantikinsel aus. Auch der Flugverkehr von Nordnorwegen auf die Arktisinsel Spitzbergen musste eingestellt werden.

Der Vulkan Grimsvötn spuckte bereits 2004 eine 13 Kilometer hohe Aschewolke in die Luft. (Foto: Icelandic Meteorological Office)
Für Dienstag wurde mit Beeinträchtigungen beim Hubschrauberverkehr vom norwegischen und britischen Festland zu den Ölbohrinseln in der Nordsee gerechnet. Die Lufthansa strich erste Flüge, wie das Unternehmen mitteilte, wurden zwei Verbindungen nach Edinburgh abgesagt. N24 meldete, dass der spanische Fußballmeister FC Barcelona seine Anreise zum Finale der Champions League gegen Manchester United vorverlegt hat. Die Katalanen wollten nach noch am Dienstagabend oder am Mittwoch nach London fliegen, wo sie am Samstag im Wembley-Stadion auf das Team von Alex Ferguson treffen. Ab Wochenmitte könnte die Aschewolke laut der europäischen Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol den Westen Frankreichs und den Norden Spaniens erreichen.
Das könnte zumindest zu Behinderungen bei Starts und Landungen von dortigen Flughäfen führen. Die Asche, die der Grímsvötn in die Luft schleudert, ist grobkörniger und schwerer als die des im letzten Jahr ausgebrochenen Eyjafjallajökul. Sie könnte damit vor allem den Luftraum bis zu einer Höhe von 6.000 bis 8.000 Metern beeinträchtigen.

Die Aschewolke wird nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in der Nacht zum Mittwoch Norddeutschland erreichen. Hohe Vulkanaschekonzentrationen des Vulkans Grimsvötn zeigen sich auf diesem Bild in Hellrot bis Hellorange bzw. leuchtend Orange. (Foto: EUMETSAT/DWD)
Eine Aschewolke in dieser Höhe könnte der Langstreckenflugverkehr gefahrlos überfliegen. Die Aktien von Fluggesellschaften wie die der Lufthansa gaben am Montag aber um mehrere Prozentpunkte nach - eingedenk der Erfahrungen mit dem Eyjafjallajökull. Vor gut einem Jahr war es zu tagelangen Sperrungen großer Teile des europäischen Luftraums und zur Einstellung zehntausender Flugverbindungen gekommen.
Fast ganz Island, so auch die Hauptstadt Reykjavík, war vom Ascheregen betroffen: Die Bevölkerung wurde aufgefordert, Fenster geschlossen zu halten und sich nicht unnötig im Freien aufzuhalten. Erste Analysen ergaben aber, dass die Asche für Mensch und Tier gesundheitlich weniger gefährlich war als die des Eyjafjallajökull vor 14 Monaten: Sie enthält - jedenfalls bislang - kein giftiges Fluor.
Mit 13 Ausbrüchen seit 1902 - der bis Samstag letzte war 2004 erfolgt - ist der Grímsvötn der aktivste isländische Vulkan. "Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass der Ascheausstoß sinkt", sagt Reynir Bösvarsson, "eher im Gegenteil": "Ob das Tage oder gar Wochen so weitergeht, kann niemand sagen."
Lesetipps:
Keine Kondensstreifen, weniger Kohlendioxid - die Auswirkungen der Aschewolke des Vulkans Eyjafjallajökull auf die CO2-Emissionen.
Etscheits Alltagsstress und Eyjafjallajökull - "Die Aschewolk bräucht gar nit mehr fottgehn"
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 00 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Rezension
Die Übermacht der fossilen Industrie In Bonn wird auf der UN-Frühjahrstagung gerade wieder über das Klima verhandelt. Ein umweltverträglicher Kapitalismus ist jedoch nicht abzusehen. Aber auch die Kritiker tun sich schwer - ihnen fehlen die Alternativen. Eine Rezension von Felix Werdermann [mehr...]
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13
Facebook Empfehlungen
klimaretter.info auf Twitter
klimaretter.info Newsfeed





Fraktionsvize Christian Ruck will zur Haushaltssanierung klimaschädliche Subventionen streichen. Allein die Kerosin-Steuer brächte neun Milliarden Euro
Ähnliches Vorgehen gegen andere europäische Luftlinien. Lufthansa sieht Profitabilität bedroht
Vulkan Grimsvötn spuckt und lässt Erinnerungen an Eyjafjallajökull aufkeimen
Forschungseinrichtungen, Fluglinien und Produzenten von Agrosprit gründen "Aviation Initiative for Renewable Energy in Germany"/Kritik von Umweltschützern
Klimaschützer fordern die Schließung des Bremer Flughafens, den vor allem die Billigairline Ryanair anfliegt. Angesichts der Folgen der Erderwärmung gebe es kein Recht auf Urlaubskonsum per Flugzeug, sagen sie und wollen am Samstag demonstrieren. Klimaretter.info sprach darüber mit Ole Hilbrich, einem der Organisatoren, der sich im Bremer Klimaplenum engagiert.
Die internationale Luftfahrtorganisation der Vereinten Nationen ICAO hat ein Klimaschutzabkommen verabschiedet. Für die "Roadmap" hagelt es nun Kritik
Experten des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft machen Front gegen Luftverkehrslobby
Aktivisten erklettern Kran auf Baustelle für neue Landebahn am Frankfurter Flughafen: Klimadiplomaten in Bonn sollen nicht nur reden, sondern auch handeln
Am Wochenende wollen Bürgerinitiativen bundesweit für ein Nachtflugverbot an Flughäfen protestieren
Seit Jahresbeginn gilt der Emissionshandel der EU auch für Fluggesellschaften. Während die amerikanischen Airlines nach ihrer Schlappe vor dem Europäischen Gerichtshof ihren Widerstand aufgegeben haben, pokert China weiter - und erteilt jeder Kooperation eine Absage. Dabei hat Klimakommissarin Hedegaard schon weitreichende Zugeständnisse angeboten.
Fluggesellschaften aus dem Land dürfen sich nicht am europäischen Emissionshandel beteiligen und die Kosten nicht auf ihre Preise umlegen
Fluglinien erheben einen Kerosinzuschlag, Reiseveranstalter geben ihn an die Kunden weiter: Auch nach dem Sieg der Demonstranten auf Tahrir-Platz in Kairo kostet Rohöl so viel wie seit September 2008 nicht mehr - Experten rätseln.
Seit 2000 hat sich die Zahl der Flugpassagiere in Deutschland um knapp 40 Prozent erhöht



