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Deutschland soll E-mobiler Leitmarkt werden

Im zweiten Bericht der Nationalen Plattform Elektromobilität fordert die Industrie Milliardensubventionen. Kanzlerin Merkel sagt "Elektroautos gehört die Zukunft", der Nutzen für Umwelt und Klima bleibt jedoch umstritten.

Von Sarah Messina

"Elektroautos gehört die Zukunft": Bis 2020 sollen eine Million Elektroautos auf deuschen Straßen fahren, bis 2030 könnten es bereits sechs Millionen sein, sagte Kanzlerin Angela Merkel am Wochenende in ihrer wöchentlichen Video-Botschaft. Deutschland müsse Leitmarkt und Leitanbieter für Elektromobilität werden. Um den Weg dafür zu ebnen hatte die Bundesregierung im Mai 2010 die "Nationale Plattform Elektromobilität" (NPE) eingerichtet. Am Montag soll der zweite Bericht des Gremiums aus Vertretern von Industrie, Wissenschaft und Verbänden vorgestellt werden.


An die Steckdose zum Volltanken: Die Klimafreundlichkeit der Elektromobilität hängt auch vom Strommix ab. (Foto: Gereon Meyer/Wikipedia)

Darin warnt die Branche, ohne staatliche Hilfen seien die Regierungsziele zur Elektromobilität nicht zu erreichen. Die Umweltstiftung WWF kritisiert den Bericht als Mitglied der Nationalen Plattform bereits vor der Veröffentlichung als "Farce": "Er ist fast ausschließlich ein Industriepapier, in dem sich die beteiligen Industriezweige ihren Subventionsbedarf selbst errechnet haben", sagte WWF-Expertin Regine Günther. Der Bericht sieht demnach unter anderem die staatliche Förderung von Elektroautos mit bis zu 220 Millionen Euro bis 2014 und zusätzlich Forschungs- und Entwicklungsgelder in Höhe von vier Milliarden Euro vor.

Förderpaket soll vom Kabinett auf den Weg gebracht werden

Nach Medienberichten will die Bundesregierung die Entwicklung von Elektroautos innerhalb der nächsten beiden Jahren zunächst mit einer Milliarde Euro vorantreiben. Wie die Welt am Sonntag und die Bild (Montagsausgabe) berichten sind außerdem Steuervorteile und weitere Begünstigungen etwa durch Sonderparkflächen für Halter von Elektroautos geplant. Eine entsprechende Vorlage soll am kommenden Mittwoch im Bundeskabinett diskutiert werden.


Freie Fahrt für Elektromobilität: Hier am Berliner Ernst-Reuter-Platz. (Foto: Chrischerf/Wikipedia)

Elektromobilität soll dazu beitragen unabhängiger vom Öl zu werden und Kohlendioxid-Emissionen einzusparen. Die Umweltorganisation Greeneace kritisiert, die Bundesregierung setze damit auf das falsche Pferd: "Fördergelder fürs Elektroauto nützen dem Klimaschutz nur sehr wenig", sagte Greenpeace-Experte Wolfgang Lohbeck der Welt. Bereits in der Vergangenheit hatten Umweltorganisationen wiederholt kritisiert, der gleiche Kohlendioxid-Einsparungseffekt könne etwa auch durch ein Tempolimit auf Autobahnen erreicht werden.

Die Automobilindustrie müsse "kleinere, leichtere und intelligentere" Fahrzeuge entwickeln, statt sich auf das schmückendere Thema Elektromobilität zu stürzen, so Lohbeck. Zudem ist auch das Elektroauto nicht von Haus aus ein Null-Emissionen-Fahrzeug: "Für die CO2-Bilanz kommt es darauf an, dass der Strom aus erneuerbaren Energien stammt", sagt der Bundesvorsitzende des Verkehrsclub Deutschland (VCD) Michael Ziesak. Diese Verantwortung solle jedoch ausschließlich dem Verbraucher überlassen werden. Auch die Allianz pro Schiene kritisiert, den Autoherstellern falle nichts anderes ein als der Motorentausch. "Ohne eine grundlegende Verkehrswende, die Verknüpfung der Verkehrträger und einen gesamthaften Mobilitätsansatz werden wir die Energiewende nicht schaffen", sagte der Vorstand des Bündnis Alexander Kirchner. 

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