EU-Kommission will kohlendioxidfreie Städte
Mit dem Weißbuch Verkehr sollen bis 2050 rund 60 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen des Sektors eingespart werden. Ziele sind mehr Hochgeschwindigkeitszüge und die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene.
Von Johanna Treblin
60 Prozent in 40 Jahren – der Verkehr in der Europäischen Union soll bis 2050 mehr als die Hälfte seiner Kohlendioxidemissionen einsparen. Am Montag legte die Europäische Kommission ihr Weißbuch für den Verkehrsbereich vor: Mehr Güterverkehr auf die Schiene, weniger Autos mit konventionellen Treibstoffen und ein Ausbau der Strecken für Hochgeschwindigkeitszüge. Umweltverbände kritisieren, dass der Umbau erst in zwanzig Jahren beginnen soll.

Mit ihrem Weißbuch hat die EU-Kommission einen Ausblick auf die künftige Verkehrspolitik gegeben: 60 Prozent weniger Kohlendioxidemissionen bis 2050. (Foto: EU)
Zehn Maßnahmen hat die Europäische Kommission in ihrem Weißbuch festgelegt, um Treibhausgasemissionen des Verkehrssektors bis 2030 zunächst auf acht Prozent über das Niveau von 1990 zu senken und bis 2050 auf 60 Prozent unter das Niveau von 1990. Verglichen mit heutigen Werten (aktuellste Daten von 2008) bedeutet das: Bis 2030 eine Reduktion von 20 Prozent und bis 2050 von rund 70 Prozent.
Elektro- und Hybridautos für die Städte der EU
Die ambitionierteste Maßnahme des Weißbuches ist das Projekt CO2-freie Stadt: In den kommenden zwanzig Jahren soll die Zahl der Autos mit konventionellem Treibstoff in Städten halbiert werden. Bis 2050 soll deren Zahl gleich Null sein. Stattdessen sollen vorwiegend Elektro- und Hybridautos durch die Städte rollen. Darüber hinaus will die EU-Kommission eine "nahezu kohlendioxidfreie Stadt-Logistik". Mit anderen Worten: Innerstädtischer Transport soll minimiert und effizienter werden, indem mehr Fahrten von Schiffen übernommen werden, die Anbindung von Häfen und Bahnhöfen verbessert wird oder Mautgebühren eingeführt werden. Darüber hinaus soll die öffentliche Beschaffung an ökologischen Kriterien ausgerichtet werden.

So stellte sich die EU im Jahr 1997 den grenzüberschreitenden Verkehr der Zukunft vor. Heute würde man die Straßen wohl nicht ganz so prominent zeichnen und die Flugzeuge grün anstreichen. (Grafik: EU)
Auch der Fernverkehr soll klimaschonender werden. Auf Strecken über 300 Kilometern sollen bis zum Jahr 2050 die Hälfte sowohl der Menschen als auch der Güter auf die Schiene oder Schiffe wechseln. Die Schiffsemissionen sollen in den kommenden 40 Jahren um mindestens 40 Prozent sinken und der Flugverkehr zu 40 Prozent auf "nachhaltige klimaschonende" Treibstoffe umsteigen. Ob die Kommission damit Agrokraftstoffe mit einer stark umstrittenen Klimabilanz meint, lässt sich aus dem Weißbuch nicht erkennen. Darüber hinaus will die EU-Kommission die Hochgeschwindigkeitsstrecken bis 2030 verdreifachen.
Grüne und Umweltverbände sind skeptisch
Die Grünen im Europäischen Parlament begrüßen das Weißpapier, die Maßnahmen greifen allerdings zu spät, kritisieren die verkehrspolitischen Sprecher Michael Cramer und Eva Lichtenberger. "Die Kommission hat die riesigen Herausforderungen an den EU-Verkehrssektor richtig erkannt – doch nun hat sie Angst vor der eigenen Courage." Dem Verkehr werde weiterhin eine Vorzugsbehandlung durch Wettbewerbsverzerrungen und laschere CO2-Ziele zugestanden. "Die Kommission begnügt sich bis 2030 mit Trippelschritten von jährlich einem Prozent. Erst ab 2030 sollen plötzlich wundersame Riesenschritte folgen." Dazu NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller: "Das ist schlicht naiv."
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