Klimafreundlich fliegt gar nicht
Auf der Internationalen Touristenbörse ITB stellt Atmosfair einen Klima-Index für Fluglinien vor: Je weniger Beinfreiheit, desto besser für die Effizienz - Vorne weg fliegt der Reisende jedoch am besten gar nicht.
Von Johanna Treblin
Die Beinfreiheit bestimmt mit über die Höhe der Kohlendioxid-Emissionen einer Flugreise. Das heißt: Je effizienter ein Flugzeug mit Sitzen ausgestattet ist, desto klimafreundlicher fliegt es. Auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin hat die gemeinnützige Organisation Atmosfair ihren neuen Airline-Index vorgestellt - damit sollen Flugreisende dazu bewegt werden, bei der Wahl einer Flugverbindung auch auf die Effizienzklasse ihrer Fluglinie zu achten. Die ITB ist vom 9. bis 13. März geöffnet, ab Freitag können sich auf der weltgrößten Tourismus-Messe über das Fachpublikum hinaus auch Privatbesucher tummeln.

Atmosfair hat die 100 größten Fluggesellschaften unter die Lupe genommen, "Billiganbieter" wie Air Berlin sind nicht im Ranking aufgeführt. Hier lächeln die freundlichen Damen für den Besucher der Tourismusbörse (Foto: ITB)
Die im Index untersuchten 100 größten Fluggesellschaften repräsentieren 92 Prozent des weltweiten Luftverkehrs. Bewertet hat Atmosfair die Sitz- und Frachtkapazität, die Auslastung, den Flugzeugtyp und die jeweiligen Triebwerke. Getrennt nach Kurz-, Mittel- und Langstrecke erhalten die Fluggesellschaften Effizienzpunkte zwischen 0 und 100. Übersetzt wird das Ergebnis dann in die gängigen Energieeffizienzklassen A bis G, die Verbraucher zum Beispiel vom Kauf von Elektrogeräten kennen.
Keine Airline fliegt in Energieeffizienzklasse A oder B
Das Ergebnis: Klimafreundlich fliegt nicht - weder auf Kurz, Mittel- noch Langstrecken konnten die Effizienzklassen A und B überhaupt vergeben werden. Los geht es erst in der mittleren Effizienzklasse, die Kühlschränke & Co. längst zum Ladenhüter machen würde. Am wenigstens klimaschädlich fliegen demnach in der Klasse C Monarch Airlines aus England und die deutsche Condor, die durch "maximale Bestuhlung" und "effiziente Flugzeuge" bestechen. Neun weitere Airlines sind in der Klasse gelistet, der größte Teil der Fluggesellschaften findet sich in den unteren Klassen. Die Lufthansa etwa schafft es in der Gesamtwertung nur in die Klasse D, British Airways ist ein Vertreter der Klasse E, und auch in den Klassen F und G wird der Flugreisende noch fündig.

Ein Mensch dürfte jährlich insgesamt höchstens 2.000 Kilogramm Kohlendioxid verursachen, um eine Erwärmung des globalen Klimas von mehr als zwei Grad zu verhindern. (Graphik: atmosfair)
Auch innerhalb der einzelnen Fluglinien können die Unterschiede auf den Distanzen jedoch sehr groß ausfallen: Lufthansa beispielsweise fliegt auf der Langstrecke in Klasse E, auf der Mittelstrecke dagegen in der Klasse D. Und: "Der Treibstoffverbrauch pro Passagier und Kilometer kann auf derselben Strecke bei einer Fluggesellschaft mehr als doppelt so hoch sein wie derjenige einer anderen Fluggesellschaft", sagte Atmosfair-Geschäftsführer Dietrich Brockhagen. Vergleichen lohnt sich also in jedem Fall.
Nicht Teil des Indexes sind Billig-Airlines. Atmosfair zufolge sind methodische Probleme dafür verantwortlich. Dazu gehören Subventionen, die die Berechnung erschweren. Außerdem fliegen Billigflieger in der Regel eher abgelegene Flughäfen an, sodass weitere Fahrtwege hinzukommen. Dadurch entsteht zusätzliches Kohlendioxid, das ins Ranking einfließen müsste. Als dritten Punkt nennt Atmosfair, dass durch die Niedrig-Preise der Billig-Airlines zusätzliche Flüge überhaupt erst entstanden sind.
Atmosfair, eine Gemeinschaftsinitiative des Reiseveranstalterverbandes "Forum anders reisen" und der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, bietet auf ihrer Webseite an, die Treibhausgasemissionen von Flugreisen zu kompensieren, etwa durch die finanzielle Unterstützung von Klimaprojekten in Entwicklungsländern. Verbraucherschützer geben Atmosfair zusammen mit Myclimate und Goclimate gegenüber anderen Anbietern bei der CO2-Kompensationen von Flugreisen den Vorzug. Kritiker bezeichnen diese Vorgehensweise allerdings als modernen "Ablasshandel". Grundsätzlich gilt schließlich in Sachen Klima: Besser gar nicht fliegen.
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