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Agrosprit E10 ausgebremst

Die Einführung von E10 scheint ein Flop: Die Mineralölwirtschaft zögert bei der Umstellung und verweist auf streikende Spritkunden. Umweltminister Norbert Röttgen kritisiert das "Durcheinander", Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) ruft zum Benzin-Gipfel.

Von Johanna Treblin und Sarah Messina

Der Agrosprit E10 sorgt für Ärger: Erst teilte am Donnerstag ein Aral-Sprecher mit, die Einführung des neuen Treibstoffs werde in Nordrhein-Westfalen verschoben, dann sorgte auch der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) für zusätzlichen Aufruhr. Die Einführung von E10 laufe zwar "entsprechend politischer Vorgaben der Bundesregierung weiter". Bisher bieten jedoch nur Tankstellen im Osten und Süden des Landes den Agrosprit an. Bevor auch an den übrigen Zapfhähnen E10 zu bekommen sein soll, will der Verband abwarten, wie die Verbraucher den Sprit annehmen. "Das System platzt sonst", zitiert der Spiegel MWV-Hauptgeschäftsführer Klaus Picard.


An der Zapfsäule greift der Käufer bislang zu dem was er kennt und lässt E10 links liegen. (Foto: Messina)

Auch Aral begründete den Schritt mit der "außergewöhnlichen Nachfragesituation": Bereits Anfang der Woche veröffentlichte der Mineralölverband Zahlen, nach denen 70 Prozent der Autofahrer E10 links liegen lassen. Zum 1. Januar hat Deutschland eine EU-Agrotreibstoffrichtlinie umgesetzt, nach der herkömmlichem Treibstoff zehn Prozent Agroethanol beigemischt werden müssen, um so einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

90 Prozent könnten E10 tanken - greifen aber dennoch weiter zu Super oder Super Plus

Der Mineralölverband geht davon aus, dass mehr als 90 Prozent der Autos den Agrosprit vertragen. Allerdings wissen die Fahrer zum Großteil nicht, ob ihr Auto dazu gehört und vermeiden den neuen Sprit daher. Dem Verband zufolge kann ein unnötiges Tanken von Super oder Super Plus Mehrkosten von bis zu vier Euro pro Tankfüllung bedeuten, da der Agrosprit günstiger ist. An vielen Tankstellen ist es nun zu Engpässen der konventionellen Kraftstoffe gekommen, während die Tankstellenbetreiber auf E10 sitzen bleiben.


Zuckerrohr ist eine der Pflanzen, aus denen der  Biosprit E10 gemacht wird. (Foto: Mariordo/Wikipedia)

Die Ölbranche ist zur Einführung des Agrosprits verpflichtet. Kommt sie der Regelung nicht nach, drohen ihr hohe Strafen. Davon sei aber keine Rede, so der Mineralölverband. "Die weiterhin dramatisch geringe Nachfrage nach Super E10 beim Endkunden zwingt jedoch insbesondere die Raffinerien dazu, ihre Produktion an die geringe Super E10-Nachfrage anzupassen."

"Durcheinander" um das Erreichen der Quoten

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) kritisierte das Verhalten der Mineralölwirtschaft dennoch scharf: Das entstandene "Durcheinander" bis zur "vollständige Verunsicherung der Verbraucher" als "nicht akzeptabel", gibt die Tagesschau Röttgen wieder. Auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) zeigte ich unzufrieden und forderte "zeitnah" einen Benzin-Gipfel um die Mineralölindustrie auf Kurs zu bringen.

Glaubt man dem ADAC, ist die vorgeschriebene Quote für Agrosprit in diesem Jahr schon nicht mehr zu erreichen. Die Mineralölwirtschaft hatte für den Fall bereits angekündigt, ganz auf E10 zu verzichten und trotz Strafen zurück zum konventionellen Super und Super Plus zu schwenken. Der Biokraftstoffverband VDB schätzt die Quotenfrage allerdings anders ein. "Der einstweilige Stopp der weiteren Markteinführung von E10 ist bedauerlich", sagte VDB-Geschäftsführer Elmar Baumann am Donnerstag. Die gesetzlichen Regelungen erlaubten es jedoch, neben der Beimischung auch den Verkauf von reinem Biokraftstoff zu nutzen, um die Quote zu erfüllen. Das sei bereits seit Jahren "gängige Praxis" der Mineralölwirtschaft, die sich den Verkauf von reinem Biodiesel (B100) in großen Mengen auf die Quote anrechnen ließe.

 


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