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Deutscher Autoabsatz brummt

Lauter Superlative auf dem Autosalon in Genf: Die Deutschen setzen mehr Geld beim Autokauf um, als der Staat insgesamt. Im Februar wurden 15 Prozent mehr Autos als im Vorjahresmonat verkauft. Und der Lobbyverband VDA erwartet 2011 einen neuen Absatzrekord.

Von Nick Reimer

Deutschlands Automobilisten schwelgen im Rausch: Wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Dienstag auf dem Automobilsalon in Genf mitteilte, verkauften die Händler zwischen Rügen und Zugspitze im Februar 224.500 Neuwagen - 15 Prozent mehr Autos als im Januar. Anfang 2010 waren die Verkaufszahlen nach dem Auslaufen der Abwrackprämie um fast 30 Prozent eingebrochen.


Bitte das Augenmerk aufs Auto richten: Ein Chevrolet Camaro auf dem Autosalon. Beschleunigung von 0 auf 100 in 7 Sekunden. Kohlendioxid-Ausstoß: 268 Gramm je Kilometer.

Auf dem Genfer Automobilsalon zeigen bis zum 16. Februar 260 Aussteller aus 31 Ländern "Technologie-Neuheiten" - wie es im Slang der Eigenwerbung heißt. Wie im vergangenen Jahr dürfte auch 2011 bei der ab 3. März dem Publikum zugänglichen Schau das Märchen von klimafreundlicher Mobilität wieder aufgetischt werden.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) untersucht jährlich mit der Organisation Transport & Environment (T&E), welchen Klima entlastenden Fortschritt die "Technologie-Neuheiten" aufweisen. Zuletzt legten beide im November Zahlen vor: Deutsche Autos sind demnach wahre Kohlendioxidschleudern. Auf dem Ranking schneidet Daimler mit seinen klimaschädlichen Autos mit Abstand am schlechtesten ab. 167 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer stoßen die Fahrzeuge des Konzerns im Durchschnitt aus. Die Autobauer Fiat, Toyota, Peugeot und Renault dagegen haben bereits im Jahr 2009 das Klimaschutzziel der Europäischen Union von 140 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer eingehalten.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD kritisiert die ohnehin laxen Vorgaben: "Die Autohersteller erreichen jetzt die CO2-Minderungen, die sie bereits vor Jahren hätten schaffen müssen."

Den Angaben zu Folge setzte die deutsche Auto-Industrie 2010 insgesamt 317 Milliarden Euro um - ein Plus von gut 20 Prozent gegenüber dem Jahr 2009. Um ein Gefühl für diese 317 Milliarden Euro zu bekommen - die Bundesrepublik Deutschland setzte 2010 abzüglich der Schulden ein Viertel weniger um, nämlich 239,3 Milliarden Euro.

Daran kann man einen Staat im Staate erkennen: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich zuletzt bei der EU massiv gegen strenge Grenzwerte für Kleinlaster eingesetzt - schlichtweg weil ihr das die deutschen Autobauer aufgetragen hatten.


Diesem Bild vom Autosalon gaben die Messemachen den Titel "Ambiente".

Für 2011 rechnet der VDA mit einem neuen Rekord: mehr als 3,1 Mio verkaufte Neuwagen. Damit ist und bleibt Deutschland Europas größter Automarkt. Und die deutschen Autobauer bleiben in der Vorderhand: 70 Prozent aller hierzulande verkauften Autos kommen von einheimischen Autobauern.VDA-Chef Matthias Wissmann: "Der Marktanteil der deutschen Hersteller liegt in Westeuropa bei nahezu 50 Prozent. Auf dem Wachstumsmarkt China ist nahezu jedes fünfte Auto, das neu verkauft wird, von deutschen Herstellern."

"Das wird das beste erste Quartal in unserer Firmengeschichte", kündigte Audi-Vertriebschef Peter Schwarzenbauer am Montag in Genf an. Zum Jahresende 2010 hatte China Deutschland als wichtigsten Absatzmarkt für Audi abgelöst, es hatte sogar Lieferengpässe gegeben.


Ist für die Durchschnitts-Menschheit scheinbar ein Synonym: Fette Autos und schöne Frauen. (Alle Fotos: Autosalon Genf)

2010 waren in China mehr als 18 Millionen Neuwagen gekauft worden - 32,4 Prozent mehr als noch 2009. Ein Grund für das rasante Wachstum waren nach Verbandsangaben staatliche Zuschüsse beim Kauf eines "umweltfreundlichen" Neuwagens: Für spritsparende Autos gibt es 3.000 Yuan (rund 345 Euro), für ein Hybrid- oder Elektroautos bis zu 60.000 Yuan (rund 6.900 Euro).

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