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Der Ölpreis steigt weiter

Fluglinien erheben einen Kerosinzuschlag, Reiseveranstalter geben ihn an die Kunden weiter: Auch nach dem Sieg der Demonstranten auf Tahrir-Platz in Kairo kostet Rohöl so viel wie seit September 2008 nicht mehr - Experten rätseln.

Aus Berlin Nick Reimer

Auch nach der Entspannung in Ägypten bleibt der Ölpreis auf Redordkurs. Europas wichtigste Referenz-Ölsorte Brent kostete an den Rohstoffbörsen 101,27 Dollar, das sind 0,3 Prozent mehr als am Vortag. Ende Januar war erstmals seit 2008 der Ölpreis wieder über die Marke von 100 Dollar geklettert, damals wurden die Unruhen in Ägypten als Ursache genannt. Die Konfrontation von Mubarak-Anhängern mit den Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo eskalierte seinerzeit.


Sie triumphieren, aber das konnte den Ölpreis auch nicht senken. (Foto: Ramy Raoof / Wikimedia)

Nun also wird klar, dass mitnichten die Auseinandersetzung um Mubarak preisverantwortlich sind: Auf das Ende der Herrschaft des Despoten reagierte der Ölpreis überhaupt nicht. Entweder sind die Händler immer noch der Meinung, dass aus den Geschehnissen in Ägypten ein Flächenbrand in der arabischen Welt werden könnte. Oder aber der Preis spiegelt die reale Situation von Angebot und Nachfrage wider.

Die Reisebranche jedenfalls stellt sich offenbar auf zweiteres ein: Zahlreiche deutsche Fluggesellschaften erheben aufgrund gestiegener Energiekosten ab April einen Kerosinzuschlag.  Der Veranstalter alltours will darauf nicht sitzen bleiben und wird deshalb ab morgigem Dienstag Flugreisen nur noch mit Kerosin-Aufschlag verkaufen. Die Kosten für Flugbenzin seien seit Juli um rund 30 Prozent gestiegen, begründete alltours den Schritt.

Für die Kurzstrecke beispielsweise nach Mallorca werden demnach 7 Euro mehr fällig, auf der Mittelstrecke zum Beispiel nach Zypern müssen 14 Euro bezahlt werden. Fernstrecken etwa nach Thailand stellt alltours mit 28 Euro in Rechnung.  Am Wochenende hatte Konkurrent Thomas Cook bereits Zuschläge in ähnlicher Höhe angekündigt.


Dafür wird künftig ein Kerosinzuschlag erhoben: Fliegen verteuert sich. (Foto: Schulze von Glaßer)

Auch an den Börsen lenkt der Ölpreis bereits die Anleger: Während der DAX beispielsweise am Montag ein neues Dreijahreshoch bei 7424 Punkten erkletterte, sanken die Aktien der Lufthansa. Analysten begründeten die Lust am Verkauf mit dem hohen Ölpreis: der werde zur Belastung.

Die Fluggesellschaft Germanwings musste unterdessen eine juristische Niederlage hinnehmen. darf nicht weiter mit Flugpreisen ohne die seit Jahresbeginn erhobene Luftverkehrssteuer werben. Die Wettbewerbszentrale beim Landgericht Köln erließ am Montag eine entsprechende einstweilige Verfügung, die es Germanwings untersagt mit Flugpreisen "ab 9,99 Euro" zu werben (Az.: 31 O 62/11). Germanwings hatte die seit 1. Januar fällige Flugverkehrsabgabe nur in einer Fußnote erwähnt. Jede Preiswerbung für Flugreisen müsse die obligatorische Flugverkehrsabgabe enthalten, entschieden nun die Wettbewerbshüter.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hatte vor Wochenfrist ihre Prognose über das Wachstum der weltweiten Ölnachfrage für das laufende Jahr angehoben. In ihrem Monatsbericht geht die Organisation nun im Jahr 2011 von einem täglichen Bedarf  von 87,7 Millionen Barrel Erdöl aus, 1,4 Millionen Barrel mehr als 2010. Und schon da war die Ölnachfrage um 1,8 Millionen Barrel höher als 2009.

Gut gefüllt sind derzeit auch die Öl-Lager, von dort komme also kein Preisdruck, erklärt Fatih Birol, Chefvolkswirt der Internationalen Energieagentur (IEA): "Die Öl-Vorräte reichen locker für mindestens 145 Tage". Auch die nationalen US-Öllager in Cushing (Oklahoma) quellten über. Ende Januar lagerten allein in Cushing 38 Millionen Barrel Öl - genug, um den gesamten US-Bedarf für volle zwei Tage zu decken. 

 

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