Autobauer kühlen weiter mit Klimakiller
Die EU verbietet seit Januar, das Kältemittel R134a für Klimaanlagen in Neuwagen zu verwenden. Bis jetzt sieht es so aus, als würden die deutschen Autobauer das Verbot ignorieren und weiter auf die klimaschädliche Chemikalie zu setzen. Die Deutsche Umwelthilfe fordert den Einsatz von Kohlendioxid.
Von Johanna Treblin
Neue Autos dürfen nach EU-Vorgaben seit dem 1. Januar nicht mehr das Kältemittel R134a in der Klimaanlage verwenden. Die Autohersteller haben sich darauf geeinigt, stattdessen die Chemikalie 1234yf einzusetzen. Bisher habe aber bisher kein Autobauer in Deutschland ein Modell vorgestellt, das mit 1234yf fährt, kritisiert die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Zudem sei die Chemikalie sicherheitsgefährdend.

Neuwagen dürfen seit Januar laut EU nicht mehr mit dem Kühlmittel R134a ausgestattet sein. Bisher scheint die Autoindustrie allerdings auf ein "Weiter wie bisher" zu setzen. (Foto: Michael Schulze von Glaßer)
R134a wird seit Jahren für Klimaanlagen in Autos genutzt. Es ist rund 1430-mal schädlicher als Kohlendioxid und im Kyoto-Protokoll aufgeführt als eines der zu reduzierenden Treibhausgase. Die EU hat das Kältemittel zum 1. Januar dieses Jahres für neu zugelassene Pkw und kleine Nutzfahrzeuge verboten. Ab Januar 2017 sollen auch alle anderen Fahrzeuge auf das schädliche Mittel verzichten.
Die von der Autoindustrie selbst vorgeschlagene Alternative HFO-1234yf lässt allerdings auf sich warten. "Bis heute verweigern deutsche Hersteller jegliche Aussagen, in welchen zukünftigen Fahrzeugmodellen sie das neue Kältemittel einsetzen werden", kritisiert die Deutsche Umwelthilfe. Die Organisation fürchtet, dass R134a noch viele weitere Jahre für Neuwagen genutzt wird. Das führe zu einer zusätzlichen Klimabelastung von mehreren Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten pro Jahr.
Das Umweltbundesamt (UBA), die US-Umweltbehörde EPA und die Deutsche Umwelthilfe haben außerdem Sicherheitsbedenken bezüglich 1234yf. Die EPA verweigert die offizielle Zulassung der Chemikalie in Auto-Klimaanlagen. Das UBA hat sich in einem kürzlich veröffentlichten Hintergrundpapier gegen 1234yf ausgesprochen. Der Deutschen Umwelthilfe zufolge ist das Kältemittel leicht entflammbar. Außerdem setze es bereits bei Kontakt mit einen Gegenständen im Motorraum und in Verbindung mit Wasser ätzende Flusssäure frei. "Brennt 1234yf, bestehen sowohl für die Insassen als auch für die Rettungskräfte ohne spezielle Schutzausrüstung akute Lebengefahr", sagt Eva Lauer von der DUH.

Eine sichere und klimaschonende Alternative wäre der Einsatz von CO2 als Kältemittel: Kohlendioxid muss nicht erst hergestellt werden, sondern kommt natürlich vor. Es ist nicht brennbar und hat eine gute Kälteleistung. Zudem entstehen bei Kohlendioxid keine Abbauprodukte wie bei fluorierten Kältemitteln. So erklärte auch schon UBA-Präsident Jochen Flasbarth: "Die Vorteile aus Sicht von Umwelt und Technik sprechen für Kohlendioxid."
Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) hatte einst auf Kohlendioxid gesetzt. "Im Herbst 2007 gab Präsident Matthias Wissmann sein Wort, dass die Deutsche Automobilindustrie zukünftig das natürliche Kältemittel CO2 einsetzen werde", sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Das Wort habe er gebrochen.
Das schlagende Argument für die Bevorzugung synthetischer Kältemittel durch die Autoindustrie liegt auf der Hand: 1234yf kann ohne größeren Umbau der Produktionsanlagen in den auch jetzt verwendeten Klimaanlagen eingestzt werden und ist dadurch gegenüber Kohlendioxid schlichtweg die billigere Alternative.
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