Flugverkehr hebt wieder ab
Derzeit sorgt das Winterwetter auf deutschen Flughäfen noch für Chaos. Dem Flugsommer 2010 konnte in Sachen Passagierzahlen dagegen nicht einmal die Vulkanaschewolke etwas anhaben.
Von Sarah Messina
Rund 61,6 Millionen Passagiere sind im "Flugsommer 2010" von deutschen Flughäfen abgeflogen: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) ist das für den Zeitraum April bis Oktober ein Plus von 4,8 Prozent, während die Passagierzahlen 2009 im gleichen Zeitraum noch um 4,3 Prozent zurückgegangen waren. Der größte Zuwachs wurde mit 6,4 Prozent beim Internkontinentalverkehr verzeichnet.

Im Sommer war die Welt des Flugverkehrs noch in Ordnung - abgesehen vom isländischen Vulkan. (Foto: Martin Schulze von Glaßer)
Ins europäische Ausland reisten 36,7 Millionen Passagiere und damit fünf Prozent mehr als 2009. Ein fast gleich hohes Plus wie für den europäischen Gesamtmarkt gab es für Flüge auf die Balearen und Kanaren. Rekordzuwachs verzeichnet das Bundesamt mit einem Plus von 19,1 Prozent beim Reiseziel Antalya. Überdurchschnittliche Wachstumsraten entfielen auch auf Österreich und Polen.
Rund 10,4 Millionen Fluggäste reisten im Interkontinentalverkehr: Einen zweistelligen Zuwachs an Passagierzahlen von 10,3 Prozent auf 4,1 Millionen Passagiere erreichte Asien. Vor allem in die Vereinigten Arabischen Emirate, Japan, Israel und Singapur reisten deutlich mehr Menschen als im Vorjahr. China bleibt weiterhin der bedeutendste Zielstaat des Kontinents. Auf den amerikanischen Kontinent reisten 2010 mit 4,4 Millionen Fluggästen rund 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die meisten Passagiere flogen in die USA, nach Kanada und Brasilien. Nach Afrika, wo in diesem Jahr die Fußball-Weltmeisterschaft stattfand, flogen 4,2 Prozent mehr Passagiere als noch im Vorjahr, der Trend wurde jedoch maßgeblich vom aufkommenstärksten Reiseland Ägypten bestimmt.
Auch Eyjafjallajökull konnte die Sommermonate nicht trüben
Der einzige Einbruch wurde dem Flugverkehr durch die Volkanaschewolke im April beschert: Der isländische Vulkan Eyjafjallajökull hatte über Tage fast den gesamten Flugverkehr in Europa lahmgelegt. Bei den Passagierzahlen machte sich das für den entsprechenden Monat mit einem Minus von 18,4 Prozent bemerkbar. Von Mai bis Oktober wurden dagegen ausschließlich Zuwachsraten von 7,1 bis 10,1 Prozent verzeichnet.
Der internationale Flugverkehr ist nach Angaben des Weltklimarats für mindestens 3,5 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich und gehört zu den Sektoren mit dem höchsten Emissionswachstum. Das Flugzeug ist nicht nur das klimaschädlichste aller Fortbewegungsmittel, sondern auch ein exklusives: 95 Prozent der Weltbevölkerung sind nach Angaben der Entwicklungshilfe-Organisation Oxfam noch nie geflogen.
Weil CO2-Emissionen in besonders sensiblen Schichten der Erdatmosphäre ausgestoßen werden, ist ihre Klimawirksamkeit zwei- bis dreimal größer als am Boden. In Europa wird der Flugverkehr deshalb ab 2012 auch in den Emissionshandel mit einbezogen. Für Flüge ab 1. Januar 2011 müssen Fluggäste in Deutschland zudem künftig eine Ticketabgabe entrichten. Die Luftverkehrssteuer war von der Bundesregierung im Rahmen des Sparpakets beschlossen worden: Je nach Entfernung werden pro Ticket acht bis 45 Euro fällig.
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