Mit null Emissionen um die Welt
Endlich mal ein angenehmer Termin für Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU): In Berlin traf er die Teams des "Zero Emission Race". Die wollen emissionsfrei mit Elektromobilen Cancún erreichen, wo die nächste Klimakonferenz stattfindet.
Aus Berlin Martin Sieber
30.000 Kilometer. 16 Länder. Zielort Cancún.
Vergangene Woche ist in der Schweiz die "Zero Emission Race" gestartet, am heutigen Mittwoch hat sie den Etappenort Berlin erreicht. Teams aus Korea, Australien, der Schweiz und Deutschland sind zur Klimakonferenz im Dezember nach Mexiko unterwegs, um zu zeigen, dass Elekrofahrzeuge mehr können als hinlänglich bekannt.

Endlich ein angenehmer Termin für Norbert Röttgen (CDU), hier spricht er mit Sven Lehmann, einem der Fahrer des Team Vectrix (Foto: Martin Sieber)
Nein, nein, nicht über den Atlantik fliegen! "Elektrofahrzeuge sind alltagstauglich, können lange Strecken zurücklegen und sind sogar ganz schön schnell", sagt Sven Lehman vom deutschen Team "Team Vectrix". Die meisten Fahrzeuge im Rennen sind Umbauten oder Sonderanfertigungen. Das deutsche Team fährt allerdings ein echtes Serienfahrzeug, den Elektroroller Vectrix Performance, der im normalen Stadtbetrieb immerhin 65 Kilometer mit einer Batterieladung schafft.
Lehmann ist Gründer des Unternehmens Photovoltaik Institut in Berlin, wo Solarstrommodule getestet und zertifiziert werden. Dort ist der Vierzigjährige einer von drei Vorständen. Lehmann hat sich unbezahlten Urlaub erbeten, um seiner Leidenschaft fürs Motorradfahren zu fröhnen. Ihm und den anderen Teilnehmern geht aber es nicht darum, als erster anzukommen. Wichtig für das Rennen sind Kriterien wie "Zuverlässigkeit des Fahrzeugs", "Effizienz der Fortbewegung" oder "Beliebtheit an den Etappenzielen", sie bringen die Punkte. "Dass ich allen zeigen werde, auch mit Sonnenstrom lässt sich die Welt umrunden, fand ich besonders toll."

Die Zero Emission Racer fahren vor der Schweizer Botschaft ein (Foto: Martin Sieber)
Lehmanns Teamkollege Meendert Buurmann betreibt eine Solaranlage, die 1.000 Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugt. "Alle Teilnehmer müssen vor dem Rennen nachweisen, dass sie den Strom, den sie für die Weltumrundung mit ihrem Fahrzeug brauchen, regenerativ erzeugt und ins Stromnetz eingespeist haben", sagt Buurmann.
Aber ganz so sauber wie die beiden deutschen Fahrer angeben, wird das Rennen nicht. "Die Elektromobile müssen von Asien nach Nordamerika verschifft werden. Die Teilnehmer fliegen mit dem Flugzeug, sie wohnen in Hotels und, und, und. Das alles verursacht Treibhausgase", so Julianna Priskin. Sie ist das organisatorische Herz der Tour und kümmert sich unter anderem darum, dass alle Emissionen genau erfasst werden.
Die Ungarin Priskin arbeitet dabei eng mit der Ausgleichsagentur myclimate zusammen. Diese gemeinnützige Stiftung, einer der Sponsoren der Tour, erstellt die Ökobilanz und ermittelt den CO2-Emissionen der Teams. Durch Klimaschutzprojekte in der ganzen Welt würden diese Treibhausgase dann wieder ausgeglichen, erklärt Priskin. "So kann die Klimaneutralität des Rennens gewährleistet werden", ruft sie, und fängt zu rennen an.

Foto: Martin Sieber
Eben ist Bundesumweltminister Röttgen (CDU) gekommen. Der setzt sich zuerst auf das Motorrad des deutschen Teams, will jedoch "lieber nicht" fahren. "Wow, das gibt's schon in Serie", staunt der Bundesumweltminister. Röttgen wird erklärt: Die Firma stammt aus den USA, montiert wurde die Maschine im polnischen Breslau. "In Sachen Elektromobilität haben wir in Deutschland noch einiges aufzuholen", gibt der CDU-Politiker unumwunden zu.
"Ja, aber bitte ohne Atomstrom!", ruft ein junger Mann aus dem Publikum. Aber das überhört der Minister großzügig. Schließlich will er in diesen Tagen wenigstens ab und zu mal ohne das leidliche Thema auskommen.
Informationen zur Maschine des deutschen Teams finden Sie HIER:
HIER lernen Sie Kim Paul Nguyen kennen, der von Australien 481 Tage lang zur Klimakonferenz nach Kopenhagen radelte.
Und HIER lesen Sie einen Blog unsereres Chefredakteurs, der 2007 mit dem Zug von Berlin zur Klimakonferenz auf Bali fuhr.
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