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China will Verbrenner verbieten

Noch ist der Marktanteil von Elektroautos in China mikroskopisch. Das dürfte sich ändern, wenn den Leuten bewusst wird, dass der Verkauf von Benzin- und Dieselautos bald illegal ist. Wann der größte Automarkt ohne Verbrennungsmotoren auskommt, ist noch unklar.

Aus Chiang Mai Christian Mihatsch

Frankreich und Großbritannien haben schon eins und bald wohl auch China: ein Datum, ab dem keine Autos mit Benzin- oder Dieselmotor mehr verkauft werden dürfen. Am Wochenende sagte Chinas Vize-Industrieminister Xin Guobin: "Einige Länder haben einen Zeitplan ausgearbeitet, um die Produktion und den Verkauf von Autos zu stoppen, die mit herkömmlichem Brennstoff fahren. Nun hat das Industrieministerium ebenfalls eine Studie veröffentlicht und arbeitet an einem Zeitplan für unser Land."

BildChina ist ein gigantischer Markt für Autos. Was hier passiert, beeinflusst auch andere Märkte. (Foto: Erdenebayar Bayansan/​Pixabay)

Xin versprach, der Plan werde "in naher Zukunft" veröffentlicht, und erläuterte Chinas doppelte Zielsetzung: "Diese Maßnahmen werden einen tiefgreifenden Wandel in der Umwelt fördern und geben der Entwicklung von Chinas Autoindustrie Schwung."

Oder anders: Ziel ist eine Reduktion der Luftverschmutzung in Chinas Megastädten und klassische Industriepolitik. China ist mit Abstand der größte Automarkt der Welt. Letztes Jahr wurden dort 25,5 Millionen Fahrzeuge verkauft.

Ab wann der Bann für Benzin- und Dieselautos greifen wird, ließ Xin offen. In Frankreich und Großbritannien ist dies das Jahr 2040, in Schottland 2032 und in Norwegen sogar schon das Jahr 2025. Letzteres Datum wird derzeit auch in den Niederlanden diskutiert. Ehrgeizig ist auch Indien: Das Land hat das Ziel ausgegeben, dass ab 2030 nur noch abgasfreie Fahrzeuge in Verkehr gebracht werden.

E-Autos werden billiger als Benziner und Diesel

Die ehrgeizigeren der genannten Daten dürften sich auch für die Autofahrer rechnen. Der Thinktank Bloomberg New Energy Finance erwartet, dass ab Mitte des nächsten Jahrzehnts der Kauf und Unterhalt von reinen Elektroautos billiger ist als der von Benzin- und Dieselfahrzeugen.

Grund dafür sind die rapide fallenden Kosten für Batterien. Diese sind seit 2010 um knapp 80 Prozent zurückgegangen und sinken weiter. Bloomberg New Energy Finance rechnet damit, dass sich die globale Produktionskapazität für Batterien von heute 103.000 Megawattstunden innerhalb von vier Jahren auf 273.000 Megawattstunden mehr als verdoppeln wird. Damit sinken die Kosten.

Derzeit sind Elektroautos noch ein Nischenmarkt mit weniger als einem Prozent Marktanteil. Von den 84 Millionen Autos, die letztes Jahr weltweit verkauft wurden, konnten nur 750.000 an der Steckdose betankt werden.

Dabei fördern viele Länder den Verkauf von Elektroautos mit Kaufprämien und Steuernachlässen oder mit Quoten für die Autohersteller. Der größte Markt war China, wo 330.000 Elektroautos einen Käufer fanden. In Norwegen ist dafür der Anteil von Elektroautos am höchsten. Knapp ein Drittel aller Neuwagen hat dort einen Elektromotor.

"Die Stimmung in Deutschland ist umgeschlagen"

In Deutschland wurden letztes Jahr hingegen nur 25.000 Elektroautos verkauft und deren Anteil an den Neuzulassungen betrug gerade mal 0,7 Prozent. Lange betrachteten die deutschen Autohersteller Elektromotoren denn auch skeptisch. Doch dies scheint sich in den letzten Wochen geändert zu haben.

"Die Stimmung ist umgeschlagen", sagte ein ungenannter VW-Aufsichtsrat gegenüber dem Nachrichtenmagazin Spiegel Online. "Jetzt erst wird die Dimension des Problems allen bewusst. Es geht um die Zukunft der ganzen deutschen Autoindustrie."

BildSmog ist in vielen chinesischen Städten ein Problem. Ein Ende von Diesel- und Benzinfahrzeugen könnte das ändern. (Foto: Anna Frodesiak/​Wikimedia Commons​)

Sollte China demnächst ein ehrgeiziges Ziel für die Abschaffung von Benzin- und Dieselmotoren für seine smoggeplagten Städte verkünden, dürfte diese Einschätzung noch mehr zutreffen. Der chinesische Vizeminister hat es schließlich selbst gesagt: Ein Ziel ist, den eigenen Konzernen "Schwung" zu geben.

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