"Deadline für Verbrenner nicht sinnvoll"

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich für eine Deadline für Autos mit Verbrennungsmotor ausgesprochen, wie zuvor schon die Grünen. Der Verkehrsexperte Axel Friedrich kann solchen Fristsetzungen wenig abgewinnen – und fordert stattdessen strikte CO2-Grenzwerte, die auch strikt überwacht werden.

Axel Friedrich leitete lange die Verkehrsabteilung im Umweltbundesamt. Heute ist er freier Berater, unter anderem für die Deutsche Umwelthilfe.

klimaretter.info: Herr Friedrich, Kanzlerin Merkel plädiert nun auch dafür, ein Ausstiegsdatum für den Verbrennungsmotor festzulegen. Ist das sinnvoll?

Axel Friedrich: Deutschland ist dem Pariser Weltklimavertrag beigetreten. Daraus folgt, dass wir bis 2050 die CO2-Emissionen des Verkehrs auf Null herunterfahren müssen. Damit ist klar: Dann dürfen keine klassischen Benzin- oder Diesel-Fahrzeuge mehr auf den Straßen sein.

Trotzdem wäre es falsch, wenn die Politik nun der Industrie vorschreiben würde, mit welchen Technologien sie die Klimaneutralität erreichen will. Wir wissen heute noch nicht, welche Antriebe in den nächsten Jahrzehnten in der Gesamtbilanz am günstigsten sein werden.

Aber auch die Grünen fordern ein striktes Enddatum, und zwar bereits 2030 ...

Das kann man als Fachmann nicht nachvollziehen. Denn dieses Datum ist technisch nicht machbar. Wir wissen zum Beispiel nicht, woher bis dahin genug Ökostrom und woher die Batteriekapazitäten herkommen sollen, von der Rohstoff-Frage ganz zu schwiegen. ​

Man kann so etwas fordern, aber nur wohl wissend, dass es doch nicht kommt.

Also sind Sie auf Kretschmann-Linie? Der grüne Regierungschef aus Baden-Württemberg ätzte, 2030 sei ein "Wahnsinnstermin", nicht zu schaffen.

Ich kann Kretschmann nur zustimmen. Wenn wir zu schnell auf die Elektromobilität umsteigen, fördern wir damit den Verbrauch von Braunkohlestrom. Das können die Grünen nicht wollen.

Wäre 2040 ein besseres Ausstiegsdatum, wie die Franzosen und Briten es anstreben?

Käme schon eher hin. Allerdings gilt auch hier, wir sollten keine konkrete Technologien vorschreiben.

Was wäre die richtige Strategie, um die Autos so klimafreundlich zu machen, wie es laut dem Paris-Abkommen notwendig ist?

Wir müssen den Autokonzernen strikte CO2-Flottenwerte vorgeben, die mit dem Paris-Ziel im Einklang stehen, die globale Erwärmung auf 1,5 bis zwei Grad zu begrenzen. 2030 dürfen die Neuwagen danach im Schnitt maximal 45 Gramm CO2 pro Kilometer erreichen, während es heute in der Realität, also gemessen auf der Straße, rund 150 Gramm sind.

BildMit fossilen Antrieben muss über kurz oder lang Schluss sein. Aber wann genau? Und wie erreicht man es? (Foto: Thegabec/​Flickr)

Nach heutigem Stand ist das nur zu erreichen, wenn zwischen 45 und 55 Prozent der neuen Autos Elektroautos sind. Allerdings könnte es technische Entwicklungen geben, die andere Anteile möglich machen.

Wichtig ist zudem: Auch für Elektroautos müssen Effizienzstandards eingeführt werden, um zu verhindern, dass kostbarer Ökostrom verschwendet wird.

Bisher haben die Autokonzerne es geschafft, die CO2-Vorgaben zu unterlaufen. Wieso sollte es in Zukunft anders sein?

Die Politik muss dafür sorgen, dass die CO2-Flottenwerte eingehalten werden, und zwar, indem sie nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auf der Straße nachkontrolliert werden. Damit m​uss die nationale Umweltbehörde, in Deutschland das Umweltbundesamt, beauftragt werden.

Bitte Ihre Prognose: Werden 2050 noch Pkw mit Verbrennungsmotoren auf den Straßen sein?

Klassische Benziner oder Diesel dürfen dann gar nicht mehr fahren. Zumindest, wenn wir unsere Verantwortung für das Klima ernst nehmen.

Interview: Joachim Wille

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