Elektrisch übers Meer

Als abgasfreier Pionier wird das Fährschiff "Tycho Brahe" von dieser Woche an auf dem Öresund zwischen Dänemark und Schweden unterwegs sein. Den Umbau von Diesel- auf Elektroantrieb hat die EU gefördert. Doch bei der weltweit größten Batteriefähre gibt es auch ein paar Schwachstellen.

Aus Stockholm Reinhard Wolff

Ein 26 Jahre altes Fährschiff, das einen angesehenen Umweltpreis bekommt? Der "Tycho Brahe" ist diese Ehre letzte Woche zuteil geworden, als das Auswärtige Amt zum achten EU-Ostseestrategieforum nach Berlin lud. Grund ist die neue Antriebstechnik, mit der die Fähre vom morgigen Dienstag an zwischen Dänemark und Schweden verkehren wird. Sie wurde nun noch vor dem Start mit dem diesjährigen "Baltic Sea Clean Maritime Award" belohnt.

BildLasergesteuerte Roboterarme sorgen dafür, dass die Batterien schnell wieder aufgeladen werden – eine Aufnahme aus dem Werbefilm des Herstellers. (Bild: ABB)

Dass da etwas "cleaner" geworden ist, werden auch die Urlauber merken, wenn sie in diesem Sommer auf der Fahrt in den Norden den Öresund zwischen dem dänischen Helsingør und dem schwedischen Helsingborg per Fähre überqueren. Bei der "Tycho Brahe" werden dann nämlich keine Dieselabgase mehr aus dem Schornstein qualmen.

Auch für die Bewohner der beiden Hafenstädte wird sich das bemerkbar machen. Die Schadstoffbelastung der Luft wird zurückgehen, denn die täglich 46 Überfahrten über die vier Kilometer breite Meerenge zwischen beiden Ländern wird das Fährschiff nun ausschließlich mit Elektroantrieb absolvieren – als bis dato weltweit größte Batteriefähre.

Abgesehen vom fehlenden Dieselqualm ist auf der "Tycho Brahe" kaum etwas zu sehen von den technischen Neuerungen. Auf dem Oberdeck stehen nun vier große weiße Container. Darin befinden sich 60 Tonnen Lithiumbatterien, wie sie im Prinzip auch Elektroautos oder Tablets mit Strom versorgen.

Aufgeladen haben die Batterien einen Energiegehalt von zusammen 4.200 Kilowattstunden. Rund 1.500 Kilowattstunden werden bei jeder der 20 Minuten langen Überfahrten verbraucht, bei denen jeweils über 1.000 Passagiere und bis zu 240 Pkw befördert werden können.

Noch "grüner" wäre es mit Ökostrom

Damit der mit der Kraft von etwa 70 Elektroautos betriebenen Fähre niemals der Saft ausgeht, werden die Batterien während der jeweils fünf bis zehn Minuten langen Liegezeit in einem der beiden Häfen immer wieder möglichst vollständig aufgeladen. Dazu bedient man sich lasergesteuerter Roboterarme.

Für die Stromversorgung wurden extra auf beiden Seiten des Öresunds von den Ladestationen an der Fähranlegestelle kilometerlange neue Stromtrassen zu Transformatorstationen gelegt. "Sonst würden jedesmal, wenn wir den Stecker reinstecken, in Helsingborg und Helsingør die Lichter ausgehen", sagt Reedereichef Henrik Rørbæk.

Im Herbst soll mit der "Aurora", einem Schwesterschiff der "Tycho Brahe", eine weitere der auf dieser Route verkehrenden vier Fähren auf Batteriebetrieb umgestellt werden. "Dann wird die Hälfte unserer jährlich 64.000 Überfahrten ausschließlich mit Elektrizität erfolgen", berichtet Rørbæk. "Das wird auch unsere CO2-Emissionen hier um 50 Prozent senken."

Auch die Partikel- und Stickoxidemissionen werden kräftig vermindert. Noch "grüner" wäre es allerdings, wenn die Reederei sich dazu entschließen würde, Ökostrom zu verwenden. Zunächst begnügt man sich nämlich mit dem handelsüblichen Strommix, in den auch schwedischer Atom- und dänischer Fossilstrom eingeht – wenn auch mit stetig sinkendem Anteil.

Batterieproduktion als Klimaproblem

Auf eine aus Umweltgesichtspunkten weitere Schwachstelle weist Mette Sanne Hansen hin, Leiterin der maritimen Abteilung an Dänemarks Technischer Universität DTU: "Die Produktion der Lithiumbatterien." Nach einer kürzlich veröffentlichten schwedischen Studie werden bei der Batterieherstellung pro Kilowattstunde Speicherkapazität CO2-Emissionen von 150 bis 200 Kilogramm erzeugt.

Außerdem müssen die Batterien nach jeweils vier bis fünf Jahren Betrieb ausgetauscht werden. Aber da werde, hofft Hansen, die Entwicklung der Batterietechnologie bald für Besserung sorgen.

"Wir machen das alles auch, weil es sich für uns rechnet", gibt Reedereichef Rørbæk zu. Abgesehen davon, dass etwa 40 Prozent der Umbaukosten von rund 30 Millionen Euro aus EU-Mitteln stammen, bekomme man einen teilweise von Abgaben befreiten Strom. Das senke die Betriebskosten, weshalb man unter dem Strich "mit einem richtig guten Geschäft" rechne.

Und nicht nur über den Öresund tut sich bei der Antriebstechnik der Fähren etwas. Zwischen Deutschland und Dänemark sind schon Hybridfähren im Einsatz, die immerhin beim Ein- und Auslaufen in den Häfen auf Batteriebetrieb umgestellt werden.

BildDas Fährschiff "Tycho Brahe" fährt seit dieser Woche nur noch mit Elektroantrieb. (Foto: seglamedstrommen.se)

Auf einer norwegischen Werft wird in Kürze der Bau der größten Hybridfähre der Welt beginnen, die mit bis zu 2.000 Passagieren und 500 Pkw sogar den größten Teil der zweieinhalbstündigen Passage zwischen dem norwegischen Sandefjord und dem schwedischen Strömstad mithilfe ihrer Batterien zurücklegen soll. Und auf der "Vogelfluglinie" zwischen Puttgarden und Rødby ist der Übergang zu reinem Elektroantrieb bis 2020 geplant.

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