Anzeige

Schiffsbranche streitet über Klimaschutz

Die Emissionen des Schiffverkehrs sollen sinken. Noch bis Freitag verhandeln die Mitgliedsstaaten der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation IMO in London darüber, wie sie zum Klima- und Umweltschutz beitragen wollen. Im besten Fall könnte am Ende ein Arbeitsplan stehen. Zwar wäre das viel zu wenig, doch Beobachtern gilt das schon als Fortschritt.

Von Sandra Kirchner

Internationale Verkehrsströme lassen sich nicht ohne Weiteres regeln. Zu unterschiedlich sind die Interessen der Länder, zu groß ist die Befürchtung, nicht an den überaus üppigen Wachstumsprognosen teilzuhaben. Das haben gerade erst die Verhandlungen der UN-Luftfahrtorganisation ICAO bewiesen. Die Luftfahrtbranche will ihre CO2-Emissionen ab 2020 auf hohem Niveau einfrieren; wie der immense Ausstoß an Treibhausgasen sinken soll, darüber hat die ICAO gar nicht erst nachgedacht.

BildBewohner von Hafenstädten sind stärker von gesundheitsschädlichen Emissionen betroffen. (Foto: Susanne Götze)

Ähnliches zeichnet sich nun auch beim Treffen des Umweltausschusses der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation IMO ab, das noch bis Freitag in London stattfindet. Die Verkehrskommissarin der Europäischen Kommission, Violeta Bulc, drängte zu Beginn des Treffens auf Fortschritte beim Klimaschutz in der Seefahrt. Es brauche eine verbindliche weltweite Vereinbarung für die Erhebung und Meldung von Treibhausgasemissionen.

Von einem verbindlichen Klimaziel ist die Branche also noch meilenweit entfernt. Nur allmählich kommt Bewegung in die UN-Schifffahrtsorganisation. "Seit Jahren diskutiert die IMO erstmals darüber, wie ihre Emissionen sinken können", sagt Sotiris Raptis, der für den europäischen Dachverband ökologisch orientierter Verkehrsverbände Transport & Environment die Verhandlungen in London beobachtet. Das sei ein Fortschritt, dennoch erwarte er nicht allzu viel von den Verhandlungen.

Um ein konkretes Klimaziel geht es dabei noch gar nicht – auch weil die Vorstellungen der Mitgliedsstaaten zu unterschiedlich sind. Zwar hatten Reedereien und Schifffahrtsverbände im Vorfeld der Verhandlungen die IMO aufgefordert, ein starkes Klimaziel zu verabschieden. Aber nach Ansicht von Verkehrsexperte Raptis haben die Schifffahrtsunternehmer große Angst davor, dass die EU Vorgaben beschließen wird. "Die Reedereien wollen die EU beruhigen und zeigen, dass man seine Hausaufgaben macht und bald ein bedeutender Schritt zu erwarten ist", sagt Raptis. Erst im vergangenen Jahr hatte die EU beschlossen, dass alle Schiffe über 5.000 Bruttoregistertonnen, die europäische Häfen anlaufen, ihre Emissionen ab 2018 erfassen und melden müssen.

Klimaziel wohl erst nach 2020

Der Schiffsverkehr ist für mehr als zwei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, wird aber nicht vom Pariser Klimavertrag erfasst. Der IMO zufolge verursacht der Verkehr auf den Weltmeeren jährlich einen Treibhausgasaustoß von fast einer Milliarde Tonnen Kohlendioxid, damit liegen die Emissionen der Schifffahrt über den jährlichen Emissionen Deutschlands.

Wie die Emissionsdaten im Detail erhoben werden sollen, will die IMO nun in London beschließen. Am Ende der jetzigen Verhandlungen könnte, wenn es gut läuft, ein Arbeitsplan stehen, der die nächsten Schritte der Branche im Prozess zur Senkung der Treibhausgasemissionen festlegt – mehr nicht. Auch um mögliche Maßnahmen geht es dabei noch nicht. Ein Klimaziel – wie von der EU gefordert – könnte dann nach 2020 feststehen.

BildDie IMO-Mitgliedsstaaten sollen sich sich ein Klimaziel geben: Doch für ein verbindliches Ziel liegen ihre Ansichten noch zu weit auseinander. (Foto: Susanne Götze)

Auf dem Treffen des IMO-Umweltausschusses geht es aber nicht nur um das klimaschädliche CO2. Auch der Schwefelausstoß der Schiffe – und damit die Verwendung von Schweröl als Brennstoff – soll künftig sinken. Deshalb hat sich der Umweltausschuss auf eine Obergrenze von 0,5 Prozent Schwefelanteil an den Schiffsemissionen verständigt. Unklar ist allerdings, wann die Vorgabe verbindlich wird. Eigentlich sollte sie schon ab 2020 gelten. Doch möglicherweise wird sie auch erst 2025 wirksam, denn nach Ansicht der Branche gibt es nicht genügend schwefelarme Kraftstoffe.

[Erklärung]  
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen