Träge Wende bei Schiffs-Emissionen

Jahrelang unternahm die internationale Schifffahrtsbranche nichts, um ihren Treibhausgasausstoß zu regulieren. Jetzt bewegt sie sich – langsam. Doch die Politik will sich nicht mehr hinhalten lassen. China erlässt Vorgaben, und das EU-Parlament will den Containerverkehr in den Emissionshandel einbeziehen.

Von Sandra Kirchner

Über fast zwei Wochen lagen die Containerschiffe von Hanjin Shipping vor diversen Häfen fest. Die südkoreanische Großreederei hatte Insolvenz angemeldet, seither dümpelten über 70 Schiffe mit mehr als einer halben Million Container auf Reede vor sich hin. Die Hafenmeister verweigerten das Einlaufen, weil sie befürchteten, dass die Kapitäne die Hafengebühren nicht begleichen können. Zwischenzeitlich wurden auf den Riesen-Frachtern Wasser und Proviant für die Belegschaft sowie der Treibstoff knapp.

BildNeue Konsumgüter im Anmarsch: Die internationale Schifffahrt bleibt auch beim neuen Klimavertrag außen vor. (Foto: Martin Abegglen/Flickr)

Die Insolvenz der weltweit siebtgrößten Reederei schränkt auch den internationalen Containerverkehr auf Schiffen ein. Lieferverzögerungen sind die Folge, steigende Preise fürs Weihnachtsgeschäft erwarten Experten, denn 90 Prozent des globalen Welthandels werden auf den Weltmeeren transportiert. Inzwischen hat sich die Lage etwas entspannt, die ersten Schiffe können ihre Fracht löschen. Das grundsätzliche Problem aber bleibt und könnte für die internationale Wirtschaft erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Auf der anderen Seite ist klar: Die aktuellen Turbulenzen verringern den Schadstoffausstoß der Schiffsbranche nur unwesentlich. Der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation IMO zufolge verursacht der Güterverkehr auf den Weltmeeren jährlich einen Treibhausgasaustoß von fast einer Milliarde Tonnen Kohlendioxid. Das sind rund 2,5 Prozent des weltweiten Emissionen. Die IMO, eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, geht davon aus, dass die Emissionen der Schiffe bis 2050 – abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung – um 50 bis 250 Prozent steigen werden.

Branche verweigerte sich jahrelang jedem Klimaziel

Allerdings ließen sich der Energieverbrauch und die Emissionen der Containerschiffe um fast drei Viertel senken, wenn bestehende Technologien endlich eingesetzt würden. So fahren noch immer viele Containerschiffe ohne Rußpartikelfilter über die Meere.

Die IMO, deren PR-Motto "Sichere, geschützte und effiziente Schifffahrt auf sauberen Meeren" lautet, sammelt lediglich Daten zum Brennstoff-Verbrauch des Schiffsverkehrs. Ein Klimaziel für die Branche zu entwickeln, dieser Aufforderung ist sie bis heute nicht nachgekommen. Erst nach jahrelangem Druck von Umweltorganisationen und Politik kommt nun langsam Bewegung in die Branche.

Der Reederei-Dachverband International Chamber of Shipping (ICS) fordert die IMO nunmehr auf, ein Klimaziel für die Branche festzulegen, bevor die Angelegenheit ihr aus der Hand genommen wird. "Wenn die Regierungen mehr fordern, als einfach nur mit Effizienz erreicht werden kann, dann ist die einzige Option eine Art eines marktbasierten Mechanismus", sagte Peter Hinchliffe, Generalsekretär der ICS, dem britischen Magazin Climate Home. Man sei überzeugt, dass eine CO2-Abgabe die einzig passende Lösung für den internationalen Schiffsverkehr sei.

EU will Schiffsverkehr in Emissionshandel einbeziehen

Nach Ansicht von Hinchliffe muss man der Branche eine Frist von fünf bis sechs Jahren einräumen, damit sie den Verbrauch fossiler Brennstoffe durch die Schiffe messen und analysieren kann. Dabei erarbeitet die Politik längst eigene Vorgaben. Das Europäische Parlament hat im vergangenen Jahr beschlossen, dass Reedereien ab 2018 die Emissionen ihrer Schiffe über 5.000 Bruttoregistertonnen, die einen europäischen Hafen ansteuern, messen und mitteilen sollen.

Derzeit kämpfen Abgeordnete des Europäischen Parlaments fraktionsübergreifend dafür, dass der Schiffsverkehr über den Emissionshandel in die Klimaziele für 2030 eingebunden werden soll. Bei den Reedereien trifft der Vorstoß auf wenig Gegenliebe, er störe den Markt. Doch gestört ist dieser ohnehin schon: Überkapazitäten und niedrige Frachtpreise machen den Reedereien seit Jahren zu schaffen.

China ist da schon weiter. Anfang des Monats stellte das Umweltministerium Vorgaben für den Schiffsverkehr vor. Demnach soll der Ausstoß von Treibhausgasen und Feinstaub bei Schiffen sinken, deren Maschinen-Leistung über 37 Kilowatt liegt. Zwei Stufen sieht die chinesische Regelung vor: In den nächsten drei Jahren soll der Ausstoß von Feinstaub um 70 Prozent sinken und ab 2019 um weitere 40 Prozent.

BildDer Containerhafen von Rotterdam: Hier werden Güter in enormen Größenordnungen umgeschlagen. Den Welthandel an sich stellt freilich niemand infrage. (Foto: Google Earth)

Doch auch örtlich werden Vorgaben eingeführt: Der Hafen von Shenzhen hat gerade verfügt, dass Schiffe ab Oktober nur noch anlegen dürfen, wenn sie einen Kraftstoff mit einem Schwefelgehalt unter 0,5 Prozent verwenden. Zuvor hatten weitere Häfen im Delta des Jangtsekiang ähnliche Beschränkungen eingeführt. Das soll den Anteil der Schweröle als Brennstoff senken.

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