Solar Impulse vollendet Weltumrundung

BildNach über einer Woche Verzögerung landet Bertrand Piccard sicher auf dem Flughafen von Abu Dhabi und beendet damit die Erdumrundung mit seinem Solarflugzeug "Solar Impulse 2". Von einer "Sternstunde der Luftfahrt" sprechen Experten. Piccard sieht den Flug auch als Aufruf zur weltweiten Energiewende.

Aus Abu Dhabi Benjamin von Brackel

Das Solarflugzeug "Solar Impulse 2" hat seine Weltumrundung vollendet. Das Flugzeug landete mit dem Abenteurer und Arzt Bertrand Piccard an Bord am frühen Dienstagmorgen sicher in Abu Dhabi – dort, wo es am 9. März 2015 gestartet war. "Ich habe 15 Jahre auf diesen Moment gewartet", sagte Piccard direkt nach der Landung. Er und sein Partner André Borschberg hätten Energie-Geschichte geschrieben. 

BildAbu Dhabi: Start- und Endpunkt der Weltreise des Solarflugzeugs "Solar Impulse 2". (Foto: Solar Impulse)

Piccard hatte sich auf den 17 Etappen über Asien, Nordamerika, Europa und Nordafrika mit Borschberg im Ein-Mann-Flugzeug abgewechselt. "Wir sind 40.000 Kilometer ohne Treibstoff geflogen – jetzt ist es an Ihnen, das voranzutreiben", sagte der Schweizer Abenteurer vor der versammelten Prominenz in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate.

Die letzte Etappe von Kairo nach Abu Dhabi stellte die Piloten vor eine große Herausforderung. Mehrmals musste der Start verschoben werden. "Wir dachten, dass diese letzte Etappe einfach sein wird", hatte Bertrand Piccard vorher gegenüber klimaretter.info erklärt. "Aber sie stellte sich als viel schwieriger heraus, als wir dachten".

Grund für die Verzögerung war die große Hitze über Saudi-Arabien, welche die Elektronik des Flugzeugs hätte überfordern können. Aber auch die Piloten selbst: Geschwächt mit einer Magenverstimmung hatte Piccard sich nicht auf die harte Etappe begeben wollen. Samstag Nacht dann konnte es losgehen.

"Das sind Sternstunden der Luftfahrt", sagt Rolf Henke, Luftfahrtvorstand beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). "Das war eine großartige Pionierleistung. Die Mannschaft benötigte dazu hohen Sachverstand, Erfinder- und Pioniergeist. Nicht zuletzt mussten sie sich den Flug einfach auch trauen."

Als gefährlichste Teilstrecke galt die Überquerung des Pazifiks, weil der Ozean nur wenige mögliche Landeplätze bietet. Dazu startete das Flugzeug im vergangenen Sommer in Japan, nach 118 Stunden Flug musste es wegen überhitzter Batterien auf Hawaii zwischenlanden und nach den Reparaturarbeiten auf der Insel überwintern. Es kam Ende April in San Francisco an.

Das Flugzeug wird nur mit der direkten Energie der Sonne angetrieben und nicht durch Treibstoff. Auf dem Flieger sind 17.000 Solarzellen installiert, die ganze Konstruktion wiegt 2,3 Tonnen. Bei Nachtflügen wird die in Batterien gespeicherte Energie genutzt, um die vier Elektromotoren anzutreiben, die jeder 17,5 PS bringen können. Außerdem setzen die Ingenieure auf einen Trick: Abends, wenn die Batterien voll aufgeladen sind, steigt das Flugzeug auf eine Höhe von 8.500 Metern, um dann nachts langsam bis auf 1.500 Meter hinab zu gleiten – und somit Energie zu sparen.

Nicht mit Solar Impulse in den Urlaub

Auf 48 Kilometer in der Stunde kommt Solar Impulse 2 durchschnittlich – strahlt die Sonne besonders günstig, kann das Flugzeug auch doppelt so schnell fliegen. Neben dem Appell zum Klimaschutz soll der Rekordflug auch für die Entwicklung umweltschonender Motorflugzeuge werben, die ohne Brennstoff auskommen.

Start der Solar Impulse 2 am 9. März 2015 in Abu Dhabi. (Video: Kamiiza/Youtube)

Für große Flugzeuge eignet sich die Solartechnik allerdings noch nicht, sagen Experten. Aussichtsreicher erscheine hier die Entwicklung von batteriebetriebenen Elektroflugzeugen oder Luftschiffen.

"Mit Photovoltaik-Zellen können Sie die Leistungsdichte heutiger Gasturbinen noch nicht erreichen", sagt DLR-Vorstand Henke. Zu Solar Impulse sagt er: "Solch ein Flugzeug werden wir nicht in Serie bauen und damit in den Urlaub fliegen. Aber wir können von der Strategie und dem ganzheitlichen Geist lernen, mit dem Piccard und sein Team das vorangetrieben haben."

Gestartet war das Solarflugzeug am 9. März 2015. Von Abu Dhabi ging es über Oman, Indien, China, Japan, Hawaii, die USA und Spanien bis zurück in die Hauptstadt der Emirate. Die beiden Schweizer wollten im Jahr des Klimagipfels in Paris für das Energiesparen und die Nutzung von Ökoenergien werben. "2015 könnte das Jahr werden, in dem wir damit aufhören unseren Planeten zu zerstören", heißt es auf der eigens für das Projekt eingerichteten Internetseite "Future Is Clean". Piccard wurde während der Klimaverhandlungen in Paris zu den Verhandlern geschaltet und warb für einen Wechsel des Energiesystems.

BildÜberglücklich: Kurz nach der Landung in der Nacht zum Dienstag präsentieren sich Bertrand Piccard und André Borschberg mit ihrem Team den Gästen. (Foto: von Brackel)

Piccard hat in der Vergangenheit immer wieder mit spektakulären Flügen auf sich aufmerksam gemacht. 1999 gelang es ihm im dritten Versuch, zusammen mit dem Briten Brian Jones in einem Ballon die Welt zu umrunden. Sie landeten mit gerade mal noch 40 Kilogramm Propangas (von ursprünglich 3,7 Tonnen) in Ägypten – nur knapp waren sie einem Absturz entgangen. Damals schwor sich Piccard, sich nicht mehr abhängig von fossilen Ressourcen zu machen – das ist ihm nun gelungen.

Bild "Live" aus Abu Dhabi von der Landung des Solarfliegers berichtet Benjamin von Brackel, stellvertretender Chefredakteur von klimaretter.info

 

BildAlle Berichte, Interviews und Meldungen über die solare Weltumrundung und die Vorgeschichte im klimaretter.info-Dossier: Solar Impulse

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