Leise summt das E-Flugzeug

Fliegen ist besonders klimaschädlich. Nur ein "radical change" kann das ändern, sagen Flugzeugbauer. Was bisher entwickelt wurde, lässt sich aber nicht auf größere Flugzeuge übertragen. Bis zum Elektroflieger ist es noch ein weiter und teurer Weg.

Von Verena Kern

Es gibt Tage, da ist Christian Mosner einfach nur müde. Der 52-jährige Architekt wohnt in dem Mainzer Vorort Marienborn. Ruhig und beschaulich war es hier. Doch seit einiger Zeit führt eine Flugroute des nahe gelegenen Frankfurter Flughafens genau über die Wohngegend. Im Minutentakt donnern riesige Transportmaschinen über Mosners Haus. Ab fünf Uhr morgens ist an Nachtruhe nicht mehr zu denken.

BildLärm macht krank: Wohnen in der Einflugschneise führt bei Anwohnern oft zu gesundheitlichen Problemen. (Foto: Adrian Pingstone/Wikimedia Commons)

Lärm ist nicht das einzige Problem, das der Luftverkehr verursacht. Er trägt auch zur Erderwärmung bei, mit stark zunehmender Tendenz. Zwei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen gehen schon jetzt auf sein Konto. Rechnet man die weiteren Effekte durch Stickoxide, Ruß oder Wasserdampf hinzu, ist die Klimawirkung des Fliegens sogar doppelt so groß.

Und dabei wird es nicht bleiben. Der Flugverkehr ist eine Wachstumsbranche. In 15 bis 20 Jahren ist mit einer Verdopplung des Verkehrsaufkommens zu rechnen. In keinem anderen Sektor steigen die Emissionen schneller. Um fünf Prozent legt der Treibhausgasausstoß hier jährlich zu.

Dabei hat die Branche viel unternommen, um Flugzeuge effizienter zu machen. Man hat die Aerodynamik verbessert, man verbaut leichtere Materialien, man experimentiert mit alternativen Kraftstoffen. Doch alle Einsparungen bei den Emissionen werden durch die wachsenden Flugzahlen wieder aufgezehrt. Inzwischen ist klar, dass es mit einer Optimierung der bestehenden Technik nicht getan ist, wenn Fliegen künftig sauberer werden soll. Was ansteht, ist ein "radical change", sagt Andreas Strohmayer vom Institut für Flugzeugbau der Universität Stuttgart.

Als der Schweizer Bertrand Piccard im März mit der "Solar Impulse 2" zur ersten Weltumrundung aufbrach, ging es genau darum. Der Rekordflug mit dem Solarflugzeug sollte die Entwicklung von umweltschonenden Motorflugzeugen vorantreiben und zeigen, dass es auch ohne Brennstoff geht. "Eine tolle Idee", urteilt Strohmayer. Auch sein Institut hat Solarflugzeuge entwickelt. Der erste Prototyp "Icaré 2" wurde schon 1996 getestet. "Doch das ist nichts, was man auf größere Flugzeuge übertragen könnte", sagt Strohmayer.

Fliegen wird noch lange nicht grün

"500 Meter Spannbreite müsste ein Solarflugzeug haben, damit es Nutzlasten transportieren kann", sagt Robert Sausen vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. "Selbst wenn man einen Wirkungsgrad von 100 Prozent bei den Solarzellen hätte, ginge es nicht." Solarflugzeuge, sagt Strohmayer, "werden die Zukunft nicht verändern".

Aussichtsreicher erscheint die Entwicklung von E-Flugzeugen. Die Nasa will ab 2017 mit Testflügen beginnen. Im Juli schickte Airbus seinen elektrisch angetriebenen Zweisitzer "E-Fan" über den Ärmelkanal. Zeitgleich flog "E-Genius", ein vom Stuttgarter Institut für Flugzeugbau entwickeltes, ebenfalls zweisitziges Batterieflugzeug, bis nach Mailand und zurück. Reine Stromkosten: zwanzig Euro.

Derzeit entwickeln die Stuttgarter ein Hybridflugzeug. Die Lithium-Polymer-Batterie soll um einen Generator ergänzt werden, der mit Diesel, Kerosin oder Agrosprit angetrieben wird. Denn die Batterien sind bislang das große Problem: Sie sind einfach zu schwer. Um mehr als zwei Personen zu transportieren, müsste das ganze Flugzeug voller Batterien sein – Platz bliebe dann keiner mehr.

Ein Problem sind auch die Kosten. Ein neues Flugzeug zu entwickeln ist extrem teuer. "Die Größenordnung liegt bei 50 bis 100 Milliarden Euro", sagt Gernot Klepper vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel. "Für die Entwicklung muss man zwanzig Jahre veranschlagen." Airbus beispielsweise rechnet mit einem serienmäßigen Betrieb seiner E-Flugzeuge ab dem Jahr 2050.

Bild"Solar Impulse 2" zeigt, dass Flugzeuge mit Sonnenkraft fliegen können. Viel mehr als den Piloten bekommt man so aber nicht in die Luft. (Foto: Solar Impulse)

Das radikal neue Fliegen wird also noch auf sich warten lassen. Aber sehr viel leiser wird es auf jeden Fall sein: Bei den Elektrofliegern hört man fast nur den Propeller. Das gilt übrigens auch für eine ganz andere Technologie, die im Wettstreit um Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit am Ende die Nase vorn haben könnte: Luftschiffe.

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