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Saft für leere Batterien

Norwegen ist Spitzenreiter bei Elektrofahrzeugen. Damit Fahrer von E-Autos künftig ohne Angst vor einer leeren Batterie fahren können, will das Land ein flächendeckendes Netz von Ladestationen errichten. In Vestby wurde nun die modernste von ihnen eingeweiht.

Aus Stockholm Reinhard Wolff

Bis jetzt ist er erst 106 Kilometer lang, der "Ishavsveien", die Eismeerstraße. Doch in drei Jahren soll er das ganze Land mit Schnellladestationen überziehen, damit Fahrer von Elektroautos es nie weiter als 50 Kilometer zu solchen "Tankstellen" haben. Mit der weltweit angeblich avanciertesten Ladestation wurde nun in Vestby, gelegen auf halber Strecke zwischen der schwedisch-norwegischen Grenze und Oslo, die erste Etappe der Stromstraße eröffnet. Der "Ishavskraft" ist nach einem der Sponsoren benannt, einer nordnorwegischen Elektrizitätsgesellschaft, die ausschließlich Strom aus erneuerbaren Quellen anbietet.


Braucht an der neuen E-Tankstelle circa eine halbe Stunde zum Tanken: der i-MiEV von Mitsubishi. (Foto:
Michael Gill/MSVG/flickr.com)

"Ohne ein nationales Schnellladenetz geht gar nichts", erklärte Umweltminister Bård Vegar Solhjell bei der Einweihung der Ladestation. "Wer sich ein Elektroauto kauft, darf sich wegen der Reichweite keine Sorgen machen müssen." So ähnlich wie an der Stromtankstelle in Vesby soll es bis 2015 an allen norwegischen Fernverkehrsstraßen aussehen. Die Ladestation, die jeweils mehrere parallel benutzbare Ladestationen für die derzeit gängigen Ladesysteme anbietet, hat einschließlich eines Transformators umgerechnet rund 200.000 Euro gekostet. Der "i-MiEV" von Mitsubishi kann hier beispielsweise binnen einer halben Stunde von Null auf 80 Prozent seiner Kapazität geladen werden. Vorläufig ist alles gratis, an Bezahllösungen – nach Ladezeit oder Kilowatt – wird noch getüftelt.

Jeder zwanzigste Neuwagen ein Elektroauto

Passenderweise wurde im September in Norwegen bei den Pkw-Neuzulassungen ein neuer Rekord gemeldet: 5,2 Prozent, also jeder zwanzigste neue Pkw, war ein Elektroauto. Rechnet man reine E-Autos und Hybrid-Pkw zusammen, brachten sie es gar auf 11,5 Prozent der Neuzulassungen. 8.500 Fahrzeuge haben inzwischen ein Kennzeichen mit der Buchstabenkombination "EL" für Elektrofahrzeug. Bis zum Jahresende könnten es 10.000, bis 2016 sollen es mindestens 50.000 sein. Elektroautos würden dann zwei Prozent des gesamten norwegischen Autobestands ausmachen. "Kein Grund, schon den Champagner aufzumachen", meint zwar Snorre Sletvold, Vorsitzender der norwegischen Elektroauto-Vereinigung "Elbilforening". Aber immerhin, für 2020 rechnet man mit 200.000 Elektroautos.

Gemessen am prozentualen Anteil der Elektrofahrzeuge am gesamten Fahrzeugpark hat die massive staatliche Förderung Norwegen schon jetzt zum weltweiten Elektroautospitzenreiter gemacht. Das hat einen Grund: Oslo muss auf einheimische Autoproduzenten keine Rücksicht nehmen – die gibt es nicht – und versteht das Förderprogramm als ein Puzzleteil auf dem Weg zu seinen nationalen Klimazielen. Beim Autokauf verzichtet der Staat sowohl auf die 25-prozentige Mehrwertsteuer als auch auf Zulassungsgebühren sowie Import- und Zollabgaben. Wenigstens bis 2017 ist freie Fahrt bei allen Mautstationen und freies Parken auf öffentlichen Parkplätzen garantiert. Auch die Ladestation in Vestby bekam einen Staatszuschuss von 55.000 Euro. Fördergeld für weitere 1.500 Ladestationen wurde bereits vergeben oder genehmigt.


Wo ist die nächste Stromtankstelle? Ganz so bedenkenlos wie die Fahrer von Diesel- und Benzinautos können Elektrowagenbesitzer noch nicht losfahren. (Foto: Reinhard Dietrich/Wikipedia)

"Autokäufer und -händler nehmen das Elektroauto jetzt ernst", sagt Ole Henrik Hannisdahl, Projektleiter der Interessenorganisation "Grønn Bil", die von kommunaler und staatlicher Seite sowie der Energiebranche und der Klimastiftung Zero getragenen wird. Und weil die neuesten Modelle mittlerweile auch an kalten Tagen eine Batteriekapazität von 80 bis 100 Kilometern sichern, ist laut Beobachtung des Marketing-Chefs von Nissan Norwegen, Jan Erik Uthus, das Elektroauto nicht mehr länger vorwiegend Zweitauto. "Wir haben vor allem junge Käufer, und für die spielt neben Umweltaspekten die Wirtschaftlichkeit eine entscheidende Rolle."


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