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Elektromobiler Tunnelblick

Das Elektroauto ist ein echter Liebling der Gesellschaft. Es verbindet technischen Fortschrittsglauben mit dem Versprechen sauberer, sorgloser Mobilität. Wissenschaftler für Verkehrsplanung allerdings machen den öffentlichen Hype um das Elektroauto für eine Verengung der verkehrspolitischen Debatte verantwortlich.

Von Eva Mahnke

Sie sind leise, sie stinken nicht, sie vermitteln das Versprechen ganz und gar sauberer, schadloser Mobilität: Seit einigen Jahren sind Elektroautos ein Lieblingsthema von Politik, Wirtschaft und Medien. Die Bundesregierung hat eigens einen "Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität" angestoßen, erstmals gab es auf der Internationalen Mobilausstellung (IAA) eine ganze Halle zur Elektromobilität und auch die Medien berichten gern und häufig. Hinter dem Boom steht das verlockende Versprechen, mit einem wachsenden Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix die Auto-Mobilitätsbedürfnisse der Menschen auch in Zukunft in gleicher Weise wie heute befriedigen zu können - ohne Schädigung der Umwelt bei Beibehaltung des gewohnten Mobilitätsverhaltens.


Alles ganz einfach - Stecker rein und aufladen. (Foto: Wikipedia/Craig Morey)

Während die Bundesregierung schon 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren sieht, sind andere skeptischer. Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln etwa kommt zu dem Schluss, dass Elektroautos in den kommenden Jahren lediglich einen Nischenmarkt darstellen. Statt der vielfach durch die Medien suggerierten "Revolution" stünde der Elektromobiltät vielmehr eine gemächliche "Evolution" bevor. Ganz ohne staatliche Fördergelder schaffe es das Elektroauto im Jahr 2020 gerade einmal auf einen Marktanteil von drei Prozent an den PKW-Neuzulassungen, so die Studie. Mit staatlicher Unterstützung könnten es sechs bis acht Prozent sein.

Zwar mag das Elektroauto also in naher Zukunft auf den deutschen Straße keine herausragende Rolle spielen. Auf die zukünftigen gesellschaftlichen und politischen Weichenstellungen im Verkehrsbereich wirkt sich das Versprechen Elektromobilität aber ganz entscheidend aus. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsprojekt der Technischen Universität Berlin. Um zu verstehen, wie die öffentliche Diskussion zum Thema Elektromobilität abläuft und welche Folgen sie hat, haben Wissenschaftler von der Technischen Universität Berlin die Medienberichterstattung zwischen 1990 und 2010 untersucht. Unter der Leitung von Christine Ahrend, Professorin für Integrierte Verkehrsplanung, haben sie hierfür mehr als 1.000 Artikel aus fünf überregionalen Zeitungen analysiert.


In der Diskussion sind die Elektroautos auch als fahrende Energiespeicher. (Foto: flickr/Patrik Tschudin)

Schon in den 90er Jahren hat es demnach einen ähnlichen "Medienhype" um das Elektroauto gegeben wie heute. Die Studie der Wissenschaftler deckt dabei "erstaunliche Gemeinsamkeiten" zwischen den beiden Hypes auf: Die Diskussion flammte jeweils vor dem Hintergrund einer Wirtschaftskrise auf, von der besonders die Automobilindustrie betroffen war. Während die Stromkonzerne in den Autos einen neuen Absatzmarkt sahen, hätten die Automobilkonzerne hierin eine Chance gewittert, sich neu zu profilieren - und dabei eine Reihe von Fördergeldern abzugreifen.

Denn auch die Bundesregierung sprang auf den Zug mit auf: "Durch die finanzielle Unterstützung der Automobilindustrie konnte sie einen Beitrag zur Bewältigung der Wirtschaftskrise leisten und sich gleichzeitig mit einer umweltfreundlichen Technologie im Umweltdiskurs positionieren", heißt es in der Studie. Mit anderen Worten: Mit der Suche nach nachhaltigen Lösungen im Verkehrssektor hat der Hype eher nebenbei zu tun. Die Umstände erlaubten es den Akteuren lediglich, industrie- und energiepolitische Argumente in ein grünes Mäntelchen zu kleiden.

Die Gefahr hierbei: Mit dem Elektroauto verengt sich die öffentliche Debatte um den Verkehr der Zukunft auf einen rein technischen Lösungsweg. "Speziell im Automobilsektor", so erläutern die Wissenschaftler, "herrscht traditionell die Vorstellung vor, dass gesellschaftliche Probleme, die durch das Artefakt Automobil erzeugt werden, ihrerseits durch technologische Innovationen gelöst werden können." Was damit völlig aus dem Blick gerät: Es kann nicht nur darum gehen, das Auto - irgendwann einmal - umweltfreundlicher zu machen. Entscheidend ist es, dafür zu sorgen, "dass das Verkehrsaufkommen ingesamt sinkt." Dieser Gedanken, so das Ergebnis der Studie, taucht im aktuellen Elektromobilitätsdiskurs nicht auf.

 

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