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Lufthansa lobt Agrosprit-Ergebnisse

Die Lufthansa hat ihren Test zum Einsatz von Agrosprit bei Inlandsflügen mit einer positiven Bilanz beendet. Nun steht der interkontinentale Test an. Zwar kündigte der Konzern an, den Sprit im großen Maßstab erst dann einzusetzen, wenn dessen Nachhaltigkeit belegt ist. Entwicklungspolitische Organisationen kritisieren aber, dass Lufthansa schon jetzt zu den sozialen Auswirkungen der Agrospritgewinnung schweigt.

Von Eva Mahnke

Die Lufthansa hat Kohlendioxid gespart - innerhalb von sechs Monaten 1.471 Tonnen. In 1.187 Testflügen zwischen Frankfurt/Main und Hamburg hat der Konzern in den vergangenen sechs Monaten den Einsatz von sogenanntem "biosynthetischem Treibstoff" getestet. Der erprobte Agrotreibstoff verursacht nur halb soviel Kohlendioxid wie herkömmliches Kerosin und kann diesem mit einem Anteil von maximal 50 Prozent beigemischt werden. Die Testbilanz von Lufthansa ist positiv: "Unser Projekt burnFAIR verlief reibungslos und zu unserer vollsten Zufriedenheit. Der Biokraftstoff hat sich, wie von uns erwartet, als alltagstauglich erwiesen", sagte Joachim Buse, Vizepresident Aviation Biofuel bei Lufthansa.


Seit Juli wurde das Triebwerk eines Airbus A321 mit dem Agrokerosin betankt. (Foto: Wikimedia Commons/Heidas)

Während der Testphase hat der Konzern nicht nur Erfahrungen im Umgang mit dem Treibstoff gesammelt, sondern auch langfristige Messdaten erhoben. Diese sollen nun Auskunft darüber geben, wie sich der Treibstoff auf die Lebensdauer und die Wartung der Triebwerke auswirkt. In zwei Tagen soll der Treibstoff auf einem Langstreckenflug von Frankfurt/Main nach Washington nun noch seine interkontinentale Tauglichkeit unter Beweis stellen. Betankt mit 40 Tonnen biosynthetischem Kerosingemisch wird das Flugzeug auf dieser Strecke 38 Tonnen Kohlendioxid einsparen.

Wie auch im Straßenverkehr hofft die Branche mit dem Agrotreibstoff den wachsenden Druck zur Treibhausgasreduktion mit den wachsenden Mobilitätsbedürfnissen der Menschen in Einklang zu bringen. Bis 2050, so hat es sich der internationale Dachverband der Fluggesellschaften IATA in einer freiwilligen Selbstverpflichtung vorgenommen, soll der CO2-Ausstoß gegenüber 2050 um die Hälfte gesenkt werden. Bei einem durchschnittlichen Wachstum von fünf Prozent wird der Sektor dies allein mit einer Verbesserung der Effizienz durch etwa eine optimierte Aerodynamik und leichtere Materialien aber nicht schaffen und setzt deshalb auf den "grünen" Treibstoffersatz. Neuen Druck gibt es zudem durch die Einbeziehung der Airlines am Europäischen Emissionshandel. In Zukunft werden die Fluggesellschaften einen wachsenden Anteil der benötigten Emissionszertifikate kaufen müssen. Je geringer die zukünftigen Kosten von Agrosprit und je höher die - derzeit sehr niedrigen - CO2-Preise, desto größer der Anreiz, auf den Ersatztreibstoff umzusteigen.

Sofort einsetzen will die Lufthansa den Agrotreibstoff jedoch auch nach Abschluss der Tests nicht. "In einem nächsten Schritt werden wir unseren Fokus auf die Eignung, Verfügbarkeit, Nachhaltigkeit und Zertifizierung von Rohstoffen legen", so Projetkleiter Buse. Dieser Markt müsse erst noch erschlossen werden. Die Branche hat aus der Diskussion um die Nachhaltigkeit von Agrosprit im Straßenverkehrssektor gelernt und ist nun bewusst vorsichtig.


Eine Jatropha-Plantage - die Pflanze gilt allgemein als genügsam. (Foto: Wikimedia Commons/ Helmut von Brandenstein)

Der Lufthansa-Agrosprit wird unter anderem aus aus Jatropha gewonnen, eine Pflanze, die zum Beispiel in Indien und im südlichen Afrika angebaut wird. Nach anfänglicher Euphorie über die anspruchslose und an Trockenheit gewöhnte Pflanze ist Jatropha in den vergangenen Jahren jedoch in Verruf geraten. Die Vorstellung, durch den Jatropha-Anbau auf degradierten Böden die Konkurrenz mit dem Anbau von Nahrungsmitteln vermeiden zu können, hat sich nicht bewahrheitetet. Schon 2009 veröffentlichten Forscher im Wissenschaftsmagazin PNAS eine Studie, derzufolge Jatrophapflanzen zur Gewinnung rentabler Erträge fünfmal soviel Wasser benötigten wie etwa Zuckerrohr.

Weil der Anbau auf sogenannten marginalen - das heißt unergiebigen - Böden keine rentablen Erträge mehr bringe, werde der Anbau zukünftig auf fruchtbare Ackerflächen verlegt, sagt Evelyn Bahn, Referentin für Welternährung bei Inkota. Das entwicklungspolitische Netzwerk Inkota wirft Lufthansa vor, zu den sozialen und ökologischen Auswirkungen des Jatropha-Anbaus zu schweigen.  "Fruchtbares Ackerland wird weltweit knapper und die Biokerosin-Pläne heizen Konflikte um Land weiter an." Inkota fordert deshalb den Lufthansa-Konzern auf, die Auswirkungen der Agrospritproduktion auf Ernährungssicherheit und Landkonflikte in den Anbauländern zu berücksichtigen.


"Pure Sky", sauberer Himmel, heißt das Agrosprit-Projekt der Lufthansa. (Foto: Lufthansa/Rolf Bewersdorf)

"Lufthansa wird den Praxiseinsatz erst dann fortsetzen, wenn wir nachhaltige und zertifizierte Rohstoffe in den für den Routinebetrieb erforderlichen Mengen sicherstellen können", verspricht Lufthansa-Projektleiter Buse. Wann das der Fall sein wird, ist aber noch unklar. Nach Konzernangaben bräuchte Lufthansa für den Anbau von Energiepflanzen - je nach Pflanze - zur Betankung seiner Flotte eine "nachhaltige" Anbaufläche in der Größe Niedersachsens oder gar Bayerns.

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