China fliegt für sich allein
Seit Jahresbeginn gilt der Emissionshandel der EU auch für Fluggesellschaften. Während die amerikanischen Airlines nach ihrer Schlappe vor dem Europäischen Gerichtshof ihren Widerstand aufgegeben haben, pokert China weiter - und erteilt jeder Kooperation eine Absage. Dabei hat Klimakommissarin Hedegaard schon weitreichende Zugeständnisse angeboten.
Von Verena Kern
Der Vizechef des chinesischen Luftfahrtverbandes CATA, Chai Haibo, hat einer Beteiligung am Europäischen Emissionshandel (ETS) erneut eine klare - und scharf formulierte - Absage erteilt. China werde mit der Europäischen Union beim ETS "natürlich nicht" kooperieren, sagte Haibo heute. Sein Verband sei "eindeutig" gegen die "unlautere" Praxis der EU, die Fluggesellschaften "einseitig" in das Emissionshandelssystem zu "zwingen". Zudem drohte Haibo mit "Gegenmaßnahmen".

Der Streit dreht sich um nur wenige Euro Mehrkosten pro Flug - oder doch eher ums Prinzip? (Foto: Kern)
Seit dem 1. Januar 2012 wird auch die Luftfahrt in den EU-Emissionshandel mit einbezogen. Das Prinzip dahinter: Unternehmen mit hohen klimaschädlichen Emissionen erhalten ein bestimmtes Kontingent an Verschmutzungsrechten. Sind ihre Emissionen höher, müssen sie Zertifikate zukaufen. Fällt der Schadstoffausstoß geringer aus, können sie ihre Zertifikate verkaufen, also damit handeln. Die Gesamtmenge an Verschmutzungsrechten wird Jahr für Jahr um 1,74 Prozent reduziert. Auf diese Weise soll ein Anreiz geschaffen werden, weniger CO2 zu emittieren. Allerdings erhalten die Unternehmen immer noch 85 Prozent ihrer Zertifikate geschenkt.
Die Pläne der EU, auch den Flugverkehr - und das heißt eben auch: außereuropäische Airlines - in den europäischen Emissionshandel einzubeziehen, war im Vorfeld auf massive Kritik nicht nur aus China gestoßen. Auch Russland, Kanada oder die USA wehrten sich. US-amerikanische Fluggesellschaften zogen vor den Europäischen Gerichtshof, um die Bestimmung noch zu kippen. Kurz vor Weihnachten scheiterten sie mit ihrer Klage. Das oberste europäische Gericht in Luxemburg erklärte am 21. Dezember: "Die Prüfung der Richtlinie 2008/101 hat nichts ergeben, was ihre Gültigkeit berühren könnte." Sprich: die Richtlinie ist gültig, auch für den internationalen Luftverkehr.
Nach dem Urteil hatten - fast - alle außereuropäischen Flugverkehrsgesellschaften ihre Berichtspflichten und Auflagen erfüllt. Der Sprecher von EU-Klimaschutzkommissarin Connie Hedegaard sprach Ende Dezember gegenüber dem Magazin Dowjones von "über 900 Fluggesellschaften", die sich rechtzeitig angemeldet hatten - übrigens auch US-amerikanische Airlines. Die große Ausnahme: China.

Chinas Umweltminister Xie Zhenhua, hier beim Klimagipfel in Durban. Was will das Reich der Mitte? (Foto: Mahnke)
Staatliche chinesische Medien hatten vielmehr wiederholt berichtet, die Regierung in Peking wolle gegen den EU-Emissionshandel vorgehen. Dieser verstoße gegen nationale Souveränität, verletze internationale Luftfahrtabkommen und werde zu einem "Handelskrieg" führen.
Allerdings hat Klimakommissarin Hedegaard, um die Wogen zu glätten, bereits im November 2011 "Ausnahmen" in Aussicht gestellt. Demnach könnte China "eventuell" vom Emissionshandel ausgenommen werden, wenn das Land - wie angekündigt - selber "gleichwertige Maßnahmen" für eine Emissionsreduktion im Luftverkehr ergreift. Hedegaards Bitte um weitere Informationen zu eigenen CO2-Reduktionsplänen hat China bisher aber noch nicht beantwortet.
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 00 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Rezension
Die Übermacht der fossilen Industrie In Bonn wird auf der UN-Frühjahrstagung gerade wieder über das Klima verhandelt. Ein umweltverträglicher Kapitalismus ist jedoch nicht abzusehen. Aber auch die Kritiker tun sich schwer - ihnen fehlen die Alternativen. Eine Rezension von Felix Werdermann [mehr...]
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13
Facebook Empfehlungen
klimaretter.info auf Twitter
klimaretter.info Newsfeed





Fluggesellschaften aus dem Land dürfen sich nicht am europäischen Emissionshandel beteiligen und die Kosten nicht auf ihre Preise umlegen
Trotz Drohungen von allen Seiten - der Europäische Gerichtshof bleibt hart. Die Einbeziehung nicht-europäischer Fluglinien in den EU-Emissionshandel sei rechtens. Damit müssen nun alle Airlines, die Europa anfliegen, für einen Teil ihrer Zertifikate zahlen. Um die Wogen im Ausland zu glätten, hatte Klimakommissarin Hedegaard jedoch schon im November "Ausnahmen" angekündigt.
Fluggesellschaften aus Drittländern sollen nicht einbezogen werden, fordert Russland
Ähnliches Vorgehen gegen andere europäische Luftlinien. Lufthansa sieht Profitabilität bedroht
Alternativ zu Emissionshandel bietet Kommission aber "Ausgleichsmaßnahmen" an
Kommission will 2012 den Airlines 213 Millionen Tonnen Treibhausgas-Emissionen zugestehen
Die EU-Kommission hat Maßnahmen vorgelegt, um das Emissionshandelssystem vor weiteren Cyberangriffen zu bewahren. Marktakteure bleiben skeptisch.
Beim Streit mit China um die Einbeziehung des Flugverkehrs in den europäischen Emissionshandel soll es keinen Rückzieher geben
Die EU-Klimakommissarin hat sich zum ersten Mal öffentlich dazu bekannt, den europäischen Emissionshandel mit dem kalifornischen verknüpfen zu wollen
Gruppe von Staaten trifft sich, um über Maßnahmen gegen Einbeziehung ihrer Fluggesellschaften in Europäischen Emissionshandel zu beraten
Flugverkehr und energieintensive Industrie müssen ab 2012 Verschmutzungsrechte vorweisen
Kürzlich hat die Zentralregierung in Peking im neuen Fünfjahrplan Minderungsziele für den Kohlendioxid-Ausstoß festgeschrieben. Reihenweise droht ineffizienten Fabriken das Aus. Der Ökonom Jeff Huang schlägt ein CO2-Handelssystem vor. Chinesische Unternehmen, Medien und Politiker, sagt er im Interview mit Klimaretter.info, fänden die Idee "hochspannend".
Bilanz: Klimakommissarin Hedegaard kritisiert "überzählige Zertifikate"
Der Emissionshandel, eines der Hauptinstrumente der europäischen Klimapolitik, funktioniert bislang höchstens mangelhaft. Nicht als erste stellt dies eine Studie der britischen Nichtregierungsorganisation "Sandbag Climate Campaign" jetzt fest. Mit massivem Lobby-Einsatz hat es die Industrie geschafft, aus dem Klimaschutz-Instrument eine "Gelddruckmaschine" für sich zu machen.


