Daimler hinkt hinterher
Bis zu zehn Milliarden Euro Strafe drohen den Automobilherstellern, wenn sie die Vorgaben der EU zur Senkung des Kohlendioxidausstoßes nicht einhalten. Die Europäische Umweltagentur (EEA) zog unmittelbar vor Beginn von Verbindlichkeiten ab 2012 schon einmal Bilanz. Demnach erfüllen schon jetzt 80 Prozent der Hersteller die Normen für 2012. Einige, darunter die Daimler AG, haben noch Bedarf, die Emissionen zu verringern.
Von Tony Stuemer
Die Europäische Umweltagentur (EEA) veröffentlichte am Mittwoch einen Zwischenbericht zur Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben bei den Automobilherstellern. "Wenn die Automobilhersteller keine weiteren Verbesserungen bei der Effizienz ihrer Fahrzeuge beim Ausstoß von Kohlendioxid erzielen, könnten auf diese Strafen in Höhe von bis zu zehn Milliarden Euro zukommen", hieß es darin. 80 Prozent der Automobilhersteller haben jedoch das 2012er Ziel schon erreicht. Besonders positiv: Toyota Motor Europe. Dennoch müssen "die meisten Autobauer weitere Verbesserungen bis 2015 erzielen", so die Umweltagentur. Darunter auch der deutsche Automobilhersteller Daimler.
Innovation per Gesetzgebung: Bereits 2009 beschloss die Europäische Union verbindliche Werte für den Ausstoß von Kohlendioxid bei Kraftfahrzeugen. Ab 2012 müssen demnach 65 Prozent der Neufahrzeuge eines Herstellers einen durchschnittlichen Ausstoß von Kohlendioxid von maximal 130 Gramm Kohlendioxid je Kilometer aufweisen. In stufenweiser Annäherung ab 2012 müssen bis 2015 100 Prozent der Fahrzeuge diesen Grenzwert erreichen.

Für die Daimler AG stellt die Europäische Umweltagentur Nachholbedarf fest. (Foto: Daimler)
Die Kalkulation des Kohlendioxid-Ausstoßes ist einerseits an den durchschnittlichen Ausstoß eines Fahrzeuges im Verhältnis zu seiner Masse gebunden. Andererseits handelt es sich bei den für die EU-Vorgaben bestimmenden Werten um die Durchschnittswerte verschiedener Modelle, die den Gesamtdurchschnitt aller Neuwagenflotten ergeben. Hinzu kommt die Vergabe von sogenannten "Credits", die besonders ausstoßarme Fahrzeuge durch statistische Mittel bei den Berechnungen zum durchschnittlichen Ausstoß belohnt.
Tops und Flops: Wer ist auf einem guten Weg, wer hinkt hinterher?
Dabei benennt die EEA die Automobilhersteller beim Namen: So habe Toyota Motor Europe die EU-Vorgaben für das Jahr 2012 bereits erreicht. Vom "zwingenderen" 2015er Ziel sei man nur noch um weniger als einen Gramm Kohlendioxid pro Kilometer entfernt. Ähnlich verhält es sich bei den französischen Automobilkonzernen Citroën und Peugeot. Diese seien nur noch rund fünf Gramm von der Zielvorgabe entfernt - ein Wert, der, wie die EEA positiv bemerkt, der durchschnittlichen Reduzierung der Emissionen bei Fahrzeugherstellern zwischen 2009 und 2010 entspricht.
Bei den größeren Herstellern wie der Daimler AG aus Deutschland, aber auch Honda, Nissan, General Motors, Mazda und Dacia dagegen sind Reduzierungen der durchschnittlichen Emissionen von mehr als 14 Gramm Kohlendioxid je Kilometer nötig, um den EU-Vorgaben gerecht zu werden. Hersteller, die ausschließlich auf die Produktion von Elektrofahrzeugen spezialisiert sind, erhalten automatisch den Wert Null. Die Umweltagentur weist jedoch darauf hin, dass einige Hersteller ihre Emissionen halbieren müssten.

Die Fahrzeughersteller (hier: BMW) müssen künftig effizientere Autos herstellen, um mit den Vorgaben der EU Schritt zu halten. (Foto: Michael Schulze von Glaßer)
Der Straßenverkehr ist für knapp 18 Prozent der Treibhausgasemissionen in Europa verantwortlich. Zwischen 1990 und 2009 sind die Emissionen zudem um 23 Prozent gestiegen, so die EEA. Für 2020 plant die Europäische Union, den durchschnittlichen Grenzwert von 130 Gramm Kohlendioxid je Kilometer auf verbindliche 95 Gramm des klimaschädlichen Treibhausgases zu reduzieren. 2010 lag der durchschnittliche Ausstoß von Kohlendioxid pro Neufahrzeug in der EU noch bei 140,3 Gramm pro Kilometer.
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