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"Zeit, das moralisch Richtige zu tun"

Die rückschrittliche und klimafeindliche Politik von US-Präsident Trump bringt die Welt an einen kritischen Punkt. Deshalb ist es jetzt noch wichtiger, Investitionen in Kohle, Öl und Gas zu stoppen – um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels noch zu verhindern. Im Mai wollen lokale Gruppen auf der ganzen Welt ihre Divestment-Kampagnen zusammenschließen.

Ein Standpunkt von Hoda Baraka

BildEs ist offiziell. Daten des britischen Wetterdienstes Met Office, der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA und der Raumfahrtbehörde Nasa lassen keinen Zweifel: 2016 war das wärmste Jahr seit Beginn der flächendeckenden Messungen 1880.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind absolutes Neuland für die Menschheit. Nach wie vor treffen sie die Menschen am härtesten, die sich am wenigsten schützen können und die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben.

Im Pariser Klimaabkommen wurden zwar wichtige Zielvorgaben festgelegt, um die schlimmsten Folgen der Klimakrise abzuwenden. Doch die Regierungen lassen entsprechendes Handeln nach wie vor vermissen.

Hinzu kommt die rückschrittliche Politik von US-Präsident Trump, die globale Konsequenzen mit sich bringt. Zuletzt setzte Trump per Dekret mehr als ein halbes Dutzend Umweltschutzbestimmungen seines Vorgängers Barack Obama außer Kraft. Wir befinden uns an einem kritischen Punkt.

Jetzt entscheidet sich, ob wir die Kurve kriegen und die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels verhindern oder ob die Regierungen uns in ein unaufhaltsames Klimachaos rutschen lassen.

Die Lage könnte kaum dringlicher sein. Im Jahr 2017 reißen die Temperaturrekorde nicht ab: In Australien litten die Menschen in vielen Bundesstaaten unter einer anhaltenden, starken Hitzewelle.

In Afrika setzt sich die extreme Hitze des Jahres 2016 auch in diesem Jahr fort. Weite Teile Ostafrikas leiden unter einer starken Dürre, die eine schwerwiegende Nahrungsmittelknappheit zur Folge hat. Besonders bedrohlich ist die Lage in Kenia, Äthiopien und Somalia, wo laut Schätzungen rund zwölf Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen sind.

85.000 Tote durch Extremwetter in Europa

Peru erlebte die heftigsten Regenfälle seit Jahrzehnten, die Überschwemmungen und Erdrutsche auslösten. Mindestens 78 Menschen starben, rund 70.000 Einwohner wurden obdachlos und im Land wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. In ihrer Häufung sind das typische Anzeichen eines sich gefährlich erwärmenden Klimas.

Solche Extremwetterereignisse werden immer stärker und häufiger auftreten. Die Anzahl von Flutkatastrophen in Europa hat sich in den letzten 35 Jahren verdoppelt. Hitzewellen, Hochwasser und Stürme haben in den vergangenen drei Jahrzehnten 85.000 Menschen in Europa getötet. Deshalb dürfen wir nicht zulassen, dass die fossile Industrie Kohle, Öl und Gas unbehelligt weiter verbrennt.

Wir haben gesehen, dass die Divestment-Bewegung dem Klimaschutz enormen Aufwind verschaffen kann, indem sie die Industrie an den Pranger stellt, die seit Jahrzehnten einen effektiven Klimaschutz blockiert und Hauptverursacher des Klimawandels ist: die Kohle-, Öl- und Gasindustrie.

Investitionen in die fossile Industrie sind Investitionen in Klimachaos. Indem die Divestment-Bewegung von unseren Unis, Städten, Kirchen, Museen und Pensionsfonds fordert, ihre finanziellen Verbindungen zu der Branche zu kappen, schwächt sie zunehmend die öffentliche Akzeptanz für einen Sektor, dessen Geschäftsmodell in eine Zerstörung von planetarischen Ausmaßen führt.

Über 700 Institutionen in 76 Ländern, die für ein Vermögen von 5,5 Billionen US-Dollar stehen, haben bereits von Investitionen in fossile Energien Abstand genommen.

Wir können es uns nicht leisten darauf zu hoffen, dass unsere Regierungen das Richtige tun. Deshalb wollen wir im kommenden Mai mit der "Global Divestment Mobilisation" zeigen, wo es langgeht: Es ist an der Zeit, die Ära der fossilen Energien zu beenden – nur so können wir die Klimakrise lösen.

Aktionen auf sechs Kontinenten

Divestment ist ein Gegengewicht zu den Trumps dieser Welt und gibt uns eine konkrete Möglichkeit, überall direkt vor Ort den Klimaschutz voranzutreiben. Bei der Global Divestment Mobilisation kann jeder Teil einer Bewegung sein, die eine gerechtere Welt aufbaut – abseits der politischen Prozesse, die von der Industrie vereinnahmt und korrumpiert sind.

In drei Wochen ist es so weit. Die Kampagne beginnt Anfang Mai. Schon jetzt sind fast 150 Aktionen auf sechs Kontinenten geplant.

In Deutschland wollen lokale Gruppen beispielsweise mit einer Demo in München die schmutzigen Investitionen des Erzbistums München-Freising in die Öffentlichkeit bringen. In Freiburg ist über eine Woche lang ein Programm mit Workshops, Filmvorführungen und direkten Aktionen an der Uni geplant. In Nordrhein-Westfalen werden die lokalen Gruppen vor Ort aktiv, um den Druck auf Städte wie Essen, Dortmund und Bochum zu erhöhen, sich aus der Verbandelung mit RWE zu lösen.

Zum Glück lässt der rasante Aufschwung erneuerbarer Energien die fossile Industrie bereits straucheln. Investitionen in erneuerbare Energieträger boomen.

Unser Ziel ist, mit dem Divestment zu einem Wandel für eine gerechtere Welt beizutragen. Der Energiesektor darf nicht in der Hand einiger Großkonzerne liegen, er sollte von der lokalen Bevölkerung kontrolliert werden.

Menschen in Kohleregionen unterstützen

Menschen, die heute noch im fossilen Sektor arbeiten, müssen während dieses unumkehrbaren Umbaus unterstützt werden. Nicht die Menschen dürfen die Kosten tragen, sondern es müssen die Konzerne, die den Klimawandel geleugnet und den Klimaschutz verzögert und blockiert haben, zur Rechenschaft gezogen werden.

Im Mai schließen sich lokale Gruppen auf der ganzen Welt zusammen, um ihre Divestment-Kampagnen gemeinsam auszuweiten. Es ist an der Zeit, dass unsere Institutionen das moralisch Richtige tun und kein Geld mehr in Klimachaos fließen lassen.

BildTagebau Garzweiler: Noch bis 2045 will RWE hier im Rheinland Braunkohle abbaggern und in seinen Kraftwerken Neurath und Frimmersdorf verheizen. (Foto: Bert Kaufmann/​Flickr; Porträtfoto Hoda Baraka: 350.org)

Hoda Baraka ist Pressechefin bei der weltweiten Klimaschutzorganisation 350.org. Die von 350.org organisierte Global Divestment Mobilisation läuft vom 5. bis zum 13. Mai

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