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EEG – kosteneffizient wie lange nicht

Die EEG-Umlage und die tatsächlichen Kosten bei neuen EEG-Anlagen entwickeln sich komplett entgegengesetzt. Wer die Kosteneffizienz des Ökostrom-Ausbaus beurteilen will, darf deshalb die EEG-Umlage nicht zu Rate ziehen.

Ein Standpunkt von Uwe Nestle

BildEs schien so, als hätte sich Energieminister Sigmar Gabriel bei den Kosten der Energiewende entspannen können. Denn seit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) von 2014 ist die EEG-Umlage kaum gestiegen. So stellte Gabriel vor drei Jahren fest: "Der erstmalige Rückgang der EEG-Umlage zeigt, dass wir beim EEG die Kostendynamik der vergangenen Jahre erfolgreich durchbrochen haben."

Ein Jahr später, die EEG-Umlage stieg 2015 nur sehr moderat, stellte er fest, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher nun abermals von der EEG-Reform des letzten Jahres profitierten. Nun aber steigt die Umlage im kommenden Jahr wieder spürbar an. Hat das EEG 2014 also die Kostendynamik doch nicht durchbrochen? Waren die strikte Begrenzung des Ökostromausbaus und die Umstellung auf ein Ausschreibungssystem aus Kostensicht richtig?

Das Wichtigste für die jetzt wieder auflebende Diskussion um die Kosten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ist: Die EEG-Umlage eignet sich in keiner Weise für die Beurteilung der Kosteneffizienz des Ökostromausbaus. Besonders deutlich ist dies zwischen 2010 und 2014 zu erkennen. Damals explodierte die EEG-Umlage von rund zwei auf gut sechs Cent je Kilowattstunde. Diese Verdreifachung hat die Politik nervös gemacht. Sie beschloss in den Koalitionsverhandlungen Ende 2013, den Ökostromausbau pauschal zu begrenzen – nachdem bis dahin bei jeder EEG-Novelle Mindestausbauziele festgelegt wurden.

Weder Politiker noch Medien oder die Allgemeinheit kannten aber damals die Kostenentwicklung neuer EEG-Anlagen. Diese war der Entwicklung der EEG-Umlage komplett entgegengesetzt. Während die durchschnittliche Vergütung neuer EEG-Anlagen im Jahr 2010 noch bei über 25 Cent je Kilowattstunde lag, sank sie bis 2013 um mehr als die Hälfte auf nur noch knapp über zwölf Cent je Kilowattstunde.

Das EEG war also in der Zeit, als die Abkehr vom alten EEG beschlossen wurde, bereits ausgesprochen kosteneffizient. Auch wenn Entwicklung und Höhe der EEG-Umlage einen völlig anderen Eindruck erweckten.

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Bis 2011 stieg die Solarstromerzeugung jedes Jahr an – bei zugleich noch sehr hohen Vergütungen, was die Kosten nach oben trieb. Seit 2013 ist der Anteil des Billigmachers Land-Windenergie – mit Ausnahme von 2015 – sehr hoch, weswegen diese Jahrgänge sehr kosteneffizient waren. (Grafik: EnKliP)

Und wie ist es jetzt, wo die EEG-Umlage wieder spürbar steigt? Blieb das EEG, nachdem es bereits in den Jahren 2013 und 2014 sehr niedrige Durchschnittsvergütungen für neue EEG-Anlagen aufwies, auch nach der Novelle von 2014 kosteneffizient?

Nicht immer. Im Jahr 2015 gingen sehr viele Offshore-Windenergieanlagen ans Netz, die rund die Hälfte des gesamten Ökostroms dieses EEG-Jahrgangs erzeugen. Offshore-Windenergie ist aber noch relativ teuer. Entsprechend liegt die Durchschnittsvergütung der 2015er Anlagen – die EEG-Jahrgangsvergütung – wieder deutlich über zwölf Cent je Kilowattstunde. Dies ist übrigens das einzige bekannte offizielle Kostenziel der Bundesregierung für die letzten beiden EEG-Novellen.

Die Ökostromanlagen, die in diesem und im nächsten Jahr absehbar neu ans Netz gehen, sind allerdings im Durchschnitt wieder deutlich günstiger. Denn der starke Offshore-Ausbau 2015 war ein Peak, der sich nicht so schnell wiederholen kann – es sei denn, gerade hier würde der Ausbaudeckel angehoben. Und vom Billigmacher Windenergie an Land wird nach wie vor viel ausgebaut. Das drückt die Durchschnittsvergütungen und ist notwendig, um das Zwölf-Cent-Ziel der Bundesregierung zu erreichen.

Teurere Photovoltaik wurde zu lange zu stark gefördert

Was das EEG kosteneffizient macht, erkennt man also, wenn man den Blick auf die Durchschnittsvergütungen neuer Anlagen lenkt – statt auf die EEG-Umlage. So sind in den Jahren 2008 bis 2011 sehr viele der damals noch sehr teuren Photovoltaikanlagen ans Netz gegangen. Bei diesen EEG-Jahrgängen liefern sie rund die Hälfte des gesamten EEG-Stroms – und treiben die Kosten massiv nach oben.

Mit einem Kostenindikator wie den EEG-Jahrgangsvergütungen hätte man schon ab 2004 deutlich gesehen, dass die Entwicklung in die falsche, zu teure Richtung geht. Die Politik hätte früher, besonnener und sachorientierter reagieren können. Daran wird deutlich, wie wichtig es ist, einen geeigneten Kostenindikator zu haben. Es wäre an der Zeit, dass die Regierung ihn offiziell vorlegt.

Was kann die Politik darüber hinaus tun?

Erstens führt der Weg zu einer stabilen EEG-Umlage über die Bestandsanlagen und die Kosten, die für sie umgelegt werden müssen. Diese sinken für die nicht begünstigten Verbraucher, wenn sie auf mehr Schultern verteilt werden. Das bedeutet, dass sich die mit derzeit gut sieben Milliarden Euro pro Jahr begünstigte Industrie schrittweise stärker an den Kosten des ökologischen Umbaus der Stromversorgung beteiligen sollte. Gäbe es diese Begünstigung nicht, läge die EEG-Umlage heute um 1,4 Cent je Kilowattstunde niedriger.

Eine Senkung der EEG-Umlage könnte ferner über einen höheren Großhandelsstrompreis erreicht werden. Dieser ist an der Strombörse EEX innerhalb eines Jahres um knapp 0,5 Cent je Kilowattstunde gefallen, was die EEG-Umlage um gut 0,2 Cent je Kilowattstunde nach oben treibt. Allerdings würden die Verbraucher davon nicht profitieren – es würde nur besser aussehen. Denn der höhere Großhandelspreis würde sich mittel- bis langfristig stärker auf die Endkundenpreise auswirken als eine sinkende EEG-Umlage.

Zweitens – und entscheidend – wird der künftige Ökostromausbau kosteneffizient, wenn ein bezüglich der Kosten ineffizienter Technologiemix ausgeschlossen wird. Die Zurückhaltung beim Ausbau der heute noch relativ teuren Technologien wie speziell Biogas und Offshore-Windkraft ist also volkswirtschaftlich vernünftig.

Ein Ausbremsen der Windenergie an Land und der inzwischen günstigen Photovoltaik ist dagegen weder volkswirtschaftlich noch aus Sicht der Verbraucher sinnvoll – auch wenn manche das genaue Gegenteil behaupten. So tragen beispielsweise 3.000 Megawatt Windenergie an Land mit nur 0,1 Cent je Kilowattstunde kaum zur Steigerung der EEG-Umlage bei. Und mit gut acht Cent je Kilowattstunde sind ihre EEG-Vergütungen niedriger als die Stromgestehungskosten neuer Erdgaskraftwerke.

BildDer starke Offshore-Ausbau gerade im Jahr 2015 hat die Energiewende zeitweise verteuert. (Foto: EnBW)

Der Diplomingenieur Uwe Nestle leitet die Politikberatung für Energie- und Klimapolitik Enklip in Kiel. Zwischen 2001 und 2010 war er im Bundesumweltministerium für energiepolitische Fragen zuständig

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