Ruht der Wind sich jemals aus?
Warum sind die Wolken flauschig? Wieso ist die Erde nicht tiefgefroren? Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf präsentiert Wetter und Klima als Abenteuer für Kinder.
Eine Rezension von Toralf Staud
Die Sache mit dem Treibhauseffekt ist ja offenbar ziemlich kompliziert. Zwar kennen die Klimaforscher ihn seit bald 200 Jahren, und schon jahrzehntelang warnen sie, dass er sich gefährlich verstärke. Doch die Politik scheitert auf einem Klimagipfel nach dem anderen. Der Öffentlichkeit leuchtet die Dringlichkeit der Sache nicht recht ein. Und Heerscharen sogenannter Klima“skeptiker“ wollen das ganze Problem nicht verstehen.

Das Buch ist äußerst liebevoll illustriert von Klaus Ensikat (Foto: DVA)
Stefan Rahmstorf kann den Treibhauseffekt ziemlich einfach erklären: „Stellen wir uns vor, wir sind auf einem Fußballplatz, wo ständig Fußbälle vom Himmel fallen – das sind die Sonnenstrahlen. Die Fußbälle müssen wir in den Himmel zurückkicken, um sie wieder loszuwerden. Aber das gelingt oft nicht: Ein großer Teil fällt auf den Platz zurück, und es werden immer mehr.“ Beim Treibhauseffekt kommen keine Fußbälle, sondern Sonnenstrahlen zurück zur Erde – und dass es nicht lange gut gehen kann, wenn mehr und mehr Bälle liegenbleiben, und dass man wirklich etwas dagegen unternehmen sollte, leuchtet sofort ein. Nicht nur jedem Kind.
Blitze zucken, Donner krachen
Rahmstorf, 52, ist Professor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Weltweit zählt er zu den renommiertesten Klima-Ozeanologen. Er publiziert in den führenden Wissenschaftsjournalen, hat eine Handvoll Sachbücher geschrieben – und nun in der Reihe Die Kinder-Uni der Deutschen Verlagsanstalt ein Buch über „alles, was man über Wetter und Klima wissen muss“. Um den Klimawandel geht es eigentlich erst auf den letzten fünfzig Seiten, und das ist auch gut so. Auf den 150 Seiten davor schickt Rahmstorf, der selbst zwei Kinder hat, die Leserinnen und Leser auf eine packende Reise durch Jahrmillionen der Erdgeschichte und die Wettermaschinerie unseres Planeten.
Da zucken Blitze und krachen Donner, honigmelonengroße Hagelkörner fliegen einem um die Ohren. Man kreuzt die Tornadostraße, die sich von Texas bis Minnesota zieht. Stürzt mit dem verunglückten Kampfpiloten William Rankin atemberaubende 40 Minuten lang am Fallschirm durch Unwetterwolken. Rahmstorf schreibt kindgerecht, ohne sich anzubiedern. Er stellt staunende Fragen: Wie viel Regen fällt auf der ganzen Welt? Ruht der Wind sich jemals aus? Er streut Experimente ein, erklärt etwa, wie man ein Thermometer bastelt. Und wählt anschauliche Beispiele aus der kindlichen Erfahrungswelt: Den ersten Hauptsatz der Thermodynamik erklärt Rahmstorf an einem Gameboy – der Strom aus den Batterien verschwinde nicht einfach, sondern verwandle sich in das Licht auf dem Display oder die Wärme des Geräts. Anhand einer Taschenlampe und eines Blattes Papier erläutert er, warum es am Nordpol so kalt ist. Auch erwachsene Leser kommen dabei immer wieder ins Staunen. Illustriert ist das Ganze äußerst liebevoll von Klaus Ensikat.
Ein großes Plus: Das Buch macht keine Angst
Wie auch auf seinem Internet-Blog KlimaLounge zerpflückt Rahmstorf in dem Buch die Scheinargumente von Klima“skeptikern“ – aber hier hätten ein paar mehr Worte vielleicht genützt. So ist seine beiläufige Aussage, das Meereis der Antarktis zeige „keine auffällige Veränderung“, etwas angreifbar. Präziser wäre gewesen, dass es zwar leicht zunimmt, was aber physikalisch erklärbar ist und die Erderwärmung keineswegs infrage stellt.
Ein großes Plus ist, dass Rahmstorfs Buch keine Angst verbreitet. Denn immer neue Alarmrufe der Klimaforscher – so zutreffend sie auch sein mögen – lähmen das Publikum inzwischen eher, als dass sie aufrütteln. Doch wie so viele Klimabücher endet auch dieses etwas trivial mit Öko-Tipps. Die sind nicht verkehrt – aber stromsparende Kinder werden den Klimawandel nicht stoppen, dafür braucht es politische Beschlüsse. Etwa den, nicht noch mehr neue Kohlekraftwerke zu bauen. Aber das wäre ja auch kein mutmachender Schluss für ein Kinderbuch gewesen …
Stefan Rahmstorf:
Wolken, Wind & Wetter.
Alles, was man
über Wetter und Klima wissen muss. Die Kinder-Uni.
DVA 2011.
19,99 Euro
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 19 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13
Facebook Empfehlungen
klimaretter.info auf Twitter
klimaretter.info Newsfeed





Menschen zuerst, dann die Finanzen! Unter diesem Motto protestierten tausende Globalisierungskritiker in Nizza gegen den G20-Gipfel. Statt sich mit drängenden Fragen der Menschheit wie dem Klimawandel oder dem Welthunger zu befassen, kümmern sich die Regierungschefs lieber um die Rettung von Banken und schachern um neue Milliardenkredite, so die Kritik der Gipfelgegner.
Ein grüner Europa-Abgeordneter arbeitet an einem Gesetzentwurf zum Abschalten sämtlicher AKWs Europas. Seine Praktikantin liegt tot in der "Ständigen Vertretung". Und Brandt, der Journalist, kann einfach sein Bier nicht in Ruhe trinken. Denn in "Tödliche Energie", einem Thriller von Jan Bergrath, bleibt dafür einfach keine Zeit.
Wenn auf der diesjährigen Weltklimakonferenz im südafrikanischen Durban Anfang Dezember keine zweite
Verpflichtungsperiode oder eine andere Vertragsregelung gefunden wird, wird der internationale Klimaschutz auf den Stand von 1997 zurückgeworfen. In einer Serie beleuchtet klimaretter.info, was dies bedeutet. Teil 1 unseres Durban-Countdown: Der Stand der Wissenschaft, erläutert vom Potsdamer Klimaforscher Prof. Stefan Rahmstorf.
Die Weltmeterologieorganisation legt ihren jährlichen Bericht zum Klimawandel vor - 2010 war das wärmste Jahr überhaupt
Alle starren auf das Wirtschaftswachstum. Doch das Bruttoinlandsprodukt taugt nicht als Maßstab für den Wohlstand. Die Wissenschaftler Hans Diefenbacher und Roland Zieschank zeigen in ihrem Buch "Woran sich Wohlstand wirklich messen lässt" eine interessante Alternative auf.
Mit 4,24 Millionen Quadratkilometern hat die arktische Eisfläche eine noch geringere Ausdehnung als im bisherigen schlimmsten Jahr 2007. Damit geht das Eis fast doppelt so schnell zurück wie vom Weltklimarat IPCC prognostiziert. Das hat auch Auswirkungen auf unsere Winter, die immer kälter werden.
Deutscher Wetterdienst bietet interaktive Klimasimulation für jedermann
Seit über 30 Jahren gab es in Japan keine solchen Demonstrationen: Die Reaktorkatastrophe von Fukushima hat auch das politische Bewusstsein der Bevölkerung geändert. Der Dokumentarfilm "Radioactivists" versucht die neue Anti-AKW-Bewegung zu verstehen.
In Bonn wird auf der UN-Frühjahrstagung gerade wieder über das Klima verhandelt. Ein umweltverträglicher Kapitalismus ist jedoch nicht abzusehen. Aber auch die Kritiker tun sich schwer - ihnen fehlen die Alternativen.
Nepalesische Forscher weisen schnelle Eisschmelze nach und appellieren an die Klimakonferenz in Durban
Die politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit "Klimaskeptikern" oder "Klimawandelleugnern" muss von den entsprechenden Akteuren aufgegriffen werden: Frei nach dem Informanten Deep Throat im Film über den Watergate-Skandal: "Follow the money!
Noch 10 Tage bis zum Weltklimagipfel: Dieses Jahr könnte als das wärmste seit Beginn der Temperaturaufzeichnung in die Menschheitsgeschichte eingehen.
Teil 3 unseres Cancún-Specials: Der Stand der Wissenschaft.
Klimawissenschaftler des britischen Met Office reagieren auf Kritik und veröffentlichen Rohdaten im Netz, die die Grundlage ihrer Analysen zur Erderwärmung darstellen.
"Climate Change for Football Fans" - James Atkins hat in seinem neuen Buch den Klimawandel auf 'Normalvolk' herunter gebrochen. Er reduziert die Erderwärmung auf Fußball, Bier und zu große Brüste in zu engen T-Shirts.
Daisy und Xynthia lassen grüßen: Fachleute aus 21 Ländern diskutieren in Bonn über gesundheitliche Folgen von Stürmen, Überschwemmungen und Hitzewellen



