Festival der "Über Lebenskunst"
"Askese ist ein schlechter Ratgeber", so die Macher von Über Lebenskunst, einem groß angelegten Projekt im Haus der Kulturen der Welt: Die "Initiative für Kultur und Nachhaltigkeit" will Wege aufzeigen, die auch ohne den Klimawandel ankommen würden.
Eine Vorschau von Sarah Messina
"40 Jahre Katastrophenkommunikation haben gezeigt, dass der Konjunktiv des Könnte-Sollte-Müsste nicht funktioniert", sagt Harald Welzer. Der Soziologe vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen ist einer der "Teilnehmer" des Experiments "Über Lebenskunst", einem Projekt der Kulturstiftung des Bundes und dem Haus der Kulturen der Welt. Mit Performances, bildender Kunst, Musik, Literatur und Theater wollen Künstler und Kulturschaffende der Initiative 2011 das "gute Leben" in der globalen ökologischen Krise ausmachen.

Auch von der Kulturstiftung des Bundes gefördert: Die Ausstellung "Zur Nachahmung empfohlen". (Foto: Marcus Lieberenz / http://bildbuehne.de)
Auch die Kunst komme "angesichts drastischer Klimaveränderungen" nicht mehr am Thema vorbei, meint Hortensia Völckers, künstlerische Direktorin der Kulturstiftung. Dennoch herrsche in Sachen Klimawandel oft noch "eine große Ratlosigkeit". Zwar gebe es immer wieder Projekte wie die Ausstellungskonzepte der Klimakapseln in Hamburg oder der Examples to follow in den Berliner Uferhallen. "Insgesamt wird der künstlerische Umgang mit dem Klima jedoch sehr kleinteilig vor Ort umgesetzt", sagt Völckers.
Initiativen, Projekte und ein "Festival Über Lebenskunst"
"Über Lebenskunst" will als "Initiative für Kultur und Nachhaltigkeit" einen umfassenderen, neuen Zugang zu den "tiefgreifenden Veränderungen des Planeten" finden und hatte im vergangenen Jahr unter anderem dazu aufgerufen, Konzepte neuer Allianzen von Kunst, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft im kulturellen Wandel einzureichen: Vom "Energy Streetfight" über Sonnenspiegel für Berlin bis zum "wuchernden, produktiven Grün": Aus mehr als 800 Bewerbungen wurden 14 Projekte ausgewählt, die sich in den Themenbereichen Ernährung, Mobilität, Ressourcenverbrauch und Wissensvermittlung bewegen.
2011 werden ihre Arbeiten an verschiedenen Orten Berlins gezeigt - ergänzt durch ein Schul- und Bildungsprogramm, Projekte wie der "Vorratskammer" und "Mein Lieblingsteil" rund um Nahrungsumbau und Kreislaufsysteme, Beispiele für "Nutzungsinnovationen" städtischer Mobilität, ökologische WortWelten, Konzerte oder den "Über Lebenskunst Klub". Vom 17. bis 21. August sollen die Zeichen dann als Krönung vier Tage und vier Nächte lang auf "Über Lebenskunst" gestellt werden: In einem Festival stehen Installationen, Perfomances, Filme und Diskussionen zum "guten Leben" im Vordergrund.
"Mit dem Programm wollen wir einen Bewusstseinswandel einleiten", sagt der Intendant des Haus der Kulturen der Welt Bernd Scherer, vor allem soll der Besucher zum Akteur seiner eigenen "Über Lebenskunst" werden. "Askese ist dabei ein ganz schlechter Ratgeber", sagt Gerhard de Haan von der FU Berlin, der seit 2004 dem deutschen Nationalkomitee der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung vorsitzt. Erfolgversprechender als der mahnende Zeigefinger und der Appell an die Vernunft seien "Spaß, Emotionen und Aha-Erlebnisse".
"Wir müssen weg von der Negativkommunikation", sagt auch Soziologe Welzer. Ausgerechnet in den Ländern, die über das meiste Wissen über den Klimawandel verfügen, seien in den vergangenen Jahrzehnten etwa die Kohlendioxid-Emissionen besonders drastisch in die Höhe geschnellt. Kunst, so die Idee des Projekts, könne als Alternative eine andere Sprache bieten, "und in einer neuen kulturellen Praxis Wege aufzeigen, die auch ohne den Klimawandel in der Gesellschaft ankommen würden".
Mehr zur "Über Lebenskunst" und ihrem Programm für das Jahr 2011 hier
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