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Von der Uranmine zum Sanierungsgebiet

Vor 20 Jahren wurde auch in Deutschland noch Uran abgebaut, inzwischen wurde die "Drecksarbeit" jedoch nach Kanada, Australien und Afrika ausgelagert. Der Dokumentarfilmer Joachim Tschirner hat sich für "Yellow Cake" auf die Reise begeben. Am heutigen Montag feiert der Film Premiere in Berlin. 

Eine Rezension von Felix Werdermann

Auf dem Kopf einen Helm, vor dem Mund ein Funkgerät. Der dunkelhäutige Arbeiter gibt das Signal: "Drei, zwei, eins – Feuer!" Danach gehen innerhalb weniger Sekunden mehrere Sprengköpfe hoch, riesige Mengen an Staub werden aufgewirbelt. Es ist aber kein Staub wie jeder andere. Er ist radioaktiv.


Am 13. Dezember ist Premiere in Berlin, ab 16. Dezember läuft der Film in ausgewählten Kinos. (Foto: Promo)

Es ist eine Szene aus der Rössing-Mine in Namibia. Hier wird Uran gewonnen – das ist der Brennstoff, der zum Betrieb von Atomreaktoren benötigt wird. Doch in der Erde ist der Urananteil sehr gering. Aus 1.000 Kilogramm Gestein wird durchschnittlich 265 Gramm Uran gewonnen. Der Rest bleibt als Schutt zurück und gefährdet die Umwelt.

Der Geschäftsführer der Rössing-Mine hingegen schwärmt vom Wirtschaftswachstum und den Arbeitsplätzen, die mit dem weltweit größten Urantagebau geschaffen werden. Tatsächlich sind die Angestellten zufrieden mit ihrem gut bezahlten Job. Angst vor gesundheitlichen Folgen haben hier nur wenige. Eine Arbeiterin erzählt, ihr Freund fürchte um sie – wegen der Explosionen, da könne immer etwas schiefgehen.


Zwei Arbeiterinnen der Rössing-Mine in Namibia: Sie transportieren auf Riesen-Trucks den radioaktiven Schutt. (Foto: Promo)

Die größere Gefahr aber lauert im Unbekannten: Viele Krankheiten wie Lungenkrebs treten erst Jahre später auf. In Deutschland weiß man inzwischen um dieses Problem. Denn zu Zeiten der DDR wurde in Sachsen und Thüringen ebenfalls der Atombrennstoff gefördert – auch dort waren sich die meisten jungen Männer der Gesundheitsrisiken nicht bewusst. Die traurige Bilanz: Über 7.000 Todesfälle lassen sich darauf zurückführen, und das ist nur die offizielle Zahl. Bis heute kämpfen ehemalige Minenarbeiter darum, dass ihre Leiden als Berufskrankheit anerkannt werden.

Deutschland importiert sein Uran mittlerweile lieber

Die Standorte des Bergbauunternehmens Wismut sind mittlerweile Sanierungsfälle. Der deutsche Staat gibt Millionen an Steuergeldern dafür aus, damit der Schutt und die Schlämme möglichst gut von der Umwelt abgeschirmt werden. Gleichzeitig wird für die deutschen Atomkraftwerke Uran aus der ganzen Welt importiert – wie es dort aussieht, dafür interessiert sich in Deutschland fast niemand. Außer vielleicht Dokumentarfilmer Joachim Tschirner. Für viele Uranminen hat er allerdings keine Drehgenehmigung erhalten.


Mitten in der Wüste Namib lagern die radioaktiven Abfälle, die beim Uranabbau zurückbleiben. (Foto: Promo)

Sein Film zeigt nicht nur den Widerspruch zwischen den dramatischen Folgen in Deutschland und der Leichtfertigkeit, mit denen in anderen Ländern weiter Uran abgebaut wird. Auch der Widerstand wird gezeigt, zum Beispiel in Australien: Die Szenen ähneln den Protesten gegen die Castor-Transporte. Menschen blockieren eine Straße, werden von der Polizei weggetragen. Doch im Hintergrund weht nicht die Fahne mit der roten Anti-Atomkraft-Sonne, sondern mit der Aufschrift "Stop Jabiluka". Die Jabiluka-Mine steht für erfolgreichen Protest, inzwischen ist sie geschlossen.

Der große Verdienst dieses Filmes ist es, ein verdrängtes Thema ans Tageslicht zu zerren. Die Botschaft: Was wir in Deutschland glücklicherweise hinter uns gelassen haben, sollten wir nicht in anderen Ländern durch die Laufzeitverlängerungen fördern. Vielleicht sollten Bundestags- und Bundesratspolitiker auch mal wieder ins Kino gehen.

Yellow Cake. Die Lüge von der sauberen Energie. 108 Minuten. Ab 16. Dezember im Kino. www.yellowcake-derfilm.de

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