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Wie aus Dreck Gold wird

Wer viel Kohlendioxid produziert, kann damit viel Geld verdienen. Klimafreundliche Techniken wie Solaranlagen oder Windräder gehen dagegen leer aus. Geo, das Hochglanz-Magazin für "spektakuläre Reise- und Expeditionsberichte rund um den Globus", hat sich auf die Spur des Emissionshandels gemacht.

Eine Rezension von Nick Reimer

Geo, das Hochglanz-Magazin für "spektakuläre Reise- und Expeditionsberichte rund um den Globus" (Eigenwerbung) kann auch anders. "Ein Planet wird verheizt", ist die Dezemberausgabe betitelt, und in der Unterzeile heißt es "CO2- das neue Gold. Wer profitiert von der Klimakrise?"

RWE, so ist das Ergebnis der Recherche. Ausgerechnet Europas größter Klimasünder RWE profitiert am meisten vom weltweiten Geschäft mit dem Clean Development Mechanism. Dank des Emissionshandels scheffelt RWE Millionen, die bislang gar nicht im Wirtschaftskreislauf denkbar waren. Es zahlt: natürlich der Kunde, also wir.

Ein Fehler im System? Nein: Denn die Recherche von Geo belegt, je größer ein Klimasünder ist, desto besser sind seine Chancen mit den Mechanismen des Kyoto-Protokoll Geld zu verdienen. China, der weltgrößte Emitent, darf also eigentlich gar kein Interesse daran haben, weniger Kohlendioxid zu produzieren.

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Das ist Hans-Joachim Wille vor seinem Aquarium. Guckt man aus dem Fenster, sieht man die Rauchschwaden des Braunkohle-Kraftwerks Bergheim-Rheidt. (Foto: Andreas Teichmann/laif/GEO)

"Die Luftnummer" - so ist der Beitrag ab Seite 128 des Dezemberheftes überschrieben -  erzählt, wie aus Dreck Gold wird. Erzählt wird aus der Perspektive von Hans-Joachim Wille, der an seinem Fenster ein Aquarium aufgestellt hat. Guckt Hans-Joachim Wille aus dem Fenster, sieht er das RWE-Kraftwerk Bergheim-Rheidt, dass den Strom für sein Aquarium produziert. Weil RWE in Bergheim-Rheidt aber Braunkohle - der klimaschädlcihste Brennstoff überhaupt - verbrennt, muss der Konzern dafür jede Menge Verschmutzungsrechte kaufen, die so genannten Emissionszertifikate. 

Dank des Kyoto-Protokolls kann RWE sich diese auf der ganzen Welt kaufen. Zum Beispiel in Sambia: Dort hat RWE 30.000 Energiesparkocher verteilt, die bloß noch 20 Prozent so viel Holz für die gleiche Heizmenge benötigen, als zuvor. Das so eingesparte Kohlendioxid darf RWE in Bergheim-Rheidt sich anrechnen lassen.

Kontrolliert wird das vom "Exekutivrat" des UN-Klimasekretariates - also sozusagen von der Weltregierung des Emissionshandels.Und die hat angeordnet: Jeder dieser Energiesparkocher muss per GPS zu orten sein. 140 Kontrolleure überprüfen, ob die Kocher auch sachgerecht eingesetzt werden. Und das Holz muss auf neu geschaffenen Plantagen in Sambia angebaut werden. Schließlich soll der Regenwald verschont bleiben.

Weiß Hans-Joachim Wille, dass er 30.000 Energiesparkocher in Sambia mit finanziert hat? Und: Was ist denn daran so schlecht?

Die Antwort findet sich am Bala-Fluß in der chinesischen Provinz Guizhou. Der Münchner TÜV Süd klassifizierte dort einen Staudamm als klimafreundlich und sozialverträglich. Die GEO-Recherchen vor Ort legen den Verdacht nahe, dass der Betrieb zu keinerlei Treibhausgas-Reduktionen führt. Auch die Einschätzung des TÜV Süd, alle betroffenen Anwohner hätten ihrer Umsiedlung nach dem Bau des Damms zugestimmt, ließ sich nach GEO-Recherchen nicht halten.

Reporter des Magazins trafen Bauern, die berichteten, die Überschwemmung ihres Landes habe zu Armut und Obdachlosigkeit geführt. Sie seien von den Lokalbehörden gezwungen worden, ihrer Umsiedlung zuzustimmen, sagten die Bauern; manche seien gewaltsam aus ihren Häusern vertrieben, andere krankenhausreif geprügelt worden.

Zudem - so die Recherche vor Ort - waren bereits die ersten Fundamente gegossen, als das Projekt beim "Exekutivrat" des UN-Klimasekretariates eingereicht wurde. Die Treibhausgas-Einsparung, die das Wasserkraftwerk gegenüber einem Kohlekraftwerk verzeichnet, sind also nicht "zusätzlich" - eine Grundvoraussetzung, sich ein Projekt über das Klimasekretariat genehmigen zu lassen.

Dennoch darf RWE Zertifikate aus diesem Projekt nutzen, um in Bergheim-Rheidt weiter Braunkohle zu verfeuern. Hans-Joachim Wille hat also auch noch einen Staudamm mitfinanziert. Aber das weiß er leider nicht.

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Auch die Hoffnung, dass der Emissionshandel in Zukunft helfen könnte, die Abholzung derRegenwälder zu stoppen, erweist sich nach dem Bericht in der Dezember-Ausgabe von GEO zumindest in bestimmten Weltgegenden als trügerisch. In Papua-Neuguinea stieß eine Reporterin des Blattes auf weit verbreitete Betrugsabsichten bereits in der Vorbereitung auf den Handel mit Verschmutzungsrechten aus dem Waldschutz. „Himmelsgeld“ wird der Profit aus dem Kohlendioxid- Ablasshandel dort genannt – und ahnungslose Waldbewohner glauben, sie müssten die Asche verbrannter Bäume in der Stadt abliefern, um an das Geld zu kommen.

Das alles ist anschaulich und ohne große Markschreierer aufgeschrieben. Gute Fotos und ein Experteninterview runden das gelungene Heft ab.

"Ein Planet wird verheizt", Geo-Dezemberheft, 6,30 Euro

 

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