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Die Welt steht kurz vor ihrem Untergang. Diese Botschaft vermitteln viele Filme über den Klimawandel. Dabei könnte sie auch heißen: Die Welt steht kurz vor einer Energiewende. Diesen euphorischen Blick in die Zukunft wagt „Energy Autonomy – Die 4. Revolution". Heute kommt der Dokumentarfilm in die Kinos
Aus Berlin FELIX WERDERMANN
Solartechnik ist nichts für Männer. Für die Anlagen zur umweltfreundlichen Stromgewinnung sind die Frauen zuständig. Zumindest in Bangladesh, wo die Grameen Bank bereits die Errichtung von 400.000 Solaranlagen finanziert hat. Installiert werden sie nicht von einem großen Unternehmen, sondern von vielen Privatpersonen und Familien – das Geld haben sie über Mikrokredite erhalten.

Ein positives Szenario für die Energierevolution.
Sie sind auch für die Wartung und Reparatur verantwortlich – zumindest werden die Familienmütter geschult, so dass sie selbst Hand anlegen können, wenn irgendetwas kaputt ist. Denn die Solaranlage gehört zum Haus und damit ins Reich der Frau. Durch die Weiterbildungskurse für Frauen soll sichergestellt werden, dass sich die Familie tatsächlich um die Investition auf dem Dach kümmert.
Mikrokredite für Solaranlagen, das ist eine der zukunftsweisenden Geschäftsideen, die in dem Film "Energy Autonomy – Die 4. Revolution" vorgestellt werden. Hinter diesem Modell steht der Banker Muhammad Yunus, der für die Vergabe von Mikrokrediten weltweit bekannt ist und dafür den Friedensnobelpreis erhalten hat. Er ist nur einer der vielen Protagonisten des Films, die für eine umweltfreundlichere Zukunft stehen. Es sind vor allem Unternehmer, die einen Zukunftsmarkt entdeckt haben.
Veränderungen nur mit Kapital
Der Film berichtet von riesigen Sonnenkraftwerken in Spanien, Nullenergiehäusern und Elektroautos. Ein Erfinder träumt sogar von einem Flugzeug, das mit einer elektrischen Batterie angetrieben wird. Wenn das Kapital nur richtig eingesetzt wird, dann ist die Energiewende kein Problem – das ist die Kernaussage der Dokumentation von Carl Fechner.
Damit hebt sich der Film zunächst von anderen Filmen ab, die den Klimawandel thematisieren: „The day after tomorrow", „Eine unbequeme Wahrheit" oder „The age of stupid" malen Weltuntergangs-Szenarien, „Energy Autonomy" zeigt hingegen Bausteine einer Lösung für die Klimakrise. Nur: Die Auswahl dieser Bausteine ist sehr selektiv. Glaubt man dem Film, so können nur Unternehmer einen Beitrag leisten, die Erderwärmung zu stoppen. Wer nicht über das nötige Kapital verfügt, kann den Kopf gleich in den Sand stecken. Klimaaktivisten, die Kohlekraftwerke blockieren oder einfach nur auf das eigene Auto verzichten, kommen in dem Film nicht vor.
IEA-Chefökonom gegen SPD-Politiker
Auch politische Maßnahmen sind allenfalls ein Randthema – welche Rahmenbedingungen notwendig sind, um die Energieversorgung umzubauen, wird nicht diskutiert. Immerhin werden den Pseudo-Lösungen Kohlendioxidabscheidung (CCS) und Atomenergie jeweils ein Kapitel eingeräumt. Dabei muss Fatih Birol, Chefökonom der Internationalen Energieagentur, den Buhmann abgeben. Er hält eine Energieproduktion komplett aus regenerativen Quellen für „nicht sehr realistisch" - zumindest in absehbarer Zeit. In China würden alle ein bis zwei Wochen ein neues Kohlekraftwerk gebaut. Warum also auf CCS verzichten?

Der Protagonist Hermann Scheer.
Auseinandergenommen wird die Argumentation dann von SPD-Energieexperte Hermann Scheer. Er kommt immer wieder zu Wort, und das nicht ohne Grund: Der Film basiert auf seinem Buch „Energieautonomie". Nur das Wüstenstromprojekt Desertec wird in dem Film kein einziges Mal genannt. Eine Debatte um den richtigen Weg zu 100 Prozent Erneuerbaren weicht somit den Lobeshymnen auf die regenerativen Quellen. Vielleicht ist das aber auch nur eine diplomatische Lösung. Schließlich ist Scheer bekannt für seine Ablehnung gegenüber Desertec, dem geplanten Großprojekt in Nordafrika.
Mehr Informationen zum Film: www.energyautonomy.org
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