Energiewende mit Putin
DER KOMMENTAR:
Joachim Wille, Redakteur bei klimaretter.info, über das Angebot des russischen Gasmonopolisten Gazprom, in Deutschland 15 Gas-Großkraftwerke zu bauen.
Moskau ist scharf auf die deutsche Energiewende. Kaum zu glauben? Ist aber so. Bisher trat Russland nicht als aktiver Klimaschutz-Staat in Erscheinung. Die Treibhausgas-Emissionen sind seit 1990 zwar um ein Viertel gesunken, aber nicht dank Energieeinsparung oder eines Pushs für die Ökoenergien, sondern weil die marode, schmutzige Sowjet-Industrie nach dem Exitus des Ostblocks in großen Teilen zusammenbrach. Doch nun plant Moskau die hiesige Energiewende zu befeuern – mit Gas und Gaskraftwerken, die es zusammen mit deutschen Partnerunternehmen bauen will.
Die Russen würden zehn bis 15 Gas-Großkraftwerke finanzieren, verkündete jetzt Energieminister Sergej Schamtko, und wollen dafür einen "Energiepakt" mit Berlin schließen. Moskau hat Deutschlands Kraftwerkspark nach dem Atomausstieg analysiert, mit dem auf einen Schlag rund zehn Gigawatt Leistung stillgelegt wurden – und will nun in die Lücke hineinstoßen. Gas statt Atom. So lautet die einfach Formel, die dem rohstoffreichen Putin-Land langfristig gewinnbringende Geschäfte in Deutschland verspricht, weil es nicht mehr nur Gaslieferant, sondern aktiver Player im Energieproduktionsmarkt wäre.

Der deutsche Markt ist für Russland äußerst attraktiv - Putin möchte die deutsche Energiewende auf seine Weise gestalten. (Foto: www.kremlin.ru)
Nur, die Sache hat mehrere Haken. Zwar ist es richtig, dass - das vergleichsweise CO2-arme - Erdgas die Brücke auf dem Weg bis zur 100-Prozent-Versorgung mit erneuerbaren Energien bilden muss. Doch eben nicht, indem nur die klassischen großen Kraftwerksblöcke in die Landschaft (und ins Stromnetz) gesetzt werden. Die Ergänzung sollte von einem möglichst dezentralen Kraftwerkspark kommen mit - wo immer möglich - einer Nutzung der Abwärme in Industrie, Nah- und Fernwärmenetzen, also in Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Und um den Erdgas-Verbrauch nicht steil ansteigen zu lassen, gehört zur optimalen Energiewende-Strategie außerdem, die energetische Sanierung der Gebäude voranzutreiben. Das Gas, das dank Heizungserneuerung und Wärmedämmung nicht mehr verbraucht wird, stünde für die Kraftwerke zu Verfügung. Ergo: Deutschlands Energierechnung bei Russland und anderen Erdgaslieferanten sowie die Abhängigkeit von ihnen müsste gar nicht so extrem steigen.
Der russische Vorstoß belegt zwar, dass sich Investitionen in die Energiewende durchaus lohnen können – ein Kontrapunkt zur bisherigen Zurückhaltung der hiesigen Stromkonzerne. Doch damit darf das richtige Umbau-Konzept nicht über Bord geworfen werden. Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass sich die richtigen Kraftwerke lohnen und die Gebäudesanierung in Schwung kommt. Bei beidem hapert es. Die verbesserte KWK-Förderung ist überfällig, ebenso die Aufstockung des Gebäudesanierungsprogramms. Darauf sind vielleicht nicht die Russen, aber die deutschen Energiewende-Fans heiß.
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