Eine Not-Operation für Kyoto
DER KOMMENTAR:
Joachim Wille, Redakteur bei klimaretter.info, über den Beschluss der EU-Staatschefs, das Kyoto-Protokoll retten zu wollen
Die Euro-Rettung beherrscht die Schlagzeilen. Kein Wunder. Die Vision von den Abermilliarden, die mobilisiert werden, um unsere Währung vor dem Kollaps zu bewahren, geht uns nah. Wer soll die gigantischen Schulden je zurückzahlen, mit denen die Euroretter um Merkel und Sarkozy jonglieren, fragt man sich. Es ist eigentlich nicht zu schaffen. Und doch erkennt jeder die Notwendigkeit, das Geldsystem zu stabilisieren, weil sonst die Wirtschaft zusammenbricht.
Beim Klimasystem, einer noch viel wichtigeren Grundlage des Wirtschaftens – und des Lebens überhaupt – ist das anders. Immer mehr CO2-Schulden werden angesammelt, doch (fast) keinen interessiert es. Der Aufbruch auf dem Erdgipfel von Rio anno 1992, auf dem die Weltklimakonvention verabschiedet wurde, ist längst verflogen. Das Kyoto-Protokoll droht 2013 zu einer toten Hülle zu werden wenn keine 2. Verpflichtungsperiode ratifiziert wird.
Deswegen ist es, inmitten der globalen Blockade, ein positives Signal, dass sich die EU-Staats- und Regierungschefs während ihres Euro-Gipfel zu einer befristeten "Verlängerung" der ersten Verpflichtungsperiode bereit erklärt haben. Ohne eine solche Notoperation droht die ganze Architektur der internationalen Klimapolitik zu kollabieren – vom EU-Emissionshandel bis zur Finanzierung von Klimaschutz-Technologien in den Entwicklungsländern.
Allerdings ist mit dem EU-Signal noch nichts wirklich gerettet. Die Forderung von Merkel und Co., auch die USA und China müssten sich an "Kyoto plus" beteiligen, wird auf dem Weltklimagipfel in Durban der große Knackpunktwerden. Bisher ist nicht erkennbar, dass sich diese beiden größten Treibhaus-Einheizer, die zusammen für 40 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich sind, auf Reduktionsziele festlegen lassen werden. Sie mit ins Boot zu holen, wird hohe diplomatische Kunst und Kompromissfähigkeit erfordern. Es zu versuchen, ist die Mühe aber wert. Denn wenigstens der Rio-Klima-Rahmen sollte erhalten bleiben – für die Zeit, in der hoffentlich wieder einmal ernsthaft um die Zukunft des Planeten gerungen wird.

Klimakonferenz im mexikanischen Cancún: Diese Klimaschützer haben eindeutige Forderungen. (Foto: Ainhoa Goma)
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