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Widerspruch: Atdorf ist sinnvoll

DER KOMMENTAR:

hanno2 Hanno Böck, Redakteur bei klimaretter.info, über den Plan im schwarzwäldischen Atdorf einen Pumpspeicher zu bauen

Atdorf im Schwarzwald - hier befindet sich bereits das Hornbergbecken, das drittgrößte Pumpspeicherkraftwerk Deutschlands. Die Schluchseewerk AG will nun - neben dem bestehenden Pumpspeicher - ein zweites Becken bauen - es wäre mit 1.400 Megawatt Leistung und 13 Gigawattstunden Speicherkapazität das mit Abstand größte Deutschlands.


Diesen See wollen viele nicht haben - für die Energiewende wäre er jedoch ein Gewinn. (Foto: Schluchseewerk)

Bürgerinitiativen protestieren hiergegen - verständlich, entsteht doch durch das Pumspeicherwerk ein künstlicher See gigantischen Ausmaßes. Es ist ein Konflikt, wie wir ihn gerade an vielen Stellen erleben: Wieviel Natur sind wir bereit, für die Energiewende zu opfern?

Es zweifelt eigentlich niemand daran, dass der Bau von Stromspeichern eine der wichtigsten Herausforderungen der Energiewende ist. Wind und Sonne liefern nicht kontinuierlich Strom. Zwar ergänzen sich beide Technologien durchaus, da meistens dann, wenn die Sonne nicht scheint, mehr Wind weht. Trotzdem bleibt das Problem, dass die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien unstetig ist - Speicher können das ausgleichen.

Wenn - was zu hoffen ist - der Ausbau der Erneuerbaren in schnellem Tempo weitergeht, werden die Speicher schon in wenigen Jahren zum Flaschenhals der Energiewende. Deswegen ist der Bau weiterer Pumpspeicher absolut sinnvoll. Da diese jedoch - auch bei ambitionierten Ausbauplänen - für einen vollständigen Umstieg auf Ökostrom nicht ausreichen werden, sollte zeitgleich die Erforschung von alternativen Speichertechnologien - etwa von Druckluftspeichern oder der Methanerzeugung durch Überschussstrom - forciert werden.

Die Bürgerinitiativen warfen der Schluchseewerk AG in der Vergangenheit vor, ihr gehe es weniger um die Speicherung von Ökostrom, als viel mehr um das Greenwashing von Atomstrom. Ein Argument, dem man durchaus folgen konnte, angesichts der Tatsache, dass Baden-Württemberg nach wie vor beim Ausbau der Erneuerbaren hinterher hinkt und im Schwarzwald kaum Windanlagen stehen, deren Strom man speichern könnte. Die von der Bundesregierung im vorigen Herbst beschlossene Laufzeitverlängerung für die AKW Philippsburg und Neckarwestheim sowie die AKW-Neubaupläne in der nahe gelegenen Schweiz taten ein übriges.

Doch die Situation hat sich grundlegend geändert: Die Zahl der aktiven AKW in Baden-Württemberg wurde zwischenzeitlich halbiert, und die Schweiz wird keine neuen Reaktoren bauen. Wünschenswert wäre, wenn die Schluchseewerk AG sich rechtsverbindlich darauf festlegen würde, dass Atdorf nur zur Speicherung von Erneuerbaren dient. Damit könnten viele Vorbehalte ausgeräumt werden.


Leider in Baden-Württemberg immer noch selten: Windkraftanlage auf dem Grünen Heiner bei Stuttgart. (Foto: raboe001, Wikimedia Commons)

Olav Hohmeyer vom Sachverständigenrat für Umweltfragen schlägt nun vor, statt auf den Pumpspeicher Atdorf auf lange Stromleitungen nach Norwegen zu setzen - Hohmeyer argumentiert, man müsse sowieso große Stromtrassen bauen, um Windstrom von Norden nach Süden zu transportieren. Er geht also davon aus, dass es weiterhin bei einem deutlichen Nord-Süd-Ungleichgewicht beim Windkraft-Ausbau bleibt - und Baden-Württemberg hier nicht schnell genug nachzieht.

Das Gegenteil wäre die richtige Strategie: Erneuerbare müssen überall ausgebaut werden, und die Regionen, die hier bisher im Hintertreffen sind - Baden-Württemberg gehört eindeutig dazu -, müssen nachholen. Es ist schlicht die fairste und demokratischste Lösung: Jede Form der Energieerzeugung bringt negative Auswirkungen mit sich - deswegen ist es sinnvoll, den Strom möglichst dort zu erzeugen und zu speichern, wo die Verbraucher sitzen.

Der Pumpspeicher Atdorf kann ein Meilenstein für die Energiewende sein. Er muss allerdings von einem entsprechenden Ausbau erneuerbarer Energien in der Region begleitet werden. Würden - verbindliche - Zusagen gemacht, dass Atdorf nicht als Greenwashing-Maschine für Atom- und Kohlestrom dient, könnte sich sicher auch der eine oder andere Naturschützer mehr für das Projekt erwärmen. 

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