Schwerpunkte

Klimabewegung | E-Mobilität | Wahl

Yasuní als Anfang besserer Klimapolitik

DER KOMMENTAR:

Hanno Böck, Redakteur von klimaretter.info, zur Haltung der deutschen Regierung zum Yasuní-ITT-Projekt:



Realistisch betrachtet sieht die Bilanz der internationalen Klimapolitik mehr als mager aus: Das selbst von vielen Umweltverbänden hochgelobte Kyoto-Protokoll hat weltweit zu keiner Reduktion der Treibhausgasemissionen geführt - ja, es war noch nicht einmal in der Lage, das Wachstum der Emissionen zu reduzieren.

Wenn als Erfolg die sinkenden Emissionen einzelner Länder genannt werden, wird gerne vergessen, dass dies vor allem auf den Effekt sogenannter exportierter Emissionen zurückgeht. Und ein Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls ist nicht in Sicht - ganz abgesehen davon, dass kaum davon auszugehen ist, dass dieses besser als sein Vorgänger wäre. Die internationale Klimapolitik in ihrer bisherigen Form ist längst gescheitert, auch wenn viele, die Teil des Prozesses der letzten 20 Jahre waren, zwanghaft daran festhalten.

Es ließe sich viel darüber streiten, worin das Scheitern begründet ist. Betrachtet seien beispielsweise die Pläne Australiens, einen nationalen Emissionshandel einzuführen: Dort wurde erklärt, es habe Kritik von Gewerkschaften gegeben, dass durch den Klimaschutz Arbeitsplätze in der Kohleindustrie gefährdet seien. Entgegnet wurde, dass dies kein Problem sei. Man gehe davon aus, dass Kohle stattdessen verstärkt exportiert werden könne.

Was hier als Argument gegen rückwärtsgewandte Gewerkschaften vorgebracht wurde, zeigt vor allem eins: Selbst die Architekten des australischen Emissionshandels gehen nicht davon aus, dass dieser in der Gesamtbilanz einen positiven Klima-Effekt mit sich bringen wird. Kohle, die im Inland nicht verbrannt wird, wird stattdessen eben in China oder Indien verfeuert.

Was das mit dem Regenwald in Ecuador zu tun hat? Letztendlich lassen sich die Probleme der bisherigen Klimapolitik auf einen Nenner bringen: Emissionen werden nicht verhindert, sondern lediglich verschoben. Und genau deshalb ist das Yasuní-Projekt so wichtig: Fossile Rohstoffe, die nicht im eigenen Land verbrannt, dafür aber exportiert werden, helfen vielleicht der einheimischen Klimabilanz - aber dummerweise dem Klima nicht. Fossile Rohstoffe aber, die nicht gefördert werden, die können auch nicht verbrannt werden und setzen kein Kohlendioxid frei.

Sicher, viele Fragen bleiben offen. Nach Yasuní werden weitere Länder kommen und ähnliches fordern - und, wie man betonen muss, mit Recht. Es kann niemand von Entwicklungsländern, die einen Lebensstandard weit entfernt von dem der Wohlstandsstaaten haben, erwarten, dass sie auf die Nutzung ihrer Rohstoffe ohne Gegenleistung verzichten.

Die Industriestaaten haben Jahrzehnte lang hemmungslos Kohle, Öl und Gas verbrannt - es wäre ein kleiner Schritt in Richtung Klimagerechtigkeit, wenn diese dafür zahlen, dass andere das nicht tun (auch wenn es mir fern liegt, Klimagerechtigkeit auf Geldzahlungen reduzieren zu wollen). Nur: Das mag man theoretisch richtig finden, Jubelausbrüche wird man damit bei wohlstandsverwöhnten EU-Bürgern in Zeiten wirtschaftlicher Krisen sicher nicht auslösen. Projekte wie Yasunì durchzusetzen wird sicher auch schwerer werden, wenn fossile Rohstoffe zunehmend knapper werden.

Doch trotz dieser ungelösten Fragen für die Zukunft gilt: Yasunì weist in die richtige Richtung. Es setzt bei der Extraktion der Ressourcen an, einer Frage, die in der Auseinandersetzung um den Klimaschutz bislang viel zu wenig beachtet wurde. Und es ist ein Projekt, welches zumindest Ansätze einer gerechteren Klimapolitik zeigt.

Für Yasuní sieht es jedoch zur Zeit schlecht aus - und das liegt vor allem an Deutschland. Zwar hat der Bundestag im Jahr 2008 einstimmig eine Resolution zur Unterstützung Ecuadors verabschiedet. Aber FDP-Entwicklungsminister Dirk Niebel weigert sich, irgendwelche Gelder für Yasunì bereitzustellen - maximal könne man sich vorstellen, andere Entwicklungshilfe für das Projekt umzuwidmen.

Es ist kaum anzunehmen, dass Ecuador sich damit abspeisen lässt. Angesichts der Wichtigkeit des Themas ist es unverständlich, dass die Umweltbewegung hierzulande Yasuní bislang nicht zu einem großen Thema gemacht hat. Es gilt jetzt, öffentlich Druck aufzubauen, um den Regenwald in Yasuní zu retten - und danach darüber nachzudenken, wie man das Modell Yasunì weiterdenken kann. Als Beginn einer Klimapolitik, die wirklich etwas nützt.


Eine Schlange in der Yasuní-Region: Auch der Fortbestand ihrer Art hängt an den Entscheidungen der deutschen Entwicklungspolitik. (Foto: Geoff Gallice, flickr)

[Erklärung]  
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen