CCS um Kopf und Kragen
DER KOMMENTAR:
Felix Werdermann, Redakteur bei klimaretter.info, über die Bundesratsentscheidung zu CCS:
Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers hat sich am Freitag als Klimaschützer aufgespielt. Die "Risiken und Lasten zur Erfüllung der Klimaschutzverpflichtungen" dürften "nicht allein von einzelnen Regionen getragen werden", sagte er in der Bundesratsdebatte um die unterirdische Verpressung von Kohlendioxid (CCS). Auf gut deutsch: Auch die anderen Bundesländer sollen mit CCS das Klima schützen. In Wirklichkeit geht es Christoffers aber bloß um seinen eigenen Kopf und Kragen.
Denn der Linkspolitiker ist in einer schwierigen Lage: Er selbst ist fanatischer Anhänger der CCS-Technik, große Teile der Bevölkerung in Brandenburg und der eigenen Parteibasis sind dagegen. Noch vor anderthalb Jahren hatte die Linkspartei Wahlkampf gegen die CO2-Endlager gemacht. Wenn nun Brandenburg zur Müllkippe der Nation werden soll, hat Christoffers ein ernsthaftes Problem. Und das ist nicht nur der Parteitagsbeschluss, der dieses Szenario ablehnt. Das ist auch der Energiekonzern Vattenfall, der große Hoffnungen auf den Kohlelobbyisten Christoffers setzt.
Bislang hat Christoffers gehofft, dass es im CCS-Gesetz keine Ausstiegsklausel für einzelne Länder geben würde. Dann hätte er die CO2-Endlager als Sachzwang verkaufen können. Nun aber ist er damit an die Wand gerannt. Die beste Lösung wäre eine 180-Grad-Wende: Zugeben, dass man durch CCS das Klima nicht retten kann. Das wird zwar Vattenfall nicht gefallen, aber es hilft bei den nächsten Wahlen.
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Der Parteitag wendet sich gegen den Kurs der rot-roten Koalition und lehnt CCS und neue Braunkohletagebaue ab
Kohle ist Deutschlands einziger Energieträger, sagt Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers - und fordert einen Vorrang vor Atomkraft. In niedersächsischen Wilhelmshaven haben Erprobungen für die unterirdische Speicherung von CO2 begonnen.
Heute wird in Beeskow gegen die unterirdische Kohlendioxid-Einlagerung in Brandenburg demonstriert. Die Proteste bringen die Linkspartei in die Bredouille, denn sie regiert zusammen mit der SPD. Vor der Wahl war sie noch gegen die CO2-Endlager, nun soll sie den Pro-Braunkohle-Kurs mittragen. Von Hanno Böck
Noch in diesem Jahr soll das Gesetz zur Abscheidung und Einlagerung von Kohlendioxid (CCS) verabschiedet werden. Aber in den Reihen der Union gibt es auch Abweichler: Im Gespräch mit klimaretter.info erklärt der Bundestagsabgeordnete Hans-Georg von der Marwitz (CDU), wie er das Gesetz stoppen möchte, warum viele seiner Parteikollegen derzeit zu den Befürwortern gehören, und was der rot-roten Koalition in Brandenburg noch bevorsteht.
Wenn CCS, dann bundesweit: Die Linkspartei in Brandenburg möchte, dass ein Gesetz zur Abscheidung und Verpressung des Kohlendioxids für andere Bundesländer gleichermaßen gilt. Das könnte möglicherweise das gesamte Gesetzesvorhaben auf Bundesebene verhindern. Die Verantwortung schieben die Linken nun der Bundesregierung zu.
Brandenburgs Wirtschaftsminister Christoffers fordert, den Klageweg für CCS zu verkürzen. Das sei notwendig, um den Baubeginn des Vattenfall-Pilotprojekts in Jänschwalde nicht zu verzögern
Gesetz beschlossen, Zukunft unklar: Bei der unterirdischen Verpressung von Kohlendioxid geht es den Politikern um parteipolitische Erwägungen, nicht um Sicherheit.
Die Linkspartei in Brandenburg beschließt zwei Anträge zur Energiepolitik, die sich inhaltlich widersprechen. Allerdings: Den Landesministern ist das sowieso egal, sie fühlen sich nicht an das Votum der Basis gebunden. Braunkohlekritiker Michael Luthardt hält die Abstimmung trotzdem für ein wichtiges Signal.
Noch immer gibt es keine Einigung zum umstrittenen CCS-Gesetz: Bundeskanzlerin Angela Merkel macht Druck und will einen neuen Vorschlag. Umweltschützer warnen unterdessen mit einem geologischen Gutachten vor "enormen Risiken" der CO2-Einlagerung.
SPD und Bündnisgrüne werden sich am Donnerstag erstmals mit der Linksfraktion in Nordrhein-Westfalen treffen, um ein rot-grün-rotes Bündnis zu sondieren. Einer der Knackpunkte könnte dabei die Energiepolitik werden: Die Linke hat in ihrem Wahlprogramm versprochen, die großen Energiekonzerne im Falle einer Regierungsbeteiligung zu enteignen. wir-klimaretter.de sprach mit Dorothée Menzner, der energiepolitischen Sprecherin der linken Bundestagsfraktion.
Am Standort Jänschwalde in Brandenburg will der schwedische Konzern die CCS-Technik im Demonstrationskraftwerk erproben - und anders als ursprünglich angekündigt einen neuen Kraftwerks-Block bauen.
Das Landeskabinett will bis 2030 an der Braunkohle festhalten
Brandenburgs Umwelt- und Wirtschaftsministerien präsentierten heute die Eckpunkte für die geplante Energiestrategie 2030. Der Entwurfstext wird jedoch nur ausgewählten Organisationen zur Verfügung gestellt. Die Landesregierung setzt weiter auf Braunkohle, dies soll mit CCS-Technologie ausgestattet werden. Notwendig ist hierfür ein europaweites Kohlendioxid-Pipelinenetz.
Die Linke in Brandenburg will keine Erkundung zur Kohlendioxid-Speicherung ohne CCS-Gesetz. In einem Antrag zum bevorstehenden Landesparteitag am Wochenende werden "zunehmend Zweifel" an der Sicherheit der Technologie laut.
Das Gesetz zur unterirdischen Verpressung von Kohlendioxid sorgt weiter für Unstimmigkeiten zwischen den Ländern. Am Mittwoch beschäftigte das CCS-Gesetz sowohl den Kieler Landtag als auch den Umweltausschuss des Bundestags. 


