Linkspartei: Geht doch nach Beeskow!
DER KOMMENTAR:

Hanno Böck, Redakteur klimaretter.info, über die Energiekonferenz der Linkspartei am Wochenende.
Die Linkspartei hat sich für ihre Energiekonferenz am 3. und 4. September Prominenz eingeladen: Die Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi und Gesine Lötzsch werden auf dem Eröffnungspodium sitzen, der SPD-Politiker und Präsident von Eurosolar, Hermann Scheer, ein Grußwort halten. Mit einer Energiekonferenz will die Linkspartei auf die Energiepolitik der Bundesregierung antworten.
So heißt es auf der Webseite zur Konferenz: "Ganze Generationen werden durch die Atomkraft bedroht. Der Neubau von Kohlekraftwerken nutzt nur den Profitinteressen der Konzerne, schadet aber Mensch und Umwelt weltweit." So weit, so richtig - und doch so verlogen.
An anderer Stelle werden Menschen an diesem Samstag nämlich ebenfalls für die Energiewende einstehen. Im brandenburgischen Beeskow demonstrieren Bürger gegen die Endlagerung von Kohlendioxid unter ihren Dörfern. Unterstützt werden sie dabei von Bürgerinitiativen aus den Braunkohle-Regionen. Denn nach dem Willen der Regierung aus SPD und Linkspartei sollen in den nächsten Jahren gleich mehrere Dörfer in der Lausitz geräumt und abgebaggert werden.
Wie war das noch, damals im Wahlkampfherbst 2009? Jede Stimme für die Linke ist eine Stimme für die Energiewende? Wie stand es gleich nochmal im Wahlprogramm der Linken - ab Seite 12: CCS - mit uns garantiert nicht (Seite 13)!
Ralf Christoffers, Wirtschaftsminister von Brandenburg und Linkspartei-Mitglied, gehört zu den deutlichsten Befürwortern einer schnellen gesetzlichen Regelung zur Kohlendioxid-Einlagerung und will dabei auch die Mitbestimmungsrechte der Bürger möglichst klein halten. Denn ein solches Gesetz ist Voraussetzung dafür, dass Vattenfall mit EU-Fördergeldern bald mit dem Bau zwei neuer Kohlekraftwerksblöcke am Standort Jänschwalde beginnen kann. Dort soll die umstrittene CCS-Technologie getestet werden.

Tagebau und Kohlekraftwerk Jänschwalde. Energiewendepolitik der Linkspartei?
Dass die Linkspartei die Themen Energiepolitik und Umweltschutz verstärkt für sich entdeckt, ist nur zu begrüßen. Um glaubwürdig zu bleiben, muss sie sich aber dafür von Personen wie Christoffers oder Umweltministerin Anita Tack lösen, die die Interessen der Kohleloby vertreten und vor allem auch in den Bundesländern für die Energiewende eintreten, in denen sie mitregiert.
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SPD und Bündnisgrüne werden sich am Donnerstag erstmals mit der Linksfraktion in Nordrhein-Westfalen treffen, um ein rot-grün-rotes Bündnis zu sondieren. Einer der Knackpunkte könnte dabei die Energiepolitik werden: Die Linke hat in ihrem Wahlprogramm versprochen, die großen Energiekonzerne im Falle einer Regierungsbeteiligung zu enteignen. wir-klimaretter.de sprach mit Dorothée Menzner, der energiepolitischen Sprecherin der linken Bundestagsfraktion.
Noch in diesem Jahr soll das Gesetz zur Abscheidung und Einlagerung von Kohlendioxid (CCS) verabschiedet werden. Aber in den Reihen der Union gibt es auch Abweichler: Im Gespräch mit klimaretter.info erklärt der Bundestagsabgeordnete Hans-Georg von der Marwitz (CDU), wie er das Gesetz stoppen möchte, warum viele seiner Parteikollegen derzeit zu den Befürwortern gehören, und was der rot-roten Koalition in Brandenburg noch bevorsteht.
Noch immer gibt es keine Einigung zum umstrittenen CCS-Gesetz: Bundeskanzlerin Angela Merkel macht Druck und will einen neuen Vorschlag. Umweltschützer warnen unterdessen mit einem geologischen Gutachten vor "enormen Risiken" der CO2-Einlagerung.
Die Linke in Brandenburg will keine Erkundung zur Kohlendioxid-Speicherung ohne CCS-Gesetz. In einem Antrag zum bevorstehenden Landesparteitag am Wochenende werden "zunehmend Zweifel" an der Sicherheit der Technologie laut.
Brandenburgs Minister Ralf Christoffers spielt sich in Sachen CCS als Klimaschützer auf. Tatsächlich verfolgt er bloß seine eigenen Interessen.
Wenn CCS, dann bundesweit: Die Linkspartei in Brandenburg möchte, dass ein Gesetz zur Abscheidung und Verpressung des Kohlendioxids für andere Bundesländer gleichermaßen gilt. Das könnte möglicherweise das gesamte Gesetzesvorhaben auf Bundesebene verhindern. Die Verantwortung schieben die Linken nun der Bundesregierung zu.
Brandenburgs Wirtschaftsminister Christoffers fordert, den Klageweg für CCS zu verkürzen. Das sei notwendig, um den Baubeginn des Vattenfall-Pilotprojekts in Jänschwalde nicht zu verzögern



