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NASA misst Rekord-Juli

DER KOMMENTAR:

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Georg Etscheit, Autor und Kolumnist von klimaretter.info, über die neuen NASA-Daten zur Erderwärmung und die scheinbare Resignation der Gesellschaft.


Wenn man dieser Tage die Nachrichten schaut, könnte man denken, man sei in einem dieser modischen TV-Dokudramen gelandet: Die Welt im Jahre 2050. Das Klima ist aus den Fugen geraten, Katastrophenmeldungen aus fast allen Erdteilen überschlagen sich: Mega-Überschwemmungen in Pakistan, gewaltige Erdrutsche in China und Bangladesh, Rekordhitze und Waldbrände in Russland, wieder einmal ein Korallensterben wegen ungewöhnlich hoher Wassertemperaturen in Indonesien. In Grönland schmelzen die Gletscher immer schneller. Ein gigantischer Eisberg droht eine Meerenge zu verschließen. Und im heimatlichen Sachsen hat, nach dem jüngsten Tornado, wieder eine "Jahrhundertflut" zugeschlagen.

Sciencefiction? Mitnichten. Die Menschheit schreibt das Jahr 2010. Was eigentlich für eine fernere Zukunft angekündigt war, ereignet sich im Hier und Jetzt. Die Prognosen der Klimaforscher scheinen sich mit beängstigender Exaktheit zu bestätigen: immer mehr extreme Wetterereignisse, auch in gemäßigten Breiten. Anhaltende Dürren wechseln sich ab mit sintflutartigen Regenfällen. Die Spitzentemperaturen kennen nur einen Weg: nach oben. Und jede Schlechtwetterfront mutiert zum "Starkregenereignis". Selbst die schneereichen Winter der vergangenen Jahre passen perfekt in dieses Muster eines immer unbarmherzigeren Weltklimas.

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Heißer Juli - Abweichung der Durchschnittstemperatur der Erdoberfläche im Juli 2010 vom langjährifen Mittel 1951-1980

Nur das Wort vom Klimawandel, das ja eigentlich ein Euphemismus ist angesichts dessen, was längst Realität ist, ganz zu schweigen von dem Ungemach, das der Menschheit noch bevorsteht, kommt immer seltener vor in der öffentlichen Debatte. Als herrsche unter Journalisten und Politikern eine stillschweigende Übereinkunft darüber, das Thema nicht mehr "zu hoch zu hängen": Nichts dramatisieren, alles schon mal dagewesen, Wetter ist nicht gleich Klima. Wenn Klimaforscher noch zu Wort kommen, dann kaum Mahner wie Mojib Latif oder Hans Joachim Schellnhuber, sondern Beschwichtiger wie Hans von Storch, die den Klimawandel zwar nicht leugnen, aber jeden schüchternen Verweis auf aktuelle Ereignisse als unzulässige Einmischung in die Sphäre der Politik verurteilen.

Nach dem Urknall der gescheiterten Weltklimakonferenz von Kopenhagen ist die Luft raus aus diesem wohl wichtigsten Thema für die Zukunft der Menschheit. Das ist fatal, nicht nur, weil die Verhandlungen für ein Kyoto-Nachfolgeabkommen wegen der skandalös-impotenten Haltung der USA auf der Stelle treten. Die Bevölkerung beginnt, sich an das offenbar Unabänderliche zu gewöhnen, die "guten" Seiten wie mediterrane Verhältnisse an Nord- und Ostsee zu genießen, die schlechten zu verdrängen. Die Hoffnung mancher Umweltschützer, dass die schiere Wucht der Katastrophen zu einer Umkehr führen würde, erfüllt sich nicht, wie sich erst jüngst wieder bei der Ölpest im Golf von Mexiko zeigte. Stattdessen auch hier: Gewöhnung und Resignation.

Der Politik scheint es ganz recht zu sein, dass der Druck weg ist. Denn nicht nur für Barack Obama, den grünsten Präsidenten, den die USA je hatten, sondern auch für Angela Merkel, unsere verflossene Klimakanzlerin, ist der Klimawandel zum Verliererthema geworden, von dem man lieber die Finger lässt. Selbst die Leitartikler aufgeklärter Medien wie der Süddeutschen Zeitung empfehlen ihren Lesern, sich an eine Welt als "Reparaturbetrieb" zu gewöhnen. Nachsorge statt Vorsorge zu betreiben. Andere plädieren dafür, dem "gescheiterten" Top-down-Ansatz beim Klimaschutz einen Bottom-up-Ansatz entgegenzusetzen. Jetzt sollen also viele kleine Graswurzelinitiativen die Welt retten. Aber sollen wir jetzt schon die Politiker aus ihrer Verantwortung entlassen? Es wäre eine allzu frühe Kapitulation.

 

 

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