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Macrons halber Turbo

DER KOMMENTAR:

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Joachim Wille, Chefredakteur von klimaretter.info, über den "One Planet Summit" in Paris.

 

Emmanuel Macron hatte seine Klima-Show. Zwei Jahre nach dem Durchbuch zum Paris-Abkommen nun der "One Planet Summit". Die Idee des französischen Präsidenten war es, dem zähen Geschäft des globalen Klimaschutzes einen Turbo beizugeben. Neben den jährlichen UN-Gipfeln, auf denen die Verhandler sich im Schneckentempo durch dicke Verhandlungspapiere raspeln, müsse es auch Events mit mehr Strahlkraft, Zuversicht und Engagement der Staatenlenker geben.

Es war – und ist – eine gute Idee, auch wenn neben Appellen und Absichtserklärungen nur wenig Konkretes bei dem Treffen herauskam. Vor allem im Finanzbereich muss noch viel mehr getan werden, um die Ziele des Paris-Vertrags zu erreichen – etwa durch den beschleunigten Ausstieg von Investoren aus der Finanzierung von Kohle, Öl und Gas.

Hier bewegt sich immerhin etwas, wie die in Paris verkündete neue Weltbank-Strategie für den Energiesektor – keine Förderung mehr für neue Erdöl- und Erdgas-Felder – und der neue, weitgehende Divestment-Beschluss der Versicherungskonzerns Axa zeigt. Trotzdem konnte der Macron-Gipfel nicht darüber hinwegtäuschen: Weltweit investieren Energiekonzerne immer noch gigantische Summen in den fossilen Sektor – in der Erwartung, dass die Staaten der Welt die Ziele des Pariser Klimavertrags nicht wirklich ernst nehmen. Hier braucht es endlich klare Signale der verantwortlichen Politiker für eine CO2-Bepreisung statt unverbindlicher Dekarbonisierungslyrik.

Nur wenig Fortschritte gab es bei der Macron-Show leider bei der Frage, wie die Industriestaaten die 100 Milliarden Dollar jährlich an Klimafinanzierung aufbringen wollen, die sie den Entwicklungsländern ab 2020 versprochen haben. Es waren in Paris zwar über 50 Staats- und Regierungschefs anwesend, doch sie kamen meist aus den Entwicklungsländern, die die Unterstützung im Kampf gegen den Klimawandel brauchen. Die meisten ihrer Kollegen aus den Industriestaaten, die das Geld dafür auf den Tisch hätten legen können, blieben lieber zuhause als sich mit dem Problem auseinanderzusetzen.

Macron will, dass der "One Planet Summit" künftig jährlich stattfindet. Genug zu tun bleibt dafür bestimmt. Die erste Macron-Klimashow war zwar kein Flop, aber die weiteren Events müssten doch deutlich mehr Substanz bekommen. Und es wäre gut, wenn Deutschland dann dort mit einer echten "Klimakanzlerin" vertreten wäre.

BildViel Bling-Bling und wenig Konkretes gab es auf dem One Planet Summit in Paris. (Foto: Yann Caradec/Flickr)

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