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Einfach mal ernst nehmen

DER KOMMENTAR:

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Joachim Wille, Chefredakteur von klimaretter.info, über den Emissionsbericht des UN-Umweltprogramms Unep.

 

Der Paris-Gipfel – das war der Durchbruch. Glauben zumindest viele. Eine Umfrage zum Klima-Bewusstsein der Deutschen ergab jüngst: Die große Mehrheit meint, die weltweiten Treibhausgas-Emissionen würden bereits sinken. Gemäß dem Motto: Wenn fast alle Staaten der Welt, fast 200 an der Zahl, sich in einem historischen Akt auf das Ziel einigen, die Erderwärmung bei 1,5 bis zwei Grad Celsius zu stoppen – dann nehmen sie das auch ernst und verhalten sich entsprechend.

Tun sie aber nicht. Das belegt, kurz vor dem nächsten Klimagipfel in Bonn, das UN-Umweltprogramm Unep mit seinem neuen Report zu den globalen Emissionen. Die Reduktionsziele, die sich die Länder gegeben haben, drücken die CO2-Kurve zwar so weit, dass die Erwärmung nicht wie bei business as usual auf fünf oder sechs Grad steigen würde, sondern bei etwa drei Grad gedeckelt bleibt. Doch für zwei Grad, die als Sicherheitslinie vor einem unbeherrschbaren Klimawandel gelten, sind sie viel zu schwach. Von 1,5 Grad gar nicht zu reden.

Die positiven Botschaften des Berichts: Die Zeit reicht noch, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen: schnellerer Kohleausstieg, mehr Öko-Energien, Verkehrswende, Waldschutz und Aufforstung. Bezahlbar und sozialverträglich machbar sind sie auch. Also braucht es nur noch Politiker, die ihre eigenen Beschlüsse ernst nehmen. In China findet man die derzeit eher als beim Ex-Energiewende-Vorreiter Deutschland. Es sei denn, die Jamaika-Verhandler erkennen, was auf dem Spiel steht.

BildDie weltweiten Emissionen steigen, daran haben alle Bekenntnisse von Politikern bislang wenig geändert. (Foto: Udo Springfeld/​Flickr)

[Erklärung]  
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