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Wetterbremse

DER KOMMENTAR:

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Joachim Wille, Chefredakteur bei klimaretter.info, über die mageren Ausbauzahlen bei den Ökoenergien.

 

Was ist los mit dem Öko-Weltmeister Deutschland? Der Grünstrom-Anteil am Stromverbrauch stagniert praktisch. 2015 betrug er 31,5 Prozent, in diesem Jahr dürfte es am Ende kaum mehr werden, nämlich 32 Prozent, wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) jetzt mitteilte. Nur noch ein winziges Plus von 0,5 Prozentpunkten also. In den Jahren zuvor hatte es regelmäßig viel stärkere Steigerungsraten gegeben. Ein Mini-Wachstum wie 2016 gab es zuletzt 2010.

Der Bundesregierung passt das ins Konzept. Sie versucht bekanntermaßen, in dem Sektor die Bremse reinzuhauen. Sie bekennt sich zwar grundsätzlich zu einem weiteren Ökostrom-Ausbau, aber das Tempo soll sinken. Sie peilt Zuwächse von rund einem Prozentpunkt pro Jahr an. Dass es diesmal noch weniger war, lag allerdings vor allem am Wetter, das sich auf die Seite der Bremser geschlagen hat. Der Erzeugungspark hat sich nämlich noch einmal deutlich vergrößert, vor allem der Zubau von Windkraft-Anlagen an Land boomte. Doch es wehte vergleichsweise wenig Wind, und es gab auch weniger Sonnenschein als sonst üblich.

Künftig wird die Bundesregierung nicht mehr auf Hilfe vom Himmel angewiesen sein. Den Photovoltaik-Zubau hat sie durch rabiate Vergütungskürzungen bereits auf magere 1.100 Megawatt pro Jahr gedrosselt, wo früher einmal 7.000 Megawatt möglich waren. Und beim Windstrom an Land dürfte 2016 das vorerst letzte Jahr gewesen sein, in dem so kräftig Kapazität aufgerüstet wurde. Die Umstellung der Förderung von festen Vergütungen auf Ausschreibungen wird ihre Spuren hinterlassen.

Offiziell heißt es, die Energiewende werde durch solche Maßnahmen endlich in geordnete Bahnen gelenkt. Doch man braucht nicht viel Fantasie, um zu erkennen: Der schwarz-roten Bundesregierung geht es auch darum, der fossil-atomaren Stromwirtschaft Luft zu verschaffen, die die Energiewende zu lange verschlafen hat. Wetten: SPD-Wirtschaftsminister Gabriel wird sich im Wahljahr als Retter der Kohlekumpel präsentieren, um sie als Wähler bei der Stange zu halten. Dabei vergisst er: Auch jeder Mitarbeiter in der Ökobranche hat eine Stimme.

BildDieses Jahr könnte das vorerst letzte gewesen sein, in dem die Windenergie in Deutschland kräftig wächst. Die Bundesregierung will mit ihren Ökoenergie-Bremsen der fossilen Industrie Luft zum Atemholen verschaffen. (Foto: Benjamin von Brackel)

[Erklärung]  
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