Schwerpunkte

G20 | E-Mobilität | Wahl

Das Recht passt nicht zum Klimawandel

DER KOMMENTAR:

Bild

 

Joachim Wille, Chefredakteur bei klimaretter.info, über die Entscheidung des Landgerichts Essen, die Klimaklage gegen RWE abzuweisen.

 

Zwischen Essen und Huaraz liegen 10.460 Kilometer. Das ist weit, aber nicht zu weit, als dass es keine Fernwirkung zwischen den beiden geben könnte. In der Ruhrgebiets-Großstadt hat der Stromkonzern RWE seinen Sitz, jenes Unternehmen, das sich selbst als "Europas größter CO2-Einzelemittent" bezeichnet.

In der peruanischen Andenstadt wohnt der Bauer Saúl Luciano Lliuya, der ein Opfer des Klimawandels zu werden droht. Huaraz droht wegen schmelzender Gletscher eine Flutwelle, die sein Haus wegreißen würde.

Der Versuch des Peruaners, den führenden europäischen Klima-Einheizer deswegen haftbar zu machen, ist gescheitert, zumindest vorerst. Das Landgericht Essen sieht den Mann im Unrecht. Es gebe "keine lineare Verursachungskette zwischen der Quelle der Treibhausgase und dem Schaden". Deswegen könne der Konzern auch nicht gezwungen werden, in Schutzmaßnahmen investieren.

Dabei lagen dem Gericht Gutachten von renommierten Klimaforschern vor, die die Überflutungsgefahr und den Anteil konkret bestimmt haben, die die gigantischen CO2-Emissionen von RWE an der Temperaturerhöhung in den Anden haben. Die Kausalität ist, wissenschaftlich gesehen, eigentlich klar. Offenbar passt das herkömmliche Schadenersatzrecht aber nicht auf ein Phänomen wie den Klimawandel.

Hätte das Gericht das anders gesehen, es wäre eine Sensation gewesen. So kann sich RWE einstweilen zurücklehnen. Der Konzern ist juristisch und ökonomisch entlastet, aber nicht moralisch.

BildLandgericht Essen: Die Zivilkammer sieht zwar einen naturwissenschaftlichen Zusammenhang zwischen den Emissionen aus RWE-Kraftwerken und den Klimaschäden beispielsweise in Peru, aber keinen juristischen. (Foto: Wiki05/Wikimedia Commons)

[Erklärung]  
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen