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Tillerson: Hoffnung im Schreckenskabinett

DER KOMMENTAR:

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Benjamin von Brackel, Redakteur bei klimaretter.info, über die Nominierung von Rex Tillerson als US-Außenminister durch Donald Trump.

 

Der Chef eines Ölmultis als Außenminister des mächtigsten Landes der Welt? Bis vor einem Monat war das noch undenkbar. Kein Wunder, dass es nicht lange dauerte, bis nach der Nominierung Rex Tillersons die Umweltszene entsetzt protestierte. Tillerson ist schließlich Chef eines Konzerns, der Öffentlichkeit und Anleger jahrelang über mögliche Folgen des Klimawandels belogen und damit die Risiken seines fossilen Geschäftsmodells verschleiert haben soll. Der Exxon-Mobil-Chef setzt sich für Ölbohrungen in der Arktis ein und erklärte, es bräuchte "fünf Saudi-Arabiens", um den Energiebedarf bis 2040 befriedigen zu können.

Tatsächlich könnte man in einigen Jahren noch froh sein, dass die Wahl auf Tillerson gefallen ist. Denn Tillerson zeichnet etwas aus, was ihn in Trumps Regierungsmannschaft ziemlich alleine dastehen lässt: Er glaubt an den menschengemachten Klimawandel – zumindest hat er das erklärt.

Fast alle, die Trump dazu auserkoren hat, sich in höheren Positionen in den nächsten vier Jahren mit Energie und Klimapolitik zu beschäftigen, bezweifeln den menschengemachten Klimawandel. Das gilt für den womöglich nächsten Chef der US-Umweltbehörde, Scott Pruitt (hatte in der Vergangenheit erklärt, die US-Umweltbehörde entmachten zu wollen), für den womöglich nächsten Energieminister, Rick Perry (hatte erklärt, das Energieministerium entmachten zu wollen) und für Trumps Chef-Energieberater Kevin Cramer (Bedenken über die Erderwärmung: "stark übertrieben").

Was Trump selbst glaubt, kann keiner so genau sagen, wohl nicht mal Trump selbst. In einem Interview diese Woche sagte er über den anthropogenen Klimawandel: "Ich bin immer noch aufgeschlossen. Keiner weiß es wirklich. Schauen Sie, ich bin jemand, der es mitkriegt, und niemand weiß es wirklich. Es ist nicht etwas, das so drastisch und schnell kommt. Ich weiß aber das: Andere Länder essen unser Mittagessen." Ob er aus dem Paris-Abkommen aussteigen werde, wolle er noch prüfen.

Zurück zu Tillerson: Dessen Unternehmen Exxon erklärte nach dem Inkrafttreten des Pariser Klimaabkommens am 4. November: "Das Abkommen ist ein wichtiger Schritt nach vorn, den die Regierungen der Welt gehen, um die Risiken des Klimawandels zu bewältigen. Exxon Mobil unterstützt die Arbeit der Paris-Unterzeichner, erkennt die ambitionierten Ziele des Abkommens an und glaubt, dass das Unternehmen eine konstruktive Rolle bei der Entwicklung von Lösungen spielen sollte."

Exxon Mobil setzt sich für einen CO2-Preis ein. Dass der Konzern das nicht aus Altruismus macht, ist klar. Kurz- bis mittelfristig ist Klimaschutz für einen profitorientierten US-Ölriesen schlicht eine gute Nachricht. Jemand wie Tillerson weiß genau: Zuerst geht es der Kohle an den Kragen. Und damit der Konkurrenz von Exxon auf dem Energiemarkt.

Trotzdem: Die Bekenntnisse zu Paris sind wichtig, wenn man bedenkt, dass das Außenministerium in den USA die führende Behörde in den internationalen Klimaverhandlungen ist. Zu hoffen bleibt, dass all die Erklärungen auch unter den neuen "Rahmenbedingungen" Bestand haben und sich Tillerson nicht seinem neuen Umfeld anpasst. Offiziell ist er im Übrigen noch nicht Minister, dazu muss er noch eine Befragung im Senat überstehen.

BildJa, er ist Chef eines Ölmultis, das jahrzehntelang seine Anleger über die Folgen des Klimawandel belogen hat, er will in der Arktis nach Öl bohren und hat erklärt, bis 2040 bräuchte es "fünf Saudi-Arabiens". Allerdings – und das zeichnet ihn in Trumps Regierungsmannschaft aus – hat Rex Tillerson offiziell erklärt, an den menschengemachten Klimawandel zu glauben. (Foto: William Muñoz/Wikimedia Commons)

[Erklärung]  
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