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Opec goes COP

DER KOMMENTAR:

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Christian Mihatsch, Korrespondent von klimaretter.info in Marrakesch, über die erste Pressekonferenz der Opec auf einem Klimagipfel.

 

Die Opec – bekanntlich die Organisation erdölexportierender Länder – hat sich zum ersten Mal in die Höhle des Löwen gewagt. Auf der Klimakonferenz COP 22 in Marrakesch veranstaltet sie eine Pressekonferenz. Dort stellt Opec-Umweltkoordinator Mohammad Taeb kurz die Organisation vor.

Wir lernen: Bei der Opec handelt es sich um einen Zusammenschluss von 14 Entwicklungsländern. Auf die Frage, ob die Organisation nicht vielleicht doch etwas mit dem Ölmarkt zu tun haben könnte, stellt Taeb klar: "Wir regulieren weder den Preis noch die Produktionsmenge" von Öl.

Das Wort übernimmt Jan Ban, ein Ölmarktanalyst. Er erläutert den neuen "World Oil Outloook". Das ist der wichtigste jährliche Bericht des Ölkartells. Dessen Leitszenario kommt zum Schluss, dass die Ölnachfrage bis zum Jahr 2040 immer weiter steigt.

Ausgangsbasis dieses Szenarios ist eine Welt ohne nennenswerten Klimaschutz. Umsichtig, wie die Organisation ist, hat sie aber auch die Möglichkeit modelliert, dass die Länder ihre Klimapläne im Rahmen des Paris-Abkommens tatsächlich erfüllen. Wie zu erwarten handelt es sich dabei um das Szenario "B". Hier kommt die Opec zum Schluss, dass die Ölnachfrage um das Jahr 2030 ihren Höhepunkt erreicht und dann zurückgeht.

Doch – sollte nicht dieses das Leitszenario sein? Sollte die Opec nicht davon ausgehen, dass die Länder ihre Klimapläne auch in die Praxis umsetzen? "Nein" sagt Jan Ban. "Dafür ist es zu früh. Schauen Sie nur, was in den USA derzeit passiert." Dank Trump hat das Opec-Leitszenario also noch eine Chance.

Doch mit welcher Erwärmung muss die Menschheit rechnen, falls die Opec mit ihrem Szenario recht behält? Bei dieser Frage muss Jan Ban passen: Leider, leider habe die Opec nicht die Instrumente, um die Klimawirkung des meist einzigen Exportprodukts ihrer Mitgliedsländer zu berechnen. Das müssten andere tun. Aufgabe der Opec sei einzig die Modellierung des Ölmarkts. Oder anders: Solange die Ölnachfrage steigt, ist alles andere eh egal.

BildVom Opec-Sitz in Wien flogen die Erdölförderer zum ersten Mal aus zu einer eigenen Pressekonferenz auf einem Klimagipfel. (Foto: Priwo/Wikimedia Commons)


Alle Beiträge zur COP 22 in Marokko

finden Sie in unserem Marrakesch-Dossier

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