Schwerpunkte

G20 | Trump | Wahl

Trumps Klima-GAU

DER KOMMENTAR:

Bild

 

Joachim Wille , Chefredakteur bei klimaretter.info, über die Wahl von Donald Trump zum neuen Präsidenten der USA.


Ist das der Super-GAU für den Klimaschutz? Zumindest die Vorstufe dazu. Richtig ist: Die Wahl des Teilzeit-Klimaskeptikers Donald Trump zum US-Präsidenten kommt im ungünstigsten Moment für die Weltgemeinschaft. Nach fast 25 Jahren im Kriechgang hat sie sich – mit dem historischen Paris-Abkommen – endlich aufgerafft, schnellere Schritte zur Stabilisierung des Klimasystems zu unternehmen – und zwar unter Führung der CO2-Obereinheizer China und USA. Doch nun fällt mit dem Amtswechsel von Barack Obama zu Trump einer der wichtigsten Antreiber dieses Prozesses weg.

Das heißt: Die anderen Regierungen müssen nun ohne die USA vorangehen, um den Super-GAU zu verhindern. Die Chancen, dass sie das tun, stehen besser als im Jahr 2000, als Obamas Vorgänger George Bush jr. aus dem Kyoto-Protokoll ausstieg, um keinen Klimaschutz betreiben zu müssen. Trump kann einen Austritt der USA aus dem Paris-Abkommen zwar einleiten, den er im Wahlkampf angekündigt hat. In Kraft treten könnte dieser Schritt gemäß der den UN-Regularien jedoch erst in vier Jahren. Und bis dahin kann viel passieren. Obamas Vorsorgeplan, den Vertrag durch eine schnelle Ratifizierung abzusichern, war, wie sich jetzt zeigt, sehr wichtig. Hätte er das nicht geschafft, der Paris-Prozess wäre schwer ins Schlingern gekommen.

Doch auch so ist die Lage alles andere als einfach. Auch wenn Trump "Paris" nicht einfach das Licht abdrehen kann, die Verunsicherung darüber, welchen Energie- und Klimakurs die USA nun einschlagen werden, ist groß. Trump hat ja das Gegenmodell zu Obama angekündigt – international und national. Sein Energieplan "America first" zielt auf eine US-Vorherrschaft bei Energie. Mangels klarem Programm weiß man aber nicht, was er genau in dem Sektor tun will – und vor allem, was er davon tatsächlich durchsetzen kann.

Trumps Stichworte heißen Nationalisierung und Deregulierung. Will sagen: Alle Anbieter – von fossilen Energien, aber auch von Atomkraft, Solarenergie oder Windkraft – sollen ungehindert ihre Geschäfte machen können. Er hat angekündigt, die Umweltauflagen für Kohle, Fracking-Erdöl und- Erdgas zu streichen. Die Ölpipeline Keystone XL, gegen die Obama sein Veto eingelegt hat, will Trump bauen lassen. Und die Bundesumweltbehörde EPA, die den "Clean Power Plan", der die Kohle zurückdrängt, soll geschlossen werden. Würde des alle Wirklichkeit, die guten Erfolge der USA bei der CO2-Reduktion im letzten Jahrzehnt würden zurückgedreht.

Dass es wirklich zu heftig kommt, ist fraglich. So wird Trump seine wichtigste Ankündigung für den Energiesektor – die Renaissance der Kohle – kaum wahr machen können. Auch ein Präsident Trump kann alleine keinen neuen Kohleboom erzeugen. Der Weltmarkt für die Kohle ist wegen des sinkenden Bedarfs übersättigt. Die Preise sind im Keller, es lohnt sich nicht, neue Gruben aufzumachen. Ziel von Trumps Äußerungen war ja auch eher, in den Kohlestaaten wie West Virginia und Kentucky Wähler zu mobilisieren.

Ähnlich sieht es beim Fracking für Erdgas und Erdöl aus, das Trump noch ausbauen will. Auch hier wird es schwierig, Fracking lohnt sich bei den aktuell niedrigen Öl- und Gaspreisen kaum mehr.

Umgekehrt dürfte Trump die erneuerbaren Energien kaum abwürgen, die inzwischen auch in den USA boomen. Auch er hat begriffen, dass Solarenergie und Windkraft zu einem gut laufenden Wirtschaftsmotor geworden sind, die inzwischen mehr Arbeitsplätze bieten als die Kohleindustrie.

Die Spannung, wie die "kühnen Träume" und der "Wiederaufbau Amerikas" aussehen werden, die Trump versprochen hat, könnte größer nicht sein – gerade im Energie- und Klimasektor. Es könnten Alpträume werden. Hoffentlich wacht Trump vorher auf.

BildDonald Trump, demnächst Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. (Foto: Gage Skidmore/Wikimedia Commons)

[Erklärung]  
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen