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New York: Nur gut gemeint

DER KOMMENTAR:

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Joachim Wille, Redakteur bei klimaretter.info, über die Ergebnisse des Klimagipfels in New York. Eine Erwiderung auf den Kommentar von Christian Mihatsch.

 

Gut gemeint, nicht gut geworden. Ja, fast gefloppt. Der Klima-Sondergipfel von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sollte einen Push für die nächsten beiden Weltklimakonferenzen bringen, die bis Ende 2015 in ein Kyoto-Nachfolgeprotokoll münden sollen. Doch das Ban-Treffen war – nach meiner Meinung anders als nach der des geschätzten Kollegen Christian Mihatsch – nicht besser als die anderen, nun schon seit 22 Jahren abgehaltenen Weltklimakonferenzen – es war wieder ein Spektakel der politischen Schizophrenie. Die Staats- und Regierungschefs ergingen sich in Beschwörungen, wie überaus drängend das Treibhaus-Problem sei, aber sie zögerten, konkrete Pläne, genaue Schritte, verbindliche Ziele bekannt zu geben. Sie übten sich in Aufschieberitis hoch zwei.

Prima Rhetorik, miserable Praxis. Das schillerndste Beispiel dafür lieferte US-Präsident Barack Obama. "Dieser Sommer war der wärmste, den wir jemals hatten. Die Sirenen schrillen und die Menschen gehen auf die Straße. Wir können nicht so tun, als ob wir es nicht sehen, wir müssen reagieren", tönte er vollmundig vor den Vereinten Nationen. Ein konkretes CO2-Ziel für die Zeit nach 2020 aber gab Obama nicht bekannt. Ebenso Fehlanzeige bei der Frage, wie viel Geld Washington in den Grünen Klimafonds einzahlen will, der den Entwicklungsländern bei der klimafreundlichen Entwicklung und Anpassung an den Klimawandel helfen soll. Das war das Muster, dem die meisten Gipfelteilnehmer folgten.

Bans Kalkül ist deshalb in beiden Hauptpunkten – Ambition und "Cash" – nicht aufgegangen. Der UN-Chef hatte die Staats- und Regierungschefs aufgefordert, jetzt schon bekannt zu geben, welche CO2-Reduktionen ihr Land für das nächste Jahrzehnt plant, um bis zum Paris-Gipfel Ende 2015 noch nachsteuern zu können. Doch Ban hatte die realpolitischen Zwänge unterschätzt. Obama und seine Regierung sperrten sich aus innenpolitischen Rücksichten, und so hielten sich auch fast alle anderen wichtigen Länder bedeckt, darunter China, das Land mit dem inzwischen größten CO2-Ausstoß. Man will sicher sein, dass die USA, die einst das Kyoto-Protokoll mit ausarbeiteten, es dann aber in die Altpapier-Tonne traten, es diesmal ernst meinen.

Nun sollen die Zahlen bis zum Frühjahr vorliegen. Aber auch Bans Hoffnung, sein Gipfel könne wenigstens mit üppigen Hilfszusagen für den Grünen Klimafonds glänzen, trog. Ganze 2,3 Milliarden Dollar wurden neu annonciert. Ziel sind allerdings 100 Milliarden – und das jährlich. Nun bekamen die Regierungen eine Nachfrist. Erwartet wird, dass Klarheit über die Finanzen bis November da ist, das heißt, vor dem diesjährigen Klimagipfel in Peru. Es bleibt zumindest fraglich, dass der Kassensturz bis dahin viel besser ausfällt.

Gipfel-Erfinder Ban zog trotz der mageren Ergebnisse eine positive Bilanz. "Der Gipfel hat geliefert", sagte er. Um dem zu folgen, muss man schon sehr blauäugig sein. Oder sogar blind. Dass über 300.000 Menschen in New York bei einer Klimademo mitmachen, Titanic-Star Leonardo DiCaprio als UN-Botschafter feurige Appelle an die Weltgemeinschaft richtet und die Staats- und Regierungschefs Öko-Lyrik verbreiten, reicht nicht aus.

Zwar kann man aus den Ankündigungen der USA und Chinas, überhaupt konkrete CO2-Reduktionsziele vorlegen zu wollen, etwas Hoffnung destillieren. Nachdem diese beiden alten Haupt-Widersacher sich aufeinander zubewegen, sind die Aussichten besser geworden, dass Paris keine Neuauflage des Kopenhagen-Fiaskos von 2009 wird. Doch dass das "Paris-Protokoll" ausreichen wird, um das Zwei-Grad-Limit der Erderwärmung einzuhalten, ist leider jetzt schon ausgeschlossen. Von den 1,5 Grad, die notwendig wären, um etwa die kleinen Inselstaaten zu retten, ganz zu schweigen. 

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Nicht der einzige professionelle Darsteller: Leonardo DiCaprio spricht auf dem UN-Klimagipfel in New York. (Foto: Screenshot/KRA)

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Alle Beiträge zum Ban-Ki-Moon-Gipfel finden Sie in unserem New-York-Dossier

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