Anzeige

Eine Schlacht gewonnen

DER KOMMENTAR:

Bild

 

Christian Mihatsch, Korrespondent von klimaretter.info in Bangkok, über die Bedeutung des UN-Klimagipfels in New York und die nächsten Schritte zu einem neuen Klimavertrag.

 

UN-Chef Ban Ki Moon hat hoch gepokert und gewonnen. Sein Klimagipfel war ein Erfolg. Wenn es gelingt, den Waldverlust bis 2030 zu stoppen, könnten die Emissionen um bis zu einem Sechstel sinken. Zudem hat der Gipfel gezeigt, dass die Kapitalmärkte beginnen den Klimawandel ernst zu nehmen. Das bedeutet, dass die Investitionen in fossile Energien zurückgefahren werden. Denn schon die derzeit bekannten Reserven an Öl, Kohle und Gas reichen aus, um eine Klimakatastrophe auszulösen. Investitionen in neue Fördergebiete sind folglich rausgeschmissenes Geld. Mit den "grünen Anleihen" haben die Märkte außerdem endlich ein Vehikel geschaffen, um nennenswerte Summen in den Ausbau der erneuerbaren Energien zu investieren.

Und schließlich trat beim Klimagipfel eine Koalition aus Ländern, Investoren und Unternehmen an die Öffentlichkeit, die sich für einen CO2-Preis einsetzt. Diesen Schulterschluss aus Wirtschaft und Politik hat es bislang nicht gegeben. Wenn die Klimakonferenz im nächsten Jahr in Paris zu einem wirksamen Weltklimavertrag führt, kann Ban folglich sagen, er habe den Grundstein dafür gelegt. Und wenn Paris scheitert, kann ihm niemand vorwerfen, er hätte nicht alles versucht.

Doch mit dem Klimagipfel hat die Menschheit nur eine Schlacht, aber noch lange nicht den Kampf gegen den Klimawandel gewonnen. Dazu müsste die CO2-Intensität der Weltwirtschaft – das Verhältnis zwischen Emissionen und Wirtschaftsleistung – jedes Jahr um mehr als sechs Prozent sinken, wie die Unternehmensberatung PwC ausgerechnet hat. Vergangenes Jahr sind die Treibhausgas-Emissionen pro 1.000 Euro Bruttoinlandsprodukt weltweit aber nur um 1,2 Prozent zurückgegangen. In Deutschland und den USA ist die CO2-Intensität sogar gestiegen. Kurz, die sechs Prozent und damit die Einhaltung des Zwei-Grad-Ziels sind noch in weiter Ferne – erscheinen nahezu unerreichbar.

Hoffnung durch Erneuerbaren-Boom

Doch aus zwei Gründen ist noch nicht alle Hoffnung verloren: Zum einen setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass Klimaschutz kein Wachstumshemmnis darstellt, sondern im Gegenteil das Wachstum sogar beschleunigen kann. Das liegt nicht zuletzt an den Kosten für erneuerbare Energien: In den vergangenen fünf Jahren ist der Preis für Solarzellen um 80 Prozent gesunken. Und auch Windenergie ist um 15 Prozent billiger geworden. In vielen Ländern sind die Erneuerbaren damit billiger als fossile Energien.

Und zum anderen gibt es noch gigantische Potenziale zur Senkung der Emissionen durch den Schutz der Wälder, die Verbesserung der Energieeffizienz und die Reduktion von anderen Treibhausgasen als CO2 wie Methan oder Fluorkohlenwasserstoffen (FKW). Die FKW-Produktion wird derzeit hochgefahren, um die ozonschädlichen Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) zu ersetzen. Außerdem besteht ein enormes gesundheitspolitisches Interesse an der Reduktion des weltweiten Rußausstoßes, was ebenfalls dem Klimaschutz zugute käme.

Zeit kaufen durch Rußfilter und Waldschutz

Um diese Potenziale zu nutzen, müssen die Länder nächstes Jahr in Paris ein Paket aus kurz- und langfristigen Maßnahmen beschließen: Kurzfristig gilt es, aggressiv in Rußfilter, den Waldschutz und die Abschaffung von FKW zu investieren. Das kostet einen niedrigen Milliardenbetrag, der wohl schon durch die Senkung der Gesundheitskosten amortisiert wird. Damit kann sich die Welt Zeit kaufen, bis die langfristige Maßnahme wirkt: ein CO2-Preis, der von Jahr zu Jahr steigt.

Die EU hat hier die Möglichkeit, das Ergebnis mit einem ehrgeizigen Emissionsziel für 2030 vorzuspuren, da Brüssel das Ziel vor den anderen Ländern bekannt gibt. Außerdem sind die EU-Länder unter den großen Staaten und Staatenbündnissen derzeit noch immer die einzigen mit einem CO2-Preis, dem EU-Emissionshandel.

Der Klimagipfel in New York hat gezeigt, dass große Teile der Wirtschaft und viele Länder bereit sind, der EU zu folgen. Endlich besteht also die Chance, dass sich die Vorreiterrolle der EU beim Klimaschutz auszahlt – sowohl in Form eines wirksamen Klimaschutzes als auch in Form von Wachstumimpulsen. Dies Chance gilt es zu nutzen.

Bild
New York könnte einmal der Grundstein für einen Klimavertrag werden. (Foto: Nick Reimer)

Bild


Alle Beiträge zum Ban-Ki-Moon-Gipfel finden Sie in unserem New-York-Dossier

[Erklärung]  
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen