Ein Herz für Klimaskeptiker

DER KOMMENTAR:

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Laura-Sophia Schulz, Praktikantin, und Susanne Ehlerding, Redakteurin bei klimaretter.info, über einen Fauxpas des Umweltbundesamtes.


Etwas übereifrig war das Umweltbundesamt bei der Erarbeitung einer neuen Broschüre. Der Titel "Und sie erwärmt sich doch – Was steckt hinter der Debatte um den Klimawandel?" lässt erahnen, auf welcher Seite das Amt steht. Neben Fachfragen werden auf den 122 Seiten aber auch die sogenannten Klimaskeptiker ins Visier genommen. Dieses siebte Kapitel der Broschüre sorgt für Zündstoff.

Unter anderem kritisiert das Umweltbundesamt die Journalisten Dirk Maxeiner (ehemaliger Chefredakteur von Natur) und Michael Miersch (Ressortleiter Forschung und Technik beim Focus). Wöchentlich veröffentlichen sie eine Kolumne in der Zeitung Die Welt und schreiben für das publizistische Netzwerk Die Achse des Guten. Ihre Beiträge würden "nicht mit dem Kenntnisstand der Klimawissenschaft übereinstimmen", schreibt das UBA.

Namentlich genannt wird auch der Filmemacher und Publizist Günter Ederer. Er  sei mit "klimaskeptischen" Inhalten in Film, Buch, Zeitungen und Zeitschriften aufgetreten. In Welt Online habe er unter der Überschrift "Die CO2-Theorie ist nur geniale Propaganda" generell die Ergebnisse der weltweiten Klimaforschung angezweifelt.

Außerdem nennt das UBA das Buch "Die kalte Sonne – Warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet" mit "klimaskeptischen" Inhalten. Autoren sind Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning. Sie "stellen grundlegende Erkenntnisse der Klimaforschung in Frage", scheibt das UBA.

Der Aufschrei danach war groß: Der Publizist Henryk M. Broder sah Anlass genug, das Umweltbundesamt mit der Reichskulturkammer zu vergleichen. Nach Informationen des ZDF erwägen die Betroffenen, Klage einzureichen.

Die Frage ist: Hat das Umweltbundesamt das Recht, Kritiker an den Pranger zu stellen?

Die Antwort lautet: Nein. Die Behörde versteht sich zwar als "ein Frühwarnsystem, das mögliche zukünftige Beeinträchtigungen des Menschen und seiner Umwelt rechtzeitig erkennt, bewertet und praktikable Lösungen vorschlägt". Trotzdem hat sie kein Recht, Kritiker der Klimaforschung bloßzustellen.

Zwar geht der Ton, den die "Klimawandelskeptiker" in der Auseinandersetzung mit der Klimawissenschaft anschlagen, nicht selten über das Maß einer sachlich-kritischen Diskussion hinaus, wie das UBA richtig bemerkt. Welch starke Lobby hinter ihnen steht, hat erst kürzlich Die Zeit ausführlich beschrieben. Doch auch Klimawissenschaftler sind nicht davor gefeit, sich in der Wahl ihrer Mittel zu vergreifen.

Auch hier bei klimwaretter.info schlagen die Wellen manchmal hoch. Nicht selten wird in Leserkommentaren die Grenze zur Beleidigung überschritten. Grundsätzlich aber sind Kritiker als Stachel im Fleisch wichtig. Sie bewahren vor einer Selbstzufriedenheit, die schädlich für den schwierigen Erkenntisprozess in der komplexen Klimawissenschaft wäre.

Einen weiteren Kommentar zum Thema finden Sie hier.

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Steht die Welt am Abgrund? Sogenannte Klimaskeptiker meinen: Alles nur Panikmache. (Bild: Age of Stupid)

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