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Asse könnte "Mission Impossible" sein

Der Kommentar

 

Joachim Wille, Redakteur bei klimaretter.info, über die "Lex Asse" und die Schwierigkeiten, Atommüll aus einem Salzstock zu holen, der löchrig wie ein Schweizer Käse ist. 

 

Nirgendwo auf der Welt gibt es bisher ein Atom-Endlager. Deutschland könnte schon bald eines bekommen – die Asse. Zwar hat der Bundestag gerade ein Gesetz beschlossen, das die Rückholung der in dem niedersächsischen Salzbergwerk lagernden 126.000 Fässer mit Nuklearmüll beschleunigen soll. Doch ob die Bergung tatsächlich gelingen kann, steht mehr denn je in Frage.

Das Problem: Niemand kann garantieren, dass der Salzstock bei Wolfenbüttel, der löchrig wie ein Schweizer Käse ist und in den Wasser eindringt, für eine sichere Rückholung stabil genug ist. Die Bergung ist alles andere als ein Kinderspiel. Sie ist höchst gefährlich und langwierig, weil viele der in den 1960er und 1970er Jahren in die Asse abgekippten Fässer aufgeplatzt oder verrostet sein dürften. Es wird wegen der nötigen Vorarbeiten – etwa dem Bau eines neuen Transportschachts – noch Jahre dauern, bis überhaupt mit dem Herausholen begonnen werden kann. Die ganze Prozedur könne Jahrzehnte dauern, meinen Experten –  trotz der Beschleunigung durch schnellere Genehmigungsverfahren. Derweil bröselt die Asse vor sich hin. Der Versuch, sie durch Verfüllen der Kammern zu stabilisieren, ist ein Wettlauf gegen die Zeit.

Die "Lex Asse" ist – ungewöhnlich genug – im völligen Konsens aller Parteien entstanden, selbst die Linke war an der Entstehung beteiligt. Das zeigt, wie dringlich die Sache ist. Von der Bürgerinitiative bis zum Bundesumweltminister – alle Welt ist sich einig, dass die Rückholung und Lagerung in einem sicheren Endlager die beste Lösung wäre, auch wenn sie bis zu sechs Milliarden Euro kosten wird. Doch auch das Beschleunigungsgesetz ist keine Garantie dafür, dass es so kommt.

Michael Sailer, Deutschlands oberster Atom-Entsorgungsexperte, hat bereits gewarnt, die Rückholung entwickle sich immer mehr zur "Mission Impossible". Das Bergwerk drohe einzustürzen und mit Wasser "vollzulaufen". Der Chef der Entsorgungskommission des Bundes schlägt als Alternative vor, Barrieren vor die Asse-Kammern zu bauen, in denen der Atommüll lagert. Parallel sollten möglichst viele der Hohlräume im Bergwerk mit Feststoff verfüllt werden. Der Vorteil sei, dass im Falle eines Absaufens der Asse jede bis dahin realisierte Maßnahme die Gefahr für das Grundwasser mindere.

Die Politiker und das Bundesamt für Strahlenschutz als Asse-Betreiber sollten Sailers Warnung ernst nehmen. Es wäre falsch, alles auf die Karte Rückholung zu setzen, und am Ende nur noch den GAU eines kollabierenden Bergwerks samt Versuchung des Grundwassers zur Kenntnis nehmen zu müssen.


Die Bergung des Atommülls aus der Asse bleibt ein Wagnis und kostet Milliarden. (Foto: Bundesamt für Strahlenschutz)


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