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Der Öko-Bundespräsident

DER KOMMENTAR:

Joachim Wille, Redakteur bei klimaretter.info, über Joachim Gauck als Bundespräsidenten.

 

 

Mag sein, dass Joachim Gauck der richtige Mann zur rechten Zeit ist. Der früherer DDR-Bürgerrechtler und Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde gilt als integrer, unbestechlicher Mann, der das ramponierte Ansehen des durch die Wulff-Affäre Bundespräsidenten-Amtes und der Politik an sich wieder heben kann. Auch wird er die nach über 20 Jahren immer noch weit von der Vollendung entfernte deutschen Einheit voranbringen – so beliebt, wie er gerade auch unter den Wessies ist. Doch die Frage, ob Gauck ansonsten die richtigen Zukunftsthemen setzen wird, ist noch offen.

Ein anderer "Kandidat" hätte es mit Sicherheit getan: Klaus Töpfer, der Ex-Umweltminister, Ex-Chef des UN-Umweltprogramms, Ex-Atom-Ethik-Kommissionsvorsitzender – die schwarzgrüne Eminenz der Republik. Tatsächlich war er die zweite Persönlichkeit neben Gauck, die am Ende wirklich noch im Rennen war. Doch hauptsächlich die FDP mauerte gegen den Vordenker aus der Union. "Konservativer Weltverbesserer" hatte Liberalen-Chef Philipp Rösler den Mann genannte, was als Schimpfwort gemeint war, und ihm vorgeworfen, er wolle das Wirtschaftswachstum aus Umweltgründen abwürgen. So jemand als Staatsoberhaupt – undenkbar. Zumindest, wenn man Rösler, Brüderle oder Döring heißt.

Töpfer wäre die personale Garantie dafür gewesen, dass trotz Euro- und Wirtschaftskrise die langfristig noch viel wichtigeren Zukunftsthemen nicht aus dem Fokus geraten – beziehungsweise endlich wieder dort hinein kommen. Zum Beispiel Klimaschutz, Energiewende, Artenschutz, Sicherung der Bodenfruchtbarkeit, Umwelt- als Friedenspolitik. Dass er dabei, wenn nötig, mit Kritik auch an der Bundesregierung nicht gespart hätte, war klar. Unlängst gab er Schwarz-Gelb kräftig Zunder wegen der schleppenden Energiewende. Es hapere da gewaltig bei der Umsetzung, kritisierte er. "Ganz klar: Was passiert reicht nicht." Besonders Rösler kritisierte er, der als Wirtschaftsminister bewusst auf der Bremse stehe. Diese Offenheit dürfte ihm endgültig die Chance auf das höchste Amt gekostet haben.

Nun ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass Gauck, der bisher als "Umweltbewegter" nicht in Erscheinung getreten ist, auch dieses Mega-Thema für sich erkennt. Rat könnte er sich leicht holen. Töpfer leitet das neue Nachhaltigkeits-Institut IASS in Potsdam. Von da bis zum Schloss Bellevue in Berlin ist es ein Katzensprung.

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